Harburg
Agenda 2016

Deswegen war 2015 ein gutes Jahr für Hanstedt

Hanstedts Samtgemeindebürgermeister Olaf Muus als Bürger bei der Demo in Brackel. Mehr als 1000 Bewohner aus Brackel, Egestorf und Marxen demonstrierten am Sonnabend gegen den möglichen Bau von Güterbahngleisen durch die Gemeinden

Hanstedts Samtgemeindebürgermeister Olaf Muus als Bürger bei der Demo in Brackel. Mehr als 1000 Bewohner aus Brackel, Egestorf und Marxen demonstrierten am Sonnabend gegen den möglichen Bau von Güterbahngleisen durch die Gemeinden

Foto: Jochen Gipp

Flüchtlinge, Alpha-Trasse und Infrastruktur, das waren für den Bürgermeister der Samtgemeinde Hanstedt die wichtigsten Themen.

Hanstedt.  „Die Samtgemeinde Hanstedt hat grundsätzlich wieder ein gutes Jahr hinter sich.“ Im Rückblick auf 2015 ist Samtgemeindebürgermeister Olaf Muus ist sehr zufrieden. Besonders dankbar war er für das ehrenamtliche Engagement, dass die Einwohner seiner Gemeinde gezeigt haben. „Stellvertretend seien hier Bürger genannt, die sich bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen engagieren sowie die Bürgerinitiativen, die sich im Rahmen des Dialogforums-Schiene-Nord eingebracht haben.“

Für Muus zwei wichtigsten Themen des vergangenen Jahres. An erster Stelle steht die Aufnahme von Flüchtlingen: „Glücklicherweise hat sich die Samtgemeinde frühzeitig auf den Weg gemacht, um Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen und ein Helfernetzwerk zu bilden.“ Unterkünfte entstanden in Asendorf, Egestorf, Hanstedt und Marxen. Zurzeit leben rund 260 Flüchtlinge dort.

„Nun rücken neue Themenfelder in den Fokus, da die Anzahl der Menschen mit einem gesicherten ausländerrechtlichen Status steigt und die Anmietung privaten Wohnraums und die Aufnahme eines Beschäftigungsverhältnisses in den Vordergrund rückt.“ Einen Überblick zum Thema bietet dazu die Internetseite www.sghanstedt.elbnetz.com.

Mit großer Skepsis vieler Beteiligter startete zu Beginn des vergangenen Jahres das Dialogforum-Schiene-Nord. Ursprünglich war die Samtgemeinde von drei möglichen Trassenvarianten betroffen: „Umso schöner ist es, dass das Forum mit klaren Aussagen zu Ende gegangen ist und sich mit der Alpha-Variante eine Lösung abzeichnet, die die Samtgemeinde nicht belastet. Zu diesem Erfolg haben maßgeblich die drei Bürgerinitiativen in Brackel, Egestorf/Evendorf und Marxen beigetragen, die die örtliche Gemeinschaft in einem Maße aktiviert hat, dass man nur den Hut ziehen kann.“

Das dritte, wichtigste Ereignis des Jahres war für Muus der Beschluss für den Neubau der Grundschule Egestorf. „Der Entscheidungsprozess für den Neubau, mit Kosten von rund vier Millionen Euro, stellt im Bildungsbereich Weichen für die nächsten Jahrzehnte.“

Ebenfalls wichtig sind für Muus die positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die eine Realisierung vieler Projekte möglich gemacht hat. Dennoch ist die Pro-Kopf-Verschuldung deutlich gestiegen, vor allem wegen der erheblichen Investitionen im Bildungsbereich. In der Samtgemeinde lag sie im vergangenen Jahr bei 210 Euro je Einwohner. Allerdings lasse sich dieser Wert wohl nicht halten, prognostiziert Muus: „Für die kommenden Jahre stehen mit dem Grundschulneubau und der Sanierung des Waldbades Hanstedt zwei Millionenprojekte an, die nicht aus der ‘Portokasse’ finanziert werden können.“

Auch die Kostensteigerungen in den Bereichen Krippe, Kindergarten und Schule belasten den Hanstedter Haushalt deutlich. „Dies führt dazu, dass die Samtgemeinde gezwungen ist, sich, neben den eigenen Hausaufgaben, nämlich Einsparpotenziale zu erschließen, leider erneut mit dem Thema Erhöhung der Samtgemeindeumlage zu beschäftigen.“

Sehr positiv beurteilt Muus die steigende Zahl der Einwohner in der Samtgemeinde. Die Neubaugebiete in Brackel, Hanstedt und Egestorf sind weitestgehend abverkauft. Aus diesem Grund laufen bereits Planungen für die Entwicklung neuer Flächen in Asendorf, Egestorf und Hanstedt. Ebenso positiv gestaltet sich der Flächenabverkauf in den Gewerbegebieten Egestorf, Hanstedt und Marxen.

„Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang das neu aufgelegte Förderprogramm „kleine mittelständische Unternehmen (KMU) des Landkreises Harburg und seiner Städte und Gemeinden. Alleine in der Samtgemeinde wurden 2015 sechs Anträge gestellt.“ Die Samtgemeinde bezuschusst die Investitionen voraussichtlich mit rund 92.000 Euro, der Landkreis beteiligt sich mit der gleichen Summe: „Gut investiertes Geld in wohnortnahe Arbeits- und Ausbildungsplätze“, sagt Muus dazu.

Kooperationen mit dem Landkreis gab es vor allem im Bereich Infrastruktur: So bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt Schierhorn. „Quasi ein Jahrhundertereignis war die Fertigstellung des Radweges Brackel-Quarrendorf.“ Ein ironischer Seitenhieb, denn immerhin hatten die Gemeinden den Bauantrag schon vor 30 Jahren beim Land gestellt.

Bei der Nutzung der Busverbindungen von Hanstedt nach Holm-Seppensen und Lüneburg sieht Muus deutlich Luft nach oben. Auch das Ende 2015 gestartete Anruf-Sammel-Taxi (AST) könnte noch besser genutzt werden.

Ein junges Pflänzchen im Bereich der Kooperation ist die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bispingen. Nach der erfolgreichen Aufnahme in das Bundesprogramm „Kleinere Städte und Gemeinden – überörtliche Zusammenarbeit und Netzwerk“, dessen Konzepterstellung zurzeit noch läuft, konnte die Anbindung der Ortschaft Döhle an das Breitband-Glasfasernetz der Gemeinde Bispingen erreicht werden.

Konkret wurde in Hanstedt vor allem in die Kinderbetreuung investiert. Der Umbau des Kinderspielkreises Schierhorn zu einer kleinen Kita kostete rund 500.000 Euro, die Renovierung des Küchen- und Sanitärbereiches des Kindergartens Marxen etwa 30.000 Euro. Weiterhin freut sich Muus darüber, dass es in Absprache mit dem Landkreis Harburg gelungen ist, die Mittel für die drei Schulsozialarbeiterinnen an den Grundschulen der Samtgemeinde bis zum Schuljahresende im Sommer sicher zu stellen. Hanstedt bringt dafür die Hälfte der Kosten, rund 47.000 Euro, auf.

Für dieses Jahr steht auch weiterhin das Thema Flüchtlinge im Vordergrund: „Es ist damit zu rechnen, dass sich die Zahl der unterzubringenden Menschen bei uns verdoppeln könnte, was bis zu 200 Menschen zusätzlich bedeuten würde.“ Muus hofft auf Angebote von privater Seite, die Wohnraum oder Grundstücke zur Verfügung stellen. Mehr bezahlbarer Wohnraum überhaupt ist auch in Hanstedt eine Aufgabe, der sich Muus in diesem Jahr verstärkt stellen will.

Freudig sieht er dem Bau der Grundschule Egestorf entgegen und hofft auch Unterstützung durch das Land bei der weiteren Finanzierung der Schulsozialarbeiterinnen. Was die Förderung der Sanierung des Waldbads angeht, fällt Ende Januar eine Entscheidung, so dass kurzfristig mit einer Feinplanung darauf reagiert werden müsste. Weiterhin stehen in diesem Jahr der Umbau des Feuerwehrgerätehauses Brackel sowie die Planungen für den 2. Bauabschnitt des Feuerwehrgerätehauses Evendorf an.

Der wasserrechtliche Antrag von Hamburg Wasser auf eine höhere Entnahme geht voraussichtlich auf die Zielgerade und wird Räte und Verwaltung intensiv beschäftigen. Und dann stehen natürlich im September die Kommunalwahlen an, für die sich Muus noch mehr politisches Engagement seitens der Bürger wünscht: „Bitte bringen sie sich ein, stellen sie sich zur Wahl, nehmen sie ihr Wahlrecht wahr und gehen sie zur Wahl.“