Harburg
Kreis Harburg

Jäger sorgen sich um die Hasen

Die nasse Witterung hat die Zahl der Tiere 2017 sinken lassen. Langohr gilt als Beleg für eine intakte Natur

Kreis Harburg.  Er lebt in einer flachen Erdmulde, der Sasse, streift auf einer Fläche von zehn bis 50 Hektar umher und nascht gern frische Kräuter. Sein Herz schlägt mit 325 Mal pro Minute bis zu drei Mal schneller als das eines Menschen und seine Augen kann er um 360 Grad drehen, um Feinde schneller zu entdecken und flüchten zu können. Innerhalb eines Jahres freuen sich die Eltern bis zu drei Mal über Nachwuchs. Ihr Name ist Hase.

Im Landkreis Harburg jedoch sind immer weniger der Langohren unterwegs. Das weisen die Strecken des Jagdjahres 2017/18 aus. Danach ist die Zahl der geschossenen Hasen – lateinisch: Lepus europaeus – seit 2014/15 von 969 auf 476 zurückgegangen. 245 Tiere wurden in der vergangenen Periode zudem Verkehrsopfer. Der eine oder andere dürfte zudem unter die immer schnelleren und breiten Landmaschinen geraten sein.

Zwar ist bundesweit die Zahl der Hasen zwischen Frühjahr und Herbst 2017 um sechs Prozent gestiegen, wie aus den Zählungen von Jägern für das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) hervorgeht. Doch in der Region um den Landkreis Harburg sank ihre Population um drei Prozent. Nur im ostdeutschen Mittelgebirge war der Rückgang mit sieben Prozent noch stärker.

Hintergründe für die Entwicklung bei den Tieren, die zu Ostern zumeist aus Schokolade die Regale der Süßwarengeschäfte und Abteilungen füllen, gibt es viele. Der Landkreis Harburg mit seinen großen Waldflächen ist ohnehin nicht das optimale Gelände für Hasen. Sie lieben offene Flächen und Grasland und nutzen gern Ackerfurchen, um sich dort hinein zu legen. Immerhin: Die Menge der eingebrachten Gülle hält sich in Grenzen und verdirbt den Hasen weniger den Appetit als weiter im Westen. „Auch der Maisanbau, bei dem kaum Begleitgrün für die Tiere mitwächst, ist bei uns weniger verbreitet als anderswo“, sagt Kreisjägermeister Norbert Leben.

Allerdings spielte das Wetter den Haseneltern gerade 2017 übel mit. Statt wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre 700 bis 800 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter fielen zuletzt 1200 Millimeter Regen. „Das mögen Hasen nicht“, sagt Leben. Die Jungen kühlen aus und kommen nicht durch. Ohnehin überleben nur zwei bis drei von bis zu zehn Jungen eines Paares jährlich. Bei kalten und nassem Wetter dürften es aber 2017 weniger gewesen sein.

Die Jäger haben darauf bereits reagiert. Sie hielten sich zurück. „In den Revieren mit weniger als acht bis zehn Hasen pro 100 Hektar haben wir allenfalls einen oder zwei Hasen oder gar keinen geschossen“, sagt Leben. Dies gilt für 40 Prozent aller 273 Reviere im Landkreis, in denen rund 2200 Jäger auf die Pirsch gehen. Dafür kümmerten sie sich um die Feinde der Hasen.

Knapp 1500 Füchse, 271 Marderhunde, 188 Dachse und inzwischen auch 65 Waschbären wurden bis Ende März erlegt. Gleich revierübergreifenden kamen Rabenkrähen vor die Visiere, zu deren Beute schon mal arglose Junghasen gehören. All das dürfte das Leben der Hasen nun etwas sicherer machen. Kreisjägermeister Leben verweist aber darauf, dass es stets schwierig sei, die Natur durch Menschenhand zu regulieren: „Am besten ist es, wenn Jäger nicht stark eingreifen müssen.“

Gestört fühlen sich Hasen auch durch Fußgänger, die mit Hunden durch die Wälder streifen. „Hunde bringen Haseneltern aus der Ruhe und scheuchen sie von ihren Jungen weg“, sagt Leben. Grundsätzlich gilt: In Naturschutzgebieten müssen Haustiere an die Leine. Die Regelung ist vom 1. April bis zum 15. Juli überall verbindlich.

Sind in der Natur Hasen unterwegs, ist das allemal ein gutes Zeichen. Denn die Tiere gelten als „Weiser“ und damit als Beleg für Artenvielfalt und eine weitgehend intakte Natur. „Wir sehen im Landkreis derzeit vor allem starke, groß gewachsene Hasen, die das schlechte Wetter durchgestanden haben und jetzt älter als ein Jahr sind“, erklärt Leben. Das lässt ihn auf eine größere, neue Generation in diesem Jahr hoffen. Die ersten Jungen des Jahres dürften die Häsinnen im Februar und März bereits geboren haben.