Hanstedt

Software soll Flüchtlingen helfen

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Susanne Rahlf
Screenshot einer Landkreisseite, die das PRISM-System für Flüchtlinge in die Landessprache übersetzt

Screenshot einer Landkreisseite, die das PRISM-System für Flüchtlinge in die Landessprache übersetzt

Foto: communet / HA

Eine IT-Firma aus Uelzen entwickelte ein Sprachprogramm für Bewohner von Unterkünften. Human-Care hat es in drei Flüchtlingsunterkünften installiert.

Hanstedt.  Für viele Flüchtlinge, die derzeit in den Unterkünften ankommen, ist vor allem die Sprache eine Hürde, die manchmal unüberwindlich scheint. Wer kein Englisch kann, ist zunächst auf Dolmetscher und Sozialarbeiter angewiesen, die vor allem bei Behördengängen, beim Ausfüllen von Anträgen, beim Schreiben von Bewerbungen und Lebensläufen gefragt sind.

Für die Flüchtlinge, die in einer der zahlreichen Einrichtungen des Trägers „Human-Care“ wohnen, wird es jetzt voraussichtlich einfacher, sich in der für sie fremden Sprache zurecht zu finden. Gestern übergab Achim Zeeck von der Systemfirma commuNet gemeinsam mit seinem Projektleiter Christian Köhn und dem Entwickler Mirco Jahn in der Hanstedter Unterkunft zwei erste Laptops an den Human-Care-Geschäftsführer Holger Wollesen.

Die beiden Rechner bieten den Flüchtlingen mehr Selbstständigkeit. Auf beiden ist eine Software mit dem Titel „platform for refugees and immigrants to support their social matters“, kurz PRISM, installiert. Sie übersetzt automatisch Internetseiten in die eigene Landessprache.

Jeder Flüchtling bekommt eine eigene ID-Nummer, mit der er seine Dokumente in einer Cloud speichern kann. Bisher ist das neue System ausgelegt auf Syrisch, Türkisch, Französisch und Englisch. Bis zu 80 weitere Sprachen können zukünftig integriert werden.

Neben Wegweisern für Behördengänge bietet die EDV außerdem Zugriff auf Deutschkurse. Für Kinder gibt es zusätzlich eine Lernsoftware, die spielerisch Wissen vermittelt und sie beim Deutsch lernen unterstützt. Frei im Netz surfen kann man allerdings mit PRISM nicht. Die Seiten, die aufgerufen werden können, sind vorher gemeinsam mit Human-Care definiert worden und dienen einzig dazu, sich besser in der neuen Heimat zurecht zu finden.

PRISM ist das Baby von Systementwickler Mirco Jahn. Der Softwareprofi hatte vor vier Jahren ein intern geschlossenes System für Seniorenheime entwickelt (SOS), später übertrug er es auf den digitalen Kinderschutz. In der Entwicklung ist auch ein System, das Schulen intern für digitales Lernen nutzen könnten.

Human-Care-Geschäftsführer Holger Wollesen hat die Sprachsoftware, die die Flüchtlinge nun nutzen können, überzeugt: „Jede Maßnahme, die integrationsfördernd ist, wollen wir gern begleiten“, sagt er. Neben Hanstedt wird Human-Care das Sprachsystem auch in Flüchtlingsunterkünften in Stelle und Uelzen als Pilotprojekt installieren, rund 250 Bewohner können das System ausprobieren.

Bewährt es sich, soll es deutschlandweit eingeführt werden. Zunächst soll getestet werden, wie die Bewohner das Angebot annehmen, später könnte ein Timer installiert werden, der jedem User eine Stunde pro Tag Zugang zu dem System gewährt.

Das Sprachprogramm interessiert nicht nur den Betreiber der Flüchtlingsunterkünfte im Landkreis. Sprecher Johannes Freudewald zeigte sich aufgeschlossen: „Wir werden beobachten ob es sich bewährt, es kann aber die Arbeit der Sozialarbeiter und ehrenamtlichen Helfer nicht ersetzen.“

Die Systementwickler von commuNet haben darüber hinaus mehr als 300 Anfragen von Hilfsorganisationen und Betreibern von Flüchtlingsunterkünften. Auch die muslimische Gemeinde sieht großes Potenzial in dem Angebot. Dr. Sadiqu Al-Mousilie, Beauftragter des Zentralrats der Muslime in Niedersachsen könnte sich vorstellen, die Sprachplattform auch in Moscheen zu nutzen: „Hierher kommen viele Menschen, die Hilfe bei der Kommunikation mit deutschen Behörden brauchen.“

Kurz vor der Umsetzung steht außerdem eine Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit: „Für eine schnellere Integration in den Beschäftigungsmarkt soll das System dann in allen Informationszentren verfügbar sein“, verrät Projektleiter Christian Köhn.

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