"Weiße Wölfe Terrorcrew"

Gericht verurteilt Rechtsradikalen zu Geldstrafe

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Jörg Riefenstahl
Ein starkes Polizeiaufgebot sicherte das Hamburger Landgericht beim Prozess gegen Sandy L.

Ein starkes Polizeiaufgebot sicherte das Hamburger Landgericht beim Prozess gegen Sandy L.

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Justiz spricht Mitglied der „Weiße Wölfe Terrorcrew“ nach einer Feier in der „Marmstorfer Tenne“ schuldig.

Harburg.  Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat das Hamburger Landgericht Sandy L., 35, den Hauptangeklagten der rechtsextremen „Weiße Wölfe Terrorcrew“ wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz verurteilt. Sandy L. wurde wegen Tragens eines rechtsradikalen T-Shirts bei einer Versammlung im Lokal „Marmstorfer Tenne“ am Mittwoch zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen von jeweils 8 Euro verurteilt. Damit verwarf das Gericht die Berufung des Angeklagten, der ein kleines Tattoo-Studio betreibt, und bestätigte in allen Punkten das Urteil des Amtsgerichts Harburg.

Sandy L., der rechts am Hals ein Tattoo eines Wolfskopfes trägt und mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Baby in Wittstock lebt, hatte im Juli 2014 mit 15 weiteren Mitgliedern der „Weiße Wölfe Terrorcrew“ auf einer Geburtstagsfeier im Lokal „Marmstorfer Tenne“ in Harburg ein schwarzes T-Shirt mit der altdeutschen Aufschrift „Weiße Wölfe Terrorcrew“ auf rotem Grund und einem symbolisierten Schlagring getragen – offensichtlich, um damit Angst und Schrecken zu verbreiten.

Die „Weiße Wölfe Terrorcrew“ steht seit 2008 unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Die Gruppierung war als Fangruppe einer rechtsextremen Rockband aus dem Sauerland gegründet worden. Als im Dezember 2011 rund 30 Neonazis – weiß maskiert und mit Fackeln – in Dreierreihen in der Eißendorfer Straße aufmarschierten und ausländerfeindliche Parolen grölten, waren Mitglieder der „Weiße Wölfe Terrorcrew“ mit von der Partie. Darunter war auch Denny R., ein rechtsextremer Buchholzer, der dafür bereits einen Strafbefehl wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz erhalten hat.

Ein starkes Polizeiaufgebot sicherte das Landgericht am Mittwoch, als der glatzköpfige Sandy L., der wortlos und äußerlich unbeteiligt auf der Anklagebank in Saal 160 Platz nahm. Der kleine Zuschauerraum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Linke Gruppen hatten in Sozialen Medien zur Teilnahme an dem Verfahren aufgerufen. Der Anwalt des Angeklagten blieb dem Prozess fern: Er befand sich nach eigenen Angaben wegen eines Verkehrsunfalls in Berlin.

Nachdem die Vorsitzende Richterin das umfassende Vorstrafenregister des Angeklagten Sandy L. verlesen hatte – darunter gemeinschaftlicher Raub mit gefährlicher Körperverletzung, Trunkenheit am Steuer, Fahren ohne Führerschein, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und mehrere Bewährungsstrafen wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole, erteilte sie Sandy L. zu dem Vorwurf das Wort, mit dem Tragen des T-Shirts gegen das Uniformverbot verstoßen zu haben. „Ich sehe es nicht als Straftat“, sagte der Angeklagte. „Wenn ich zum Fußball fahre, und alle das gleiche Trikot tragen, ist es doch dasselbe.“

Das ist es eben nicht, entgegnete die Staatsanwältin. „Die T-Shirts wurden von mehreren Personen gleichzeitig getragen. Ein T-Shirt ist zwar keine Uniform, aber in diesem Fall waren sie alle gleich gestaltet, also ,uniform’.“ Die Aufmachung sei „martialisch“ und drücke eine „politische Gesinnung“ aus, argumentierte die Juristin. Dies komme in der Verbindung des altdeutschen Schriftzugs mit der Farbgebung Rot und Weiß auf schwarzem Grund – den Farben der Reichskriegsflagge – und dem Schriftzug „Weiße Wölfe Terrorcrew“ zur Unterstützung einer rechtsradikalen Bande klar zum Ausdruck.

Zwar hätten die Teilnehmer der „Geburtstagsfeier“ in der „Marmstorfer Tenne“ ihre rechtsextremen T-Shirts nach Aufforderung der Polizei „umgekrempelt und auf Links gedreht“, so die Staatsanwältin. Da der Angeklagte jedoch einschlägig vorbestraft ist – noch bis vier Wochen vor dem Vorfall in der „Tenne“ hatte er eine Bewährungsstrafe wegen Tragens verfassungsfeindlicher Symbole verbüßt – sei das Strafmaß des Amtsgerichts gerechtfertigt.

Die vorsitzende Richterin der Kleinen Strafkammer am Landgericht folgte den Ausführungen der Staatsanwältin und ergänzte, der Angeklagte habe „den bedingten Vorsatz gehabt, mit dem T-Shirt in der Gruppe eine politische Gesinnung zum Ausdruck zu bringen“. Von den 15 weiteren Teilnehmern an der Feier der „Weißen Wölfe“ in Harburg haben bereits 13 Strafbefehle erhalten. Ein Verfahren wurde eingestellt, eins an eine andere Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

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