Harburg
Stadtentwicklung

Architekten zeigen, wie man sinnvoll baut

Foto: Corinna Panek / HA

Die Ausstellung Auf den zweiten Blick“ in der Buchholz-Galerie präsentiert Lösungen für vermeintlich unbebaubare Grundstücke

Buchholz.  Das Grundstück galt als unverkäuflich. Eine unter Denkmalschutz stehende Eiche mitten auf dem Rasen – wo sollte da noch ein Haus hin? Etliche Kaufinteressenten winkten ab, doch dann fand ein Architekt eine Lösung: Das Haus wurde um den Baum herum gebaut. Eines von sieben Beispielen, die in einer Ausstellung in der Buchholz-Galerie dokumentiert sind.

Die Architektenkammer Niedersachsen, die Stadt Buchholz und die Volksbank Lüneburger Heide präsentieren dort bis zum 1. September die Ausstellung „Auf den zweiten Blick“. Sie stellt Lösungen für „schwierige“ Grundstückslagen vor. Begleitend beginnen am 1. September wieder die Bauherren-Seminare der Volksbank (siehe Kasten).

Als schwierig zu bebauen gelten Grundstücke, die zum Beispiel am Hang liegen, die schmal, aber lang sind oder gar verwinkelt. Sie scheinen für eine Bebauung ungeeignet. „Deswegen lohnt es sich, einen Architekten einzubeziehen“, sagt Lothar Tabery, Obmann der niedersächsischen Architektenkammer für die Region Elbe-Weser. „Architekten können ganz anders mit Grundstücken umgehen, als es sich der Laie vorstellt.“

Dies gilt insbesondere für Nachverdichtung, ein für viele Kommunen wichtiges Thema. Auch in Buchholz. So nimmt die Stadt gerade an einem Programm der Metropolregion teil, das das Potenzial hierfür in der Innenstadt untersucht. Stadtbaurätin Doris Grondke berichtet: „Es sind dabei 110 Baulücken erfasst worden. Mit den Eigentümern laufen derzeit Gespräche, die fast abgeschlossen sind.“ „Die Vorteile der Nachverdichtung sind noch längst nicht bei allen Bauherren angekommen. Zum Beispiel, dass die Infrastruktur von Straße über Abwasserkanal bis zu Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe ja vorhanden ist, darüber hinaus hat sich ein soziales Umfeld etabliert“, ergänzt Tabery.

Mithilfe der Ausstellung und der Seminarreihe wollen die Architekten darüber hinaus Vorurteile beseitigen, insbesondere hinsichtlich der Kosten. „Unsere Aufgabe ist es, Bauherren und Architekten zusammenzubringen“, erklärt die Referentin der Kammer, Katharina Göbel-Groß. „Die Architekten versehen sich als Partner, als Treuhänder der Bauherren.“ Die bei der Ausstellungseröffnung anwesenden Architekten machen deutlich: Sie unterscheiden sich deutlich von den Bauträgern, die ihre Standardhäuser aus dem Katalog anbieten. Individuelle für schwierige Grundstücke zu finden, falle nicht in deren Aufgabenbereich. Zudem kosten Sonderwünsche – von der zusätzlichen Steckdose bis zur entfernten Zimmerwand – auch beim Bauträger extra.

„Einen Architekten zu beauftragen, bedeutet nicht, dass die Baukosten gleich um 500 Euro je Quadratmeter höher liegen“, sagt zum Beispiel Scaven Hütz, Architekt aus Harburg. Er regelt es so, dass er mit den Auftraggebern das Projekt in einzelnen „Paketen“ plant, um das Kostenrisiko gering zu halten. Ohnehin sind die Honorare der Architekten festgelegt. Es sei auch nicht richtig, dass individuelles Bauen automatisch teurer wird. „Wenn jemand eine offene Küche plant, fallen ja zum Beispiel auch weniger Wände oder Türen an“, sagt sein Kollege Jens-Uwe Seyfarth aus Hannover. „Unsere Arbeit besteht zuallererst darin, herauszufinden, was der Kunde eigentlich wünscht. Das ist die Grundlage für die Planung.“

„Auch mit kleinem Budget kann man zum Architekten gehen“, sagt auch Katharina Göbel-Große. Dies gelte insbesondere bei Um- und Anbauten. Hinzu komme, insbesondere bei schwierigen Grundstücken, dass die Architekten eine bessere Verhandlungsbasis mit den örtlichen Baubehörden haben. „Da geht es meistens um Abstände zur Nachbarbebauung oder örtliche Bauvorschriften. Ein Beispiel zeigt die Ausstellung: Ein Grundstück in einer Kurve galt als nicht bebaubar, nach ausführlichen Gesprächen und einer soliden Planung hat das Bauamt dann doch zu gestimmt.“

„Wir bieten die Bauherren-Seminarreihe seit zehn Jahren an, alle zwei Jahre gibt es eine Ausstellung der Architektenkammer. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, sie nicht in der Bank zu zeigen, sondern im Einkaufszentrum, um neue Kunden darauf aufmerksam zu machen“, sagt Frank Krause, Regionaldirektor der Volksbank in Buchholz. „Die Seminarreihe informiert aber nicht nur über individuelles Bauen, sondern auch über Themen wie Barrierefreiheit, Gartenplanung und Erbrecht.“

Ausstellung bis 1. September in der Buchholz-Galerie, Ebene 2.