Harburg
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3D-Druck statt Badespaß

3D-Drucken Nordbord Oliver Götz (l.) und Arne Hüsemann, beide 14 Jahre alt, verbringen vier Ferientage an der Sommerakademie auf dem Campus der TUHH

3D-Drucken Nordbord Oliver Götz (l.) und Arne Hüsemann, beide 14 Jahre alt, verbringen vier Ferientage an der Sommerakademie auf dem Campus der TUHH

Foto: Angelika Hillmer / HA

16 Schüler im Alter von elf bis 14 Jahren entwerfen und bauen Mini-Windräder an der Technischen Universität.

Harburg.  Andere Kinder springen jetzt ins Meer oder in einen Badesee, Arne Hüsemann (14) und Oliver Götz (14) verbringen vier ihrer Ferientage lieber in einem aufgeheizten Computerraum der Technischen Universität (TU) Hamburg. Zusammen mit 14 anderen Schülern im Alter von elf bis 14 Jahren nehmen sie bis Donnerstag an einer Sommerakademie zum 3D-Drucken teil. Es gilt, ein Windrad zu entwerfen und per 3D-Druck herzustellen. Spätestens am Abschlusstag soll es mit Hilfe eines aus Solarenergie versorgten Motors ins Rotieren gebracht werden.

Angeleitet von zwei Studenten der TU können technisch interessierte Kinder und Jugendliche sich mit Hilfe der universitären Infrastruktur im Bereich Technik und Informatik ausprobieren. Vielleicht entwickelt sich daraus ein Berufswunsch, vielleicht bleibt es auf der Ebene eines anspruchsvollen Hobbys. „Wir wollen mit diesem und anderen Kursen Entscheidungshilfen geben“, sagt Melanie Kerker, Bildungsreferentin beim Industrieverband Nordmetall und dem Arbeitgeberverband AGV Nord.

„Natürlich wollen wir für unsere Mitgliedsunternehmen auch Nachwuchs in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften) gewinnen. Aber ebenso wichtig ist es, rechtzeitig tiefere Einblicke in Technik-Berufe zu geben, um Abbrecherquoten in der Ausbildung oder im Studium zu senken.“

Die Verbände haben vor knapp zwei Jahren den Technikclub Nordbord gegründet, in dem junge MINT-Fans sich austauschen und gemeinsam weiterbilden können. Eine Sommerakademie, bei der die Teilnehmer mehrere Tage lang inklusive Übernachtungen und Vollverpflegung werkeln können, veranstaltet Nordbord mit dem 3D-Druck zum ersten Mal. Sie macht es möglich, dass sich auch Schüler mit weiteren Anreisewegen beteiligen.

Nach kurzer Mittagspause setzen sich alle 16 Jungen – Mädchen fehlen, und das sei inzwischen selten, sagt Kerker – schnell wieder an ihre Arbeitsplätze. Sie üben sich im 3D-Druck, konstruieren Teile am PC, deren Daten sie anschließend zum Drucker schicken. „Die Jungs sind so konzentriert bei der Sache, dass wir sie zu den Pausen aus dem Raum schicken müssen, damit sie mal etwas trinken“, sagt Sarah Latus, die die Robotik- und Technikkurse für Schüler an der TU koordiniert.

Täglich von neun bis 18 Uhr tüfteln und lernen sie, unterbrochen durch eine einstündige Mittagspause. Abends wird gemeinsam gegrillt oder ein bisschen gefeiert, bevor sich alle in der Turnhalle des benachbarten Friedrich-Ebert-Gymnasiums schlafen legen.

Angesichts des Sommerwetters könnte sich Oliver Götz aus Waren an der Müritz vorstellen, die Tage zu Hause am Wasser zu verbringen. Aber er ist trotzdem gern an der TU: „Meine Ferien haben gerade erst angefangen, ich kann noch fünf Wochen baden gehen.“ Für Arne Hüsemann aus Nordhorn beginnt nächste Woche wieder die Schule. Er hat die Ferien in seiner Elektronik-Werkstatt in der elterlichen Garage verbracht.