Harburg
Aufräumen in Harburg

„Die Sauberkeit gehört für unsere Gemeinde zum Islam“

30 Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeine räumten vor dem Harburger Rathaus auf

30 Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeine räumten vor dem Harburger Rathaus auf

Foto: Rolf Zamponi / HA

Angehörige der Ahmadiyya säuberten am Neujahrstag vorm Rathaus. Mitglieder suchen noch nach Standort für eigene Moschee.

Harburg.  Sie hatten sich um 6.45 Uhr getroffen, sich ein kurzes Frühstück gegönnt und gingen dann an die Arbeit. Mit Besen, Schaufeln, Müllzangen und Arbeitshandschuhen, bereit gestellt von der Hamburger Stadtreinigung, räumten sie den Silvestermüll und anderen Unrat auf dem Rathausplatz zusammen. „Die Beschäftigten bei der Stadt hatten schon auf uns gewartet, weil wir dies seit 18 Jahren machen“, sagt Kaser Ahmed, der zusammen mit dem Ingenieur Adnan Mahmood die Aktion organisiert hatte. Kurz nach neun Uhr waren die Reste des Feuerwerks fast restlos verschwunden. Die Männer der Stadtreinigung brauchten die bis oben gefüllten Säcke nur noch mitzunehmen.

Für die Ahmadiyya-Gemeinden in Hamburg ist das Aufräumen allein an zehn verschiedenen Straßen und Plätzen in der Hansestadt mehr als ein ehrenamtlicher Einsatz an ihren Wohnorten. „Zum islamischen Glauben gehört die Sauberkeit“, sagt Ahmed, ein 19jähriger Abiturient und Sohn pakistanischer Eltern, der im Sommer als bester Hamburger die Schulprüfung abgelegt hat. Als ehrenvolle Arbeit gilt für die Gemeinde, zu der in Harburg mehr als 400 Menschen zählen, „sich selbst und anderen ohne Gegenleistung mit eigener Hand zu helfen.“ Mit diesen Grundsatz sollen „soziale Unterschiede gebrochen und so ein Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung geleistet werden.“

Die Ahmadiyya-Gemeinden wurden 1889 in Indien gegründet. Ihre Mitglieder sehen sich als islamische Reformgemeinde, die sich für Frieden und Harmonie zwischen den Menschen und eine Bindung zu ihrem Schöpfer einsetzt sowie zurück zu den Grundwerten des Islam will. Ihr fünfter Kalif lebt aber heute im Exil in London. Denn die Ahmadiyya-Angehörigen werden von der übrigen muslimischen Welt nicht als Muslime anerkannt. „Es gibt seit 1974 sogar ein Gesetz in Pakistan, in dem dies festgeschrieben wurde“, sagt Kaser Ahmed.

Die Folge: Die Ahmadiyyas dürfen ihren Glauben nicht in islamisch geprägten Staaten ausüben, nicht nach Mekka pilgern und ihre Gotteshäuser gelten bei den übrigen Muslimen nicht als Moscheen. 2011 wurden bei einem Massaker in Pakistan sogar 80 Angehörige zwischen 16 und 80 Jahren getötet. „Unser Kalif hat aber auch nach diesem brutalen Übergriff versichert, dass wir nicht mit Gewalt antworten werden“, sagt Ahmed. „Wir haben vielmehr mit Gebeten reagiert.“

Trotz der Ausgrenzung sind die Gemeinden inzwischen in mehr als 210 Ländern vertreten. Bundesweit gibt es allein 275 Gemeinden. „Wir rechnen derzeit mit einigen Zehn-Millionen-Gläubigen“, sagt Adnan Mahmood, der zweite Organisator, der bei Blohm+Voss Repair in Hamburg beschäftigt ist. Die Ahmadiyya sei die am stärksten wachsende Glaubensrichtung weltweit.

Vor diesem Hintergrund suchen die Harburger und Wilhelmsburger einen Standort für eine eigene Moschee im Süden Hamburgs. „Wir würden ein Grundstück kaufen und bauen oder ein altes Gebäude mieten“, sagt Mahmood. Immerhin gibt es dafür im Hamburg ein Vorbild. Die erste Moschee in Deutschland steht in Eppendorf. Dort konnte 2007 das 50jährige Bestehen gefeiert werden.