Egestorf/Hanstedt

Wasserwerk Nordheide soll wieder ans Netz

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Corinna Panek
Das Wasserwerk Nordheide in Hanstedt

Das Wasserwerk Nordheide in Hanstedt

Foto: Hamburg Wasser / HA

Hamburg Wasser erläutert die Pläne zur Heidewasser-Entnahme – Vertragsschluss ist für das kommende Frühjahr geplant.

Egestorf.  Das Unternehmen Hamburg Wasser (HWW) hat in Egestorf Inhalte und Ziele der Wasserförderungsvereinbarung für die Heide vorgestellt. Derzeit liegen die Vertragsunterlagen zur Regelung der Heidewasserförderung durch HWW beim Landkreis Harburg aus. Kommunen, Bürger und Interessenverbände haben bis Mai die Gelegenheit, ihre Stellungnahmen dazu abzugeben. Wenn diese abgearbeitet sind, soll die Vereinbarung unterzeichnet werden.

Die neue Vereinbarung mit einer Laufzeit von 30 Jahren sieht vor, dass Hamburg bis zu 18,4 Millionen Kubikmeter jährlich fördern darf. Tatsächlich will Hamburg nur 16,1 Millionen Kubikmeter entnehmen – der Rest ist Reserve für Trockenzeiten oder technischer Ausfälle. HWW hat sich verpflichtet, diese Reserve nicht zu nutzen, beziehungsweise höhere Entnahmemengen im Folgejahr auszugleichen.

Seit 1982 fördert Hamburg Wasser aus der Nordheide – die Jahresmenge sei mit rund 16 bis 17 Millionen Kubikmetern konstant geblieben, erläuterte Hilger Schmedding von der HWW-Tochter Consulaqua. Das Wasserwerk Schierhorn wurde 2005 außer Betrieb genommen und soll reaktiviert werden. Die Entnahme ändert sich wie folgt: Nordheide-West bisher 6,5, künftig 5,6, Nordheide-Ost bisher 10,1, künftig 8,7 und Schierhorn künftig 1,8 Millionen Kubikmeter – diese Menge wurde dort vor der Stilllegung entnommen.

Kritiker der Heidewasserförderung fürchten Veränderung der Ökologie und Gebäudeschäden. Wie Jörg Großmann vom Ressourcenmanagement bei HWW erläuterte, seien Veränderungen der Vegetation punktuell festgestellt worden: an der Oberen Este und an der Toppenstedter Aue. Mehrere Gutachter hätten „keine erheblichen Auswirkungen“ festgestellt.

Dass stellenweise Bäche trockenfallen, sei schon vor der Wasserentnahme vorgekommen, etwa, weil mehrere Winter besonders niederschlagsarm waren. Diese Stellen lägen unterhalb von Quellen im Bereich „schwebender“ Grundwasserkörper, das heißt, solche Gewässerabschnitte haben keinen hydraulischen Kontakt zum obersten Grundwasserleiter.

Vor der Aufnahme der Wasserförderung 1982 waren die Zustände von Gebäuden im Bereich setzungsempfindlicher Schichten erfasst und 1983, 1984 und 1989 überprüft worden. Es wurden keine Schäden durch Grundwasserabsenkung festgestellt. Monierte Gebäudeschäden seien auf Baufehler zurückzuführen.

Hamburg braucht Wasser aus der Heide, weil die städtischen Quellen nicht ausreichen. Zwar ist der Verbrauch seit 1990 stetig gesunken, doch inzwischen wächst – unabhängig vonm Zuzug von Flüchtlingen – die Bevölkerung. Die Forderung, Elbwasser aufzubereiten, kann HWW nicht erfüllen – zwar ist die Schadstoffbelastung im Vergleich zu früheren Jahrzehnten zurückgegangen, doch Schadstoffe sind weiter enthalten: unter anderem Medikamentenrückstände, und Sturmfluten erhöhen den Salzwassergehalt.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, Hamburg würde Heidewasser nach Lübeck weiterverkaufen. In Wirklichkeit fördert HWW auf schleswig-holsteinischem Gebiet für eigenen Bedarf und für Lübeck. Auch die Behauptung, Hamburger sollten nicht Wasser sparen, um das Leitungsnetz zu schonen, wird von Jörg Großmann relativiert. „Es ist richtig, dass unser Leitungssystem mit noch weniger Wasserverbrauch nicht zurecht kommt. Die Leitungen müssen gespült werden, um Verkeimung vorzubeugen. Der Spar-Appell ist eine europaweite Vereinbarung und richtet sich an Regionen mit deutlich höherem Verbrauch.“

Die Vereinbarung zwischen Hamburg und Niedersachsen über die Wasserförderung enthält auch einen Fonds für mögliche ökologische Schäden. „Wir haben uns dazu freiwillig verpflichtet“, sagte Großmann. Ausgleichsmaßnahmen seien erfolgt oder würden angegangen, sobald die wasserrechtliche Erlaubnis vorliege.

Ob die Wasserförderung Auswirkungen auf die Ökologie hat, soll regelmäßig überprüft werden. Geprüft werde auch, den Landwirten die Nutzung der Hamburg-Wasser-Brunnen für die Beregnung der Felder im Sommer zu ermöglichen, da das Wasser aus größerer Tiefe als das Beregnungswasser komme.

Einen weiteren Nutzen hätte die Natur durch die Wasserförderung indirekt. „Wir vertreten entschieden die Interessen der Trinkwasserförderung. Das heißt, dass wir uns nicht nur in den Förder-, sondern in allen Einzugsgebieten für ein Frackingverbot einsetzen. Trinkwasserförderung ist der beste Schutz vor Fracking.“

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