Harburg
Protest

Bau der A 26 bedroht seltene Vögel

Autobahngegner protestieren am Moorburger Kirchdamm entlang des Korridors, an dem die A26-Ost das Moor zerschneiden soll

Autobahngegner protestieren am Moorburger Kirchdamm entlang des Korridors, an dem die A26-Ost das Moor zerschneiden soll

Foto: Thomas Sulzyc

Naturschützer sehen Pflanzen und Tiere wie die Bekassine in Moorburg in Gefahr. Gegner der Autobahntrasse wollen Kräfte bündeln

MOORBURG.  Die Gegner der geplanten Autobahn A 26-Ost denken über eine gemeinsame Organisationsform nach. Der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg schlägt vor, einen Dachverband in Form eines Aktionsnetzwerkes zu gründen. Umweltschutzverbände könnten gemeinsam mit verschiedenen Bürgerinitiativen und Klägergemeinschaften von betroffenen Wohnungseigentümern und Mietern ihre Position vertreten – eventuell auch vor dem Oberverwaltungsgericht Hamburg oder dem Bundesverwaltungsgericht. Mehr als 60 Autobahngegner haben am Sonnabend in Moorburg auf die ihrer Meinung nach unnötige Zerstörung von wertvollen Naturräumen im Moor hingewiesen, die der Autobahnbau mit sich brächte.

„Wenn wir uns zusammenschließen, sind wir eine echte Kraft, die der Behörde für Verkehr das Fürchten lernen kann“, sagt Manuel Humburg von „Zukunft Elbinsel“ bei der Kundgebung. In ihrer Strategie setzen die Autobahngegner darauf, eine bessere Alternative zum Bau der A 26-Ost zu präsentieren. Manuel Humburg wirft Hamburgs Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) vor, sich der Prüfung von Alternativen zu verweigern.

Der Verein Zukunft Elbinsel Wilhelmsburg schlägt eine Revitalisierung der Hafenhauptroute vor. Lastkraftwagen sollen demnach den Köhlbrand durch einen neu zu bauenden Tunnel queren. Die bestehende, in die Jahre gekommene Köhlbrandbrücke würde den Pkw- und Fahrradverkehr aufnehmen. Ein Tunnel müsste geschaffen werden, um den Verkehr aus dem Hafen über den Veddeler Damm zur A 1/A 252 zu führen. Wohngebiete in Wilhelmsburg, auf der Harburger Schlossinsel, in Bostelbek und Moorburg wären nicht betroffen, und der Hafenwirtschaft wäre mehr geholfen, argumentieren die Autobahngegner.

Zukunft Elbinsel hält seinen Vorschlag für geeigneter als den Autobahnneubau – ein Kriterium, das in einem Verwaltungsgerichtsverfahren geprüft würde. Der Umweltschutzverband NABU hält den Bau der A26-Ost für unvereinbar mit dem europäischen Naturschutzrecht. Mehrere Ausnahmegenehmigungen vom Bundesnaturschutzgesetz seien nötig, sagt Frederik Schawaller, Leiter der NABU-Gruppe Süd in Hamburg.

Die Autobahn würde mitten durch den ökologisch wertvollen Grüngürtel entlang der Moorburger Landscheide verlaufen. Mehr als 50 stark bedrohte Pflanzenarten und etwa 80 Brutvogelarten, teilweise von Aussterben bedroht, haben in dem Moor ihren Lebensraum. Brutreviere gingen nicht nur auf der Trasse, sondern in bis zu 200 Meter Entfernung von der Autobahn verloren, sagt Frederik Schawaller. In dem von dem Autobahnbau betroffenen Moor leben drei Paare der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Bekassine. Der wegen seines meckernden Geräusches auch Himmelsziege genannte Vogel lasse sich nicht umsiedeln. „Vögel sind Traditionalisten und versuchen, in ihrem Revier zu bleiben“, sagt Frederik Schawaller. Die vorgesehene Trasse bezeichnet der angehende Biologe als „verheerend“. Mehr als jede andere Variante würde sie die Natur zerstören.

Wie Frederik Schawaller berichtet, würde von dem Autobahnbau zudem ein Brunnen betroffen sein, aus dem Wasser für die Freie und Hansestadt Hamburg gefördert werde. Zurzeit liegt der Brunnen geschützt von einem Wäldchen am Moorburger Kirchdamm. Normalerweise gelte Grundwasserschutz in Hamburg als wichtiges Ziel, sagt er: „Aber das scheint hier keine Bedeutung zu haben.“