Harburg
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In der Seevepassage treffen sich die Kulturen

Seevepassage

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Foto: Katharina Geßler / HA

Der Verein Unternehmer ohne Grenzen kümmert sich intensiv um die Geschäftsinhaber im Quartier rund um das Marktkaufcenter.

Harburg.  Das Motto ist Programm: „Hier treffen sich die Kulturen“. Unter dieser Überschrift lädt der Verein Unternehmer ohne Grenzen (UoG) zum vierten Straßenfest in die Harburger Seevepassage ein. Gefeiert wird am Sonnabend, 3. September, von 14 bis 18 Uhr. Dass der Verein dieses Fest auf die Beine stellt, steht für einen tieferen Sinn. Denn neben reichlich Spaß, den es an dem Tag natürlich auch geben soll, geht es darum: Fassaden des Schwarz-Weiß-Denkens und der Vorbehalte einzureißen und das friedliche Miteinander zu kultuvieren.

Ein Anliegen, das eingebettet ist in das UoG-Projekt Lokale Ökonomie Harburg und für das der Bezirk dem Verein eine Finanzspritze von 15.000 Euro gewährt. Betül Zerdeli (36, sie studierte u. a. Betriebswirtschaft) und Fatma Yüce (47, absolvierte einige Semester Jura) sind zwei der insgesamt vier Mitarbeiterinnen, die sich im Harburger Büro der Unternehmer ohne Grenzen um Geschäftsleute mit Migrationshintergrund kümmern – von der Existenzgründung bis zur Altersvorsorge. Sie geben Tipps, wie etwa im Betrieb mithelfende Familienmitglieder abgesichert werden können oder helfen bei der Konzeption eines Umbaus. Und wenn es um die Seevepassage geht, tun sie alles, um die dort vertretenen Geschäftsleute möglichst an einen Tisch zu bringen.

Das sei am Anfang nicht immer einfach gewesen, sagt Fatma Yüce. Denn die Seevepassage mit ihren gut 20 Ladeninhabern ist bunt. Türken, Kurden, Deutsche, Afrikaner oder Afghanen betreiben dort ganz unterschiedliche Geschäfte – ob Supermarkt oder Fleischerei, ob Friseure, ein Geschäft für Brautmoden oder eine Galerie, in der Passage ist so ziemlich alles vertreten, was es braucht, um alltäglich und besondere Wünsche der Menschen zu erfüllen.

Da ist zum Beispiel der Adese Markt, den der studierte Betriebswirt Erol Aslan (42) seit zehn Jahren gemeinsam mit seiner Schwester Turkan Darmaz (46) betreibt. Ein Familienbetrieb in XXL: Auf 1100 Quadratmetern werden hier 10.000 Artikel aus mittlerweile 42 Nationen angeboten. Eis aus Russland gibt es ebenso wie Kartoffeln aus Afrika. Vieles von dem, was die Menschen aus ihrer alten Heimat kennen oder aber beim jüngsten Urlaub im Ausland lieben gelernt haben, findet sich hier. Dass das Geschwisterpaar das Engagement der Unternehmer ohne Grenzen für die Seevepassage unterstützt, ist selbstverständlich. „Das ist eine tolle Ecke hier, und das wollen wir auch zeigen“, sagt Erol Aslan.

Ferhat Akin (28) und Bünyamin Keklik (27) ziehen am gleichen Strang. Akin ist Koch und kam vor acht Jahren aus der Türkei nach Harburg. Eine ganze Weile hat er seine türkischen Spezialitäten an einem mobilen Stand angeboten. Als dann der Laden „My Börek“ in der Seevepassage frei wurde, hat er zugegriffen. Unterstützt von den Unternehmer ohne Grenzen, denkt er jetzt über Umbau und künftige Ausrichtung seines Geschäftes nach: „Ein richtiges Café, wo man auch draußen sitzen und gut essen kann.“

Seit 20 Jahren schon gibt es das Geschäft für Braut- und Abendmoden Rüya. Vor acht Jahren hat es Bünyamin Keklik (27) von seinem Vater übernommen. Für das Straßenfest am Sonnabend stockt er seinen Lagerbestand noch mal ordentlich auf.

Für die Party am Sonnabend versprechen die Organisatoren ein Programm, das zur Seevepassage passt, wie das Gelbe zum Ei. Fatma Yüce und Betül Zerdeli vom Verein UoG planen ein multikulturelles Bühneprogramm: „Als Hauptattraktion wird der Gitarrist Roland Prakken mit seiner Band Kleine Freiheit auftreten“, sagt Betül Zerdeli. Außerdem gebe es zusätzlich zum Bühnenprogarm und Angeboten für Kinder etliche Informationsstände: „Eine Netzwerkmeile, die sich vom Gloriatunnel bis auf den Platz vor dem Marktkauf-Center erstreckt.“

Passanten, Anwohner und Straßenfest-Besucher sollen sich hier über die vielfältige Arbeit im Stadtteil informieren und sich mit Gewerbetreibenden und Initiativen austauschen können – etwa mit dem Harburger Integrationsbeirat, dem Alevitischen Kulturverein oder dem Verein griechischer Eltern und Erziehungsberechtigten.

Benjamin Korturm (32) vom City-Management des Marktkauf-Centers wird das Fest jedenfalls auch in diesem Jahr wieder besuchen – und weiß jetzt schon genau, warum er sicher auf seine Kosten kommt: „Das Miteinander in der Seevepassage spiegelt genau das Harburg-Gefühl wider, das ich so gut finde.“