Harburg
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Ein Vollblutfolker feiert Geburtstag

50 Jahre auf der Welt, 30 Jahre auf der Bühne und 10 Jahre bei den Celtic Cowboys: Guido Plüschke feiert dreifach

50 Jahre auf der Welt, 30 Jahre auf der Bühne und 10 Jahre bei den Celtic Cowboys: Guido Plüschke feiert dreifach

Foto: Lars Hansen / xl

Rundes Alter und Bühnenjubiläum: Guido Plüschke gibt Gas im Rieckhof. Sogar „Garifin“ wird wiederbelebt.

Harburg.  Wenn das Harburger Folk-Urgestein Guido Plüschke am Sonnabend die Bühne des Rieckhof betritt, hat er viel zu feiern: seinen 50. Geburtstag, sein 30. Bühnenjubiläum, 10 Jahre „Celtic Cowboys“ und die Präsentation der dritten CD dieser Band. Wenn er also um 20 Uhr auf der Bühne erscheint, bleibt er dort, bis um Mitternacht der Rieckhof das Konzert beendet. Um ihn herum wird es allerdings ein großes Kommen und Gehen geben, denn zu der Feier hat der gut vernetzte Folker Guido Plüschke nicht nur die drei Bands auf das Programm gesetzt, in denen er aktuell spielt, sondern auch zahlreiche andere Weggefährten von einst bis jetzt eingeladen. So können sich die Harburger Fans auf die von vielen lang ersehnte – allerdings einmalige – Wiedervereinigung der Band „Garifin“ freuen.

Dass Guido Plüschke Folk-Vollprofi wird, war zunächst gar nicht geplant. Banklehre, Bundeswehr, Betriebswirtschaftsstudium war der Weg, den er für sich vorgezeichnet sah, und den er sich auch nicht anders auszumalen gedachte. Doch bei der Bundeswehr setzte die Langeweile ein und statt zum Getränk, griff Guido zur Gitarre. „Zunächst einfach so, für mich“, sagt er, „dann saßen wir aber schnell am Wochenende mit Freunden am See und spielten am Lagerfeuer. Daraus ist später Garifin entstanden.“

Ab 1988 mischten Guido und einige der späteren Garifin-Leute das erste mal bei öffentlichen Sessions im Rieckhof mit, Ende 1988 kam der erste Auftritt der Gruppe Garifin, die sich als Harburgs Heim-Folk-Band schnell einen Lokalmatadorenstatus erspielte und mit dem dadurch gewonnenen Selbstvertrauen auch in der Ferne Fans sammelte.

Mittlerweile war Guido im Betriebswirtschaftsstudium angekommen und langweilte sich auch da. Er wechselte das Fach und studierte angewandte Kulturwissenschaften. Seine Magisterarbeit über die irische Rahmentrommel Bodhrán ist weltweit eines der wenigen wissenschaftlichen Werke über dieses Instrument.

Als Kulturwissenschaftler mit kaufmännischen und wirtschaftswissenschaftlichen Kompetenzen kam Guido Plüschke beim Konzertveranstalter Karsten Jahnke unter. Gleichzeitig verfolgte er aber auch seine eigenen Projekte: Kurse und Workshops für die Trommel, über die er seine Abschlussarbeit geschrieben hatte, die Band Garifin und immer wieder kleinere Formationen, die besser auf die Nischenbühnen der Irish Pubs passten und mit denen man sich die kargen Gagen der Sparte „bierbegleitende Kultur“ auskömmlicher teilen konnte.

Das klappte allerdings nicht immer. „Einmal war es so schlimm, dass ich nach einem Auftritt mit 10 Euro netto nach Hause kam, und meiner Frau zu erklären hatte, warum sie wegen dieser Summe allein zu Bett gehen musste“, erinnert er sich. „Aber solche Abende blieben zum Glück die Ausnahme, und irgendwann stellte ich fest, dass ich zwar von keinem einzelnen meiner Projekte leben konnte, aber dass die Summe doch ausreichte, um den festen Job an den Nagel zu hängen.“

Nach 19 Jahren löste sich zwar „Garifin“ auf, aber mit den Trios „Lighthouse Lads“ für die Pub-Szene und „Trasnú“ für Folk mit höchstem Anspruch sowie seinen Geschäften rund um die Trommel hatte Guido Plüschke immer noch genug zu tun. Außerdem tat sich ein neues Projekt auf: Vor zehn Jahren wurden die „Celtic Cowboys“ gegründet, die in Harburg mittlerweile mindestens so einen Kult-Status haben, wie einst „Garifin“. Mittlerweile Multiinstrumentalist, spielt Plüschke dort Mandoline, Banjo und Bodhrán. Er könnte zur Not aber auch noch an der Gitarre aushelfen. Bei Guido Plüschkes Geburtstagsgala stellen die „Cowboys“ ihre dritte CD vor.

„Ich bereue es kein bisschen, Musiker geworden zu sein“, sagt Guido Plüschke. „Das ist zwar eine härtere Arbeit als es den Anschein hat, aber ich habe so viele tolle Leute kennen gelernt, die ich als Buchhalter wohl nie getroffen hätte.“

Darunter ist zum Beispiel Solveigh Rose. Die hat mit Folk sonst nicht viel am Hut. Sie ist erste Geigerin des Philharmonischen Staatsorchesters, also quasi Vorarbeiterin der Elphi-Orchestermusiker. Ihr half Guido Plüschke bei einem „Classic-meets-Folk“-Abend. Jetzt revanchiert sie sich bei seiner Geburtstagsgala. Darunter ist auch Siobhan Kennedy, Sängerin aus dem irischen Dundalk, die schon als Kind Gesangspreise sammelte. Auch sie kommt – wie viele weitere Weggefährten morgen in den Rieckhof.

Von irischen Folk-Autoritäten preisgekrönt ist übrigens auch das Geburtstagskind. Mehrfach gewann Guido Plüschke wichtige Trommelwettbewerbe. Der eigentliche Geburtstag war übrigens schon am Donnerstag. „Das ist aber schlecht zum Feiern und der Freitag war auch doof. Der 20. April ist so ein unschönes Datum!“