Harburg
Serie Lokalrunde

Heide-Idyll und Hexenkult

Auf dem Töps: Die Heidefläche gehört mit Schafstall und Bienenzäunen zu den schönsten Teilen der Lüneburger Heide

Auf dem Töps: Die Heidefläche gehört mit Schafstall und Bienenzäunen zu den schönsten Teilen der Lüneburger Heide

Foto: Martina Berliner / HA

Alle Wanderungen, die Martina Berliner für Sie testet, enden an ihrem Ausgangspunkt. Heute geht’s von Hanstedt nach Dierkshausen

Wald, Feld, Heide - die abwechslungsreiche und liebliche Landschaft rund um Hanstedt hat schon vor hundert Jahren Ausflügler angezogen. Diese Rundtour führt an einem Platz vorbei, an dem anno dazumal naturbegeisterte Städter und unbekleidete Sonnenanbeter mitten im Gehölz seltsame Riten vollzogen. Überwiegend orientiert sich die Tour aber an Waldrändern.

Von dort eröffnen sich wunderbare Ausblicke. Bei klarer Sicht sieht man vom „Töps“ bis nach Hamburg. Wir starten vom Parkplatz des Hanstedter Waldbads. An der Ecke An der Rodelbahn/Waldweg zum Bad informiert ein Schild über den eiszeitlichen Ursprung der Heidelandschaft. Dass die Gletscher durch Schieben von Sand und Geröll ein hügeliges Relief geschaffen haben, ist an dieser Stelle kaum zu spüren.

Unterwegs auf der „Jahresbaumallee“

Wir folgen der sehr geraden und ebenen Waldstraße An der Rodelbahn Richtung Norden. Zur Orientierung: Das Schild, das auf ein Wasserschutzgebiet hinweist, liegt beim Start zu unserer Rechten. Bald treten wir aus dem Wald heraus und befinden uns nun zwischen Acker und Wiese auf der „Jahresbaumallee“. Tafeln benennen die Baumarten am Wegesrand. Wir passieren ein Gehege mit Schnucken und Ziegen und stoßen auf die Schotterstraße Am Faßenberg. Wir biegen links ein und kommen bald darauf an der idyllischen ehemaligen Hanstedter Badeanstalt vorbei. Schwimmen ist inzwischen freilich nur noch Gänsen und Enten erlaubt.

Gegenüber vom Teich weist uns ein Schild den Weg zum Café Augustenhöh. Vorbei an Pferdeweiden wandern wir bis zur pittoresken Jugendstilvilla in einem verwunschenen Garten. Der ehemalige Landsitz einer Hamburger Reederfamilie beherbergt heute ein Café und Bistro. Gäste können sowohl auf der lauschigen Terrasse als auch im urigen ehemaligen Gesinde- und Küchenbereich im Erdgeschoss sitzen – zwischen altem Herd und weiß-blauen Fliesen. Ein außergewöhnliches Lokal mit dem Flair des frühen 20. Jahrhunderts. Allerdings hat das Haus nur von Donner

stag bis Sonntag geöffnet.

Vom Haus spazieren wir die Auffahrt des Anwesens entlang – wir waren von der Rückseite gekommen – bis zur Ecke eines Feldes. Rechts führt der Henry Gundlach Weg ins Hanstedter Zentrum. Wir halten uns links. Wer nur eine kurze Runde drehen möchte (4,2 Kilometer), biegt gleich darauf wieder links in den Wald ein und folgt dem mit Muschelsymbol gekennzeichneten Pilgerweg. An einem Parkplatz knickt der Pilgerweg nach links ab und mündet auf einen breiten Fahrweg. (weiterlesen ab *) Wir wandern weiter geradeaus am Waldrand. Am Ende des Feldes geht es links etwa 200 Meter auf einer Kopfsteinpflasterstraße entlang, dann weist uns ein gelber Pfeil den Weg nach rechts. Wir folgen ihm, gehen weiter am Waldrand und stoßen bald auf das christliche Freizeitheim Nazareth. Dort halten wir uns links am Waldrand und genießen den weiten Blick. In der Senke voraus leuchten bereits die roten Dächer von Dierkshausen inmitten des üppigen Grüns der Bachaue.

Feldweg führt direkt zum Reiterhof

Der Weg führt uns an verrosteten Ackergeräten und einem einsamen Gehöft vorbei auf einen Sandweg. Hier biegen wir rechts ein. Eine sonnige Bank mit Blick auf die Aue des Dierkshausener Mühlenbachs lädt zum Verweilen ein. Nach wenigen Minuten ist das Dorf erreicht. Wir gehen bis zur Hauptstraße und biegen links ein. Schräg gegenüber steht die weiß getünchte Dorfgaststätte – leider leer. Die Wasseroberfläche des Feuerteichs spiegelt das einst stattliche Gebäude.

Wir wandern etwa 600 Meter auf der Straße weiter Richtung Schierhorn. An der Stelle, wo das gelbe Ortsausgangsschild steht, biegt links ein Feldweg ab, der uns zu einem Reiterhof führt. Geradeaus zwischen Stallungen und Hallen hindurch geht es zur Töpsheide. Wir lassen den großen reetgedeckten Schafstall links liegen und wandern geradeaus am Rand der 109 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hochfläche entlang. Am Ende der Heidefläche biegen wir links ab, so dass wir dem Waldrand weiter folgen. Die Heide mit ihren vereinzelten Kiefern und Birken liegt zur Linken.

Hier spüren wir das Wirken der eiszeitlichen Gletscher in den Beinen. Vor Jahrtausenden hat das Schmelzwasser tiefe Rinnen geschaffen, die wir bergab und bergauf zu durchqueren haben. An einem Findling mit der rätselhaften Aufschrift „heute“ endet der Waldrand-Pfad. Die Route führt nun quer über die Heidefläche. Stellenweise ist der Weg begrenzt durch flache Holzzäune. Linker Hand sehen wir bald einen auffälligen baumbewachsenen kegelförmigen Hügel. Wieder geht es in ein Tal hinab.

Wir halten uns in der Senke zunächst links, steigen aber nach nur etwa 20 Metern wieder rechts auf. Auf der Heidehochfläche mündet der Pfad in einen schräg dazu verlaufenden Weg. An der Abzweigung lassen sich auf einem Findling gerade noch die fast verwitterten Richtungsweiser lesen: Dierkshausen/Drumbergen beziehungsweise Wesel/Hanstedt. Wir gehen rechts nach Hanstedt und folgen dem Weg quer über die Heide. Es geht an einer Ruhebank und einem Bienenzaun vorbei bis zum Waldrand. Hier halten wir uns links und laufen auf dem breiten Sandweg bis zur südöstlichen Ecke der Heidefläche, die durch eine flache, im Querschnitt quadratische Steinstele gekennzeichnet ist, die uns den Weg nach Hanstedt weist.

Holzschild verweist auf den „Hexentanzplatz“

Wir gehen geradeaus in den Wald hinein und folgen dem breiten Weg etwa einen Kilometer. *) Wir sehen nun einen kleinen Findling mit der Aufschrift „Hanstedt 1,8 Kilometer“ und wenige Meter rechts daneben weist ein Holzschild auf den Hexentanzplatz hin. Diesem Wegweiser folgen wir, bis wir zu einer aus dünnen Stämmen errichteten Spitzhütte kommen. Eine lebensgroße Figur mit Kopftuch, Flatterrock und Hakennase reitet auf einem Reisigbesen durch die Baumkronen. Hier sollen zu Beginn des 20. Jahrhunderts „Naturisten“ aus der Stadt nackt ekstatische Tänze vollführt und Sonnenanbeterei betrieben haben, was den bodenständigen Heidjern suspekt erschien. Sie hielten es für Hexenkult.

Tatsächlich hatten Freikörperkulturvereinigungen damals zumeist politische und/oder ideologische Hintergründe. Die Nacktheit symbolisierte entweder die Gleichheit aller Menschen oder Besinnung auf die germanischen Wurzeln. Das Gesinnungsspektrum reichte dementsprechend von linksliberal bis antisemitisch-völkisch. Viele Nudisten waren damals zudem Anhänger esoterischer Lehren und Verfechter besonderer Ernährungsformen. Welche Motive die Freikörper-Fans bei Hanstedt ums Lagerfeuer tanzen ließen, weiß man heute nicht.

Gegenüber vom Hexentanzplatz zweigt direkt neben einem Reitverbotsschild ein kleiner Pfad nach rechts ab und verläuft zwischen Blaubeerbüschen in Windungen sanft hügelab und später auch hügelauf. Darauf wandern wir, vorbei an einem einsam gelegenen Haus, bis wir auf den breiten Faßenbergweg treffen. Etwa 20 Meter weiter rechts führt auf der gegenüber liegenden Seite an einem toten Baumstamm ein schmaler Pfad wieder in den Wald. Er ist durch einen Pfeil auf einem Holzpfosten gekennzeichnet. Diesem Weg folgen wir immer geradeaus, überqueren zwei Waldpfad-Kreuzungen und gelangen schließlich an eine Lichtung, die zu einem parkartigen Gelände gestaltet wird.

Backsteinkirche St. Jakobiist einen Besuch wert

Linker Hand ragt ein Funkmast auf. Wir biegen links ab und gelangen dem Waldrand folgend und den Mast rechts liegen lassend nach wenigen Minuten wieder beim Waldbad an. Es ist täglich geöffnet und verfügt auch über eine kleine Gastronomie. Wer seinen Hunger mit feineren Speisen stillen möchte, findet in fußläufiger Entfernung (650 Meter) Pfeffers Restaurant an der Ollsener Hauptstraße.

Hinweis der Autorin: Auch das Zentrum von Hanstedt hat gastronomisch eine Menge zu bieten. Die Restaurants sind bekannt für ihre schmackhafte Heideküche. Werktags lohnt ein Bummel durch die kleinen Geschäfte. Auch die neugotische Backsteinkirche St. Jakobi ist sehenswert. Das Gotteshaus hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.