Harburg
Neugraben

Vier Ärzte kommen nach Süderelbe

Neben schicken Häusern soll das Neubaugebiet Vogelkamp

Neben schicken Häusern soll das Neubaugebiet Vogelkamp

Foto: diverse / HA

Die Mediziner wollen sich im Quartier Vogelkamp niederlassen. Zehn weitere Kindergärten sollen außerdem bis zum Jahr 2025 kommen

Neugraben-Fischbek.  Die Bemühungen, dem Ärztemangel im Raum Süderelbe entgegen zu wirken, zeigen offenbar einen ersten Erfolg: Ein Allgemeinmediziner, ein Augenarzt, ein Optiker und eine Ambulanz für Traumafolgestörungen seien bereit, sich in dem von der IBA Hamburg GmbH entwickelten Neubaugebiet „Vogelkamp“ in Neugraben niederzulassen. Ein Investor bereite zurzeit den Bauantrag vor, die Praxisräume zu schaffen. Das sagte am Dienstagabend IBA-Projektkoordinatorin Silke Schumacher bei der Informations- und Beteiligungsveranstaltung „Entwicklungsperspektiven Neugraben-Fischbek 2025“ des Bezirksamtes Harburg in der Schule Ohrnsweg.

Die Verbesserung der medizinischen Versorgung haben der Senat und die Bürgerinitiative Neugraben-Fischbek als Zielvereinbarung in dem im Juni abgeschlossenen Bürgervertrag aufgenommen. Der Senat erkennt darin eine „schwierige medizinische Versorgungslage“ und eine „starke Handlungsnotwendigkeit“ an.

Die Versorgung mit Hausärzten, Kinderärzten und Gynäkologen müsse verbessert werden, sagt Harburgs Sozialdezernent Holger Stuhlmann. Aber selbst wenn der Bezirk Harburg dafür ein Budget anmelden würde, hieße das noch nicht, dass sich tatsächlich Ärzte fänden, die sich in Neugraben-Fischbek niederlassen möchten. Der Stadtteil gilt als arm an Privatpatienten und deshalb als wenig attraktiv bei der Ärzteschaft.

Ein Investor im geplanten Neubaugebiet „Fischbeker Reethen“ wolle dennoch Räume für Arztpraxen schaffen, sagte Silke Schumacher in der kleinen Runde der Arbeitsgruppe „medizinische Versorgung“.

Indes ist die Bürgerinitiative Neugraben-Fischbek mit der Forderung an die Öffentlichkeit getreten, die städtische IBA Hamburg GmbH mit der Entwicklung von medizinischen Zentren wie zum Beispiel Ärztehäusern zu beauftragen. Die Hoffnung ist offenbar, mit einem attraktiven räumlichen Angebot Ärzte in den Stadtteil zu locken.

Neugraben-Fischbek gilt als einer der am stärksten wachsenden Stadtteile Hamburgs. Hier findet der Mittelstand noch bezahlbare Eigenheime. Nach Angaben des Bezirksamtes Harburg werden bis zum Jahr 2025 in den drei von der IBA Hamburg GmbH entwickelten Wohngebieten mehr als 11.800 zusätzliche Menschen zu den jetzt 27.500 Einwohnern hinzukommen.

Wer die sozialen Einrichtungen, in der Verwaltung ist von „Wohnvoraussetzungseinrichtungen“ die Rede, mit dem starken Bevölkerungszuwachs in Neugraben-Fischbek Schritt halten sollen, haben Mitarbeiter der Sozialbehörde, der Schulbehörde und des Bezirksamtes Harburg den etwa 60 Besuchern erläutert.

Demnach werden in Neugraben-Fischbek bis zum Jahr 2025 zehn zusätzliche Kindertagesstätten entstehen. Zurzeit betreuen 13 Kindergärten etwa 1000 Kinder. Im Jahr 2025 werden es 23 Kindergärten mit insgesamt 1900 Kindern sein, so die Leiterin der Abteilung Trägerberatung und Bauangelegenheiten in der Sozialbehörde, Iris Braake. Die Versorgung mit Kindergartenplätzen in Neugraben-Fischbek sei überdurchschnittlich gut. Die Betreuungsquote mit Plätzen für die Dauer von fünf Stunden liege bei 43,3 Prozent. In Gesamt-Hamburg seien es lediglich 36,6 Prozent.

Auch die Ausstattung mit Schulen sei gut. Das zumindest sagt die Schulbehörde. Bis zum Jahr 2025 sollen die Kapazitäten für Grundschüler um fünf Züge ausgebaut werden. Vier bis fünf zusätzliche Züge sollen an weiterführenden Schulen entstehen. Am Gymnasium Süderelbe sei kein Ausbau mehr möglich, der Standort sei an seine Grenzen gestoßen. Die Behörden suchen zurzeit nach einem Standort für den Neubau einer weiterführenden Schule – gefunden haben sie aber bisher noch keinen. Der Schulneubau solle nicht am Rand liegen, eher zentral, sagt Holger Stuhlmann nur.

Ein Vater kritisiert die Entwicklung der Schullandschaft in Neugraben-Fischbek deshalb als „eher unausgegoren“. Wer ein Gymnasium besuchen wolle, müsse den zehn Kilometer langen Weg nach Harburg in Kauf nehmen. Familien, die nach Neugraben-Fischbek zögen, würden das als eine schwierige Situation ansehen, sagt er. Marita Cassens von der Schulbehörde gibt zu bedenken, dass es bei älteren Schülern manchmal besser sei, sie trotz des Umzugs in einen anderen Stadtteil an ihrer alten Schule zu belassen.

„Entwicklungsperspektiven Neugraben-Fischbek 2025“, Thema: Nahversorgung, Verkehr, Sicherheit, Dienstag, 20. September, 19 bis 21 Uhr, BGZ Süderelbe, Am Johannisland 4