Harburg
Schrottplatz

Schredder lässt Harburgs Seehafen beben

Das TSR-Schrottplatzgelände mit der Schredderanlage an der 2. Hafenstraße. Hier war erst Mitte November 2014 ein Großfeuer

Das TSR-Schrottplatzgelände mit der Schredderanlage an der 2. Hafenstraße. Hier war erst Mitte November 2014 ein Großfeuer

Foto: Jochen Gipp / HA

Im Industriegebiet Harburger Seehafen wackeln die Wände wegen Explosionen in einer Schredderanlage. Die Umweltbehörde soll einschreiten, verlangen die Nachbarunternehmen

Harburg.  Explosionen mit starken Druckwellen, Stichflammen und Stäube. Die Schredderanlage auf dem Gelände des Metall-Recyclingunternehmens „TSR Recycling GmbH & Co. KG“ an der 2. Hafenstraße in Harburg sorgt seit ihrer Betriebsaufnahme Anfang 2013 mit dem Zerkleinern alter Autos und offenbar nicht richtig entleerter Kraftstofftanks für mächtig viel Ärger bei benachbarten Unternehmen . Deren Gebäude wackelten bei jeder der bereits gut 200 Explosionen wie bei einem Erdbebeben.

Bei einem Unternehmen hob eine Explosionsdruckwelle ein Hallendach aus Trapezblech an. Bereits zweimal fielen deshalb tragende Schienen zu Boden. „Zum Glück waren keine Mitarbeiter in der Nähe“, sagt Martin Erdmann, Fertigungsleiter der auf Schiffseinrichtungen spezialisierten Lethe GmbH an der Seehafenstraße 17. Erdmann meint, dass Mitarbeiter hätten schwer verletzt werden können.

Auch auf der anderen Seite des Seehafens, an der 1. Hafenstraße 13, zeigt sich Stephan Puvogel, Geschäftsstellenleiter der Transa Spedition GmbH (DB Schenker) besorgt um seine Mitarbeiter. „Eine Kollegin hat richtig Angst“, sagt er, „sie fürchtet, dass unser Gebäude einstürzen könnte und denkt dabei an die Katastrophen in indischen Textilfabriken. Ich habe auch andere Mitarbeiter schon mehrfach beruhigen müssen.“ Das fällt Puvogel nicht immer leicht. Erst vor zwei Tagen, am Donnerstag um 15.42 Uhr, hatte es wieder gerummst. Da schoss mit gut fünf Meter Länge die größte Stichflamme aus der nach oben hin offenen Schredderanlage. Puvogel: „Eine größere Stichflamme habe ich dort bisher nicht gesehen.“

An der 2. Hafenstraße ist die Firma H.J. Schmidt Containerdienste, dem TSR-Schredder besonders nahe. Und Firmeninhaber Hans-Jürgen Schmidt platzt wegen der Erschütterungen allmählich der Kragen. 2013 und 2014, hat er jeweils im Frühjahr auf eigene Kosten die Druckwellen und Erschütterungen messen lassen. Schmidt: „Es sind starke Bewegungen in alle Richtungen aufgezeichnet worden. Seinen zehn Mitarbeiter zählenden Containerbetrieb hatte er vor 15 Jahren auf eigenem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück eingerichtet. Sämtliche Gebäude, darunter die 2.700 Quadratmeter große Halle, waren intakt. Inzwischen sind überall Risse im Mauerwerk. Mittlerweile lässt Schmidt seine Interessen vom Hamburger Rechtsanwalt Nicolas von Strenge vertreten. Der hat Kontakt aufgenommen zu Unternehmen der Nachbarschaft, zur TSR Recycling GmbH und zur Hamburger Umweltbehörde, deren Aufgabe es ist, den Schredderbetrieb zu kontrollieren.

Nicolas von Strenge: „Über das Hamburger Landgericht ist ein Gutachter bestellt, der den Zusammenhang von Explosionen und Gebäudeschäden nachweisen soll. Wir fordern von der Umweltbehörde Langzeitmessungen auf dem TSR-Gelände“. Da Schredderanlagen auch andernorts in Deutschland, darunter in Riesa, auffällig sind und auch Staubentwicklungen mit hochgiftigen Dioxinen/Furanen/PCB festgestellt wurden, verlangt der Anwalt jetzt auch von der Umweltbehörde Luftmessungen in der Umgebung. Von Strenge: „Der Gefahrenradius um das Gelände beträgt 1,5 Kilometer und reicht bis zu Harburgs neuen Wohngebieten auf der Schloßinsel.“ Erst im November 2014 war TSR wegen eines Großfeuers in den Schlagzeilen.

In einer Stellungnahme verweist TSR auf das Einhalten sämtlicher gesetzlichen Auflagen. Die Umweltbehörde kündigt Untersuchungen an, wie Auswirkungen des Schredders gemessen werden können.