Harburg
HR-Regional

Jetzt lass mal flattern, Frühling!

Wenn der Wind des abends ein Gemisch aus Schnee und Regen gepflegt zwischen die Sitze einer vollgeregten Bushaltestelle bläst, kann man in diesen Tagen schon mal ins Grübeln kommen. Darüber, was wir alles so satt haben – teilweise seit Monaten.

An dieser Stelle nur eine kleine Auswahl: Kälte und Nässe bis in die hinteren Reihen des öffentlichen Nahverkehrs, Glatteis und Streugut unter den Schuhen und später drinnen auf dem Parkettfußboden. Wetterdurchsagen unter fünf Grad, gern auch im Minus. Schwere Stiefel bis zum Knie, Stiefeletten, auch nicht besser. Trotzdem nasse, kalte Füße, lange Mäntel und kurze Fragen nach dem Eiskratzer im Auto, verschobene Termine für den Reifenwechsel. Schnee im Garten, mit dem Schieber auf dem Weg gegen vom Frost hochgedrückte Platten stoßen. Genervte Vögel, die ihr Futter nicht wiederfinden. Eingefrorenes Trinkwasser und einen Riss in der Tränke, die 20 Jahre halten sollte.

Vom Pappschnee eingedrückte Buchsbäume, die aussehen, als habe sich der Weihnachtsmann auf dem Rückweg draufgesetzt. Erfrorene Stiefmütterchen und die mitleidigen Blicke des Personals in den Baumärkten, denen es privat ja genauso geht wie uns. Sonne immer nur minutenweise, verbunden mit der Drohung im Radio, alles werde schon ganz bald, spätestens morgen wieder vorbei sein. Oh, die Auswahl ist doch umfangreicher geworden als gedacht.

Nach alledem stellt sich die alles entscheidende Frage: Wie soll man das aushalten? Dunkel erinnern wir uns noch an das Gedicht von Eduard Mörike. Sie wissen schon: „Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“ Also Frühling, nun leg mal los. Sonst, ja sonst?

Drohen wollen wir dem Frühling lieber nicht, sonst kommt er gar nicht mehr. Also lieber Frühling: Lass mal flattern und mach mal hin!