Harburg
Lebensart

Das Licht viktorianisch, der Schuh handgefertigt

 Petra Wiebe stellt im Hotel Lindtner viktorianische Kristalöllampen aus . Der Preis: 1580 Euro

Petra Wiebe stellt im Hotel Lindtner viktorianische Kristalöllampen aus . Der Preis: 1580 Euro

Foto: Thomas Sulzyc

Mehr als 70 Aussteller bei den Kunsthandwerk- und Antiquitätentagen im Privathotel Lindtner zeigen Luxus, der das Leben schöner macht

Heimfeld.  Der Universalgelehrte Leonardo da Vinci hat den Fuß des Menschen beschrieben als ein Kunstwerk aus 26 Knochen, 107 Bändern und 19 Muskeln, das bei jedem Individuum anders beschaffen sei. Nur noch eine Hand voll Schumachermeister und Manufakturen in Deutschland beherrschen die Kunst, mit der Hand den individuellen Fußformen auf den Millimeter genau angepasste Schuhe zu fertigen.

Einer von ihnen ist Hans-Joachim Vauk. Herren reisen schon einmal aus dem weit entfernten Salzburg in seine Manufaktur in Neumünster, um sich Maßschuhe anfertigen zu lassen. Sein exklusives Schuhwerk hat der Meister am Wochenende bei den Kunsthandwerk- und Antiquitätentagen im

vorgestellt.

Seit mittlerweile 31 Jahren präsentiert das Hotel in Heimfeld in der Vorweihnachtszeit Luxus, der das Leben schöner macht. Die Kunsthandwerk- und Antiquitätentage mit mehr als 70 Ausstellern sind die wichtigste Messe für Lebensart im Hamburger Süden.

Maßschuhe haben ihren Preis. Das günstigste Paar aus der Manufaktur Vauk liegt bei 3000 Euro. Drei bis vier Monate dauert die Anfertigung eines Paars Schuhe. Allein vier Wochen muss der Schuh auf den Holzleisten sein, ein hölzernes Abbild des Fußes. Genau genommen stellt der Schuhmacher insgesamt vier Schuhe für ein einziges Paar her – zunächst einen Probeschuh, dann den wirklichen Maßschuh.

90 Prozent seiner Maßschuhe seien aus schwarzem Leder, sagt Hans-Joachim Vauk. Das sei die Farbe, die Geschäftsleute eben tragen. Jeder weiter der Kunde aus dem Norden Deutschlands komme, desto schwärzer werde der Schuh. Mutige Münchener dagegen tragen auch schon mal Braun.

Zum ersten Mal bei den Kunsthandwerk- und Antiquitätentagen dabei ist die Lamp Gallery aus Neustadt-Büren bei Hannover. Petra Wiebe und Thomas Sahlender sind Spezialisten für viktorianische und edwardianische Lampen. Sie arbeiten mit Händlern zusammen, die bei Auktionen in Großbritannien die edlen Leuchten aufspüren.

Englische Öllampen seien Ende des 19. Jahrhunderts weltweit führend gewesen. Sie erreichten 50 Watt und erzeugten ein angenehmes Licht zum Lesen. Das Vereinigte Königreich habe Kristallöllampen nach Indien zu den Maharadschas, den lokalen Fürsten, exportiert, sagt Petra Wiebe. 1580 Euro kostet heute eine viktorianische Kristallöllampe. Die Monarchin Viktoria, 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland, habe am Hof die fortschrittlicheren Gaslampen nie zugelassen. The Lamp Gallery schon – sie bietet auch Gaslampen und elektrische Lampen aus Old England an.

Edel Licht spenden auch Kerzen in einem französischen Kirchenleuchter aus der Zeit um 1870, den ein Antiquitätenhändler im Hotel Lindtner ausstellt. Mit Namen möchte er nicht genannt werden. Mit einem selbst entwickelten Verfahren habe er den feuerfest vergoldeten Kirchenleuchter aus Bronze wieder zur alten Pracht verholfen. Das Stück sei selten. Manchmal tauchten heute derartige Leuchter in privaten Kapellen auf, kurz bevor die Gebäude abgerissen werden sollen.

Der Marktwert des Kirchenleuchters aus der Zeit des Kaisers Napoleon III. liege bei 750 Euro. Die Preise für Antiquitäten seien seit dem Jahr 2008 in den Keller gegangen und hätten sich bis heute nicht erholt, sagt der Antiquitätenhändler. 2008 war das Jahr, in dem die amerikanische Großbank Lehman Pleite ging, was weltweit eine schwere Krise an den Finanzmärkten ausgelöst hat. Der Antiquitätenmarkt habe sich seit dem verändert. Die Leute gäben heute lieber Geld für anderen Luxus aus, so sein Eindruck. Für größere Autos zum Beispiel.