Harburg
Ganztagsgrundschulen

Konzept für Ganztagsgrundschule gesucht

In den ersten und zweiten Grundschulklassen soll in Winsen vom kommenden Schuljahr an ein Ganztagsangebot gelten

In den ersten und zweiten Grundschulklassen soll in Winsen vom kommenden Schuljahr an ein Ganztagsangebot gelten

Foto: Peter Steffen / dpa

SPD, Grüne und Freie Winsener stellen Antrag zur Schulausschuss-Sitzung. Die Parteien streben ein Betreuungsangebot aus einer Hand an.

Winsen. Nach der sieben Millionen Euro teuren Entscheidung für den Ausbau von vier Grundschulen für den Ganztagsunterricht geht es in Winsen jetzt um ein Konzept für die Betreuung der Kinder. Nicht entschieden ist dabei aber nicht nur, wie das Angebot aussehen und wie lange es täglich gelten soll, sondern auch wer diese Aufgabe übernehmen wird und vor allem, woher die Mittel kommen sollen.

Deshalb haben sich SPD, die Grünen und die Freien Winsener jetzt festgelegt und einen Antrag für den Schulausschuss am kommenden Montag, 21. September, gestellt. Darin fordern sie eine Betreuung an fünf Unterrichtstagen bis jeweils 15.30 Uhr und bei Bedarf ein Angebot vor acht Uhr, bis mindestens 17 Uhr sowie eine kostenpflichtige Ferienbetreuung für neun Wochen pro Jahr.

Grundsätzlich stehen für das Angebot der Ganztagsgrundschulen Lehrerstunden zur Verfügung, die auch kapitalisiert werden können. Das bedeutet, dass anstatt der Lehrer auch pädagogische Mitarbeiter eingestellt werden können. Die Alte Stadtschule, die bereits ein Ganztagsangebot macht, ist zudem Kooperationen mit Vereinen oder auch der Musikschule eingegangen, die nun ebenfalls solche Aufgaben übernehmen.

Solche Kooperationen sind auch für andere Schulen vorgesehen. Für die Schulen ist aber klar: Ohne zusätzliche Mittel von der Stadt werden sie das Angebot allenfalls bis 14 Uhr aufrecht erhalten können. Selbst die 10.000 Euro plus fünf Euro je Schüler, die die Alte Stadtschule erhält, seien nicht ausreichend, argumentieren die Schulleiter laut Verwaltungsvorlage zur Ausschusssitzung. Die Verantwortlichen hatten sich zuvor zu einer Sitzung am 16. Juli getroffen.

In ihrem Antrag legen Brigitte Netz (SPD), Erhard Schäfer (Grüne) und Andreas Waldau (Freie Winsener) zudem Wert darauf, dass ein „qualifiziertes und aufeinander abgestimmtes Bildungs- und Betreuungsangebot aus einer Hand“ geboten wird.

„Unser Ziel ist es, dass Eltern ihre Kinder bei der Schule anmelden und dort dann jeweils von den gleichen Ansprechpartnern betreut werden“, sagt Netz. Jeweils nach einem Schulhalbjahr solle der Bedarf neu berechnet werden. Mit dem Modell würde sich in der Kreisstadt nach und nach die Betreuung von den Horten auf die Grundschulen verlagern.

Angelehnt an das Modell der Gemeinde Seevetal ergibt sich für die drei Politiker etwa für die Hanseschule ein Zuschussbedarf von 90.000 Euro pro Jahr. Die Politiker sind dabei zuversichtlich, dass sich diese Summe im Haushalt der Stadt für das Jahr 2016 unterbringen lässt.

Die Verwaltung kommt dagegen für die gleiche Schule für 90 Kinder auf 64.000 Euro, die noch durch die Kapitalisierung von Lehrerstunden um 22.000 Euro vermindert werden könnte. Diese Summe gilt für die ersten beiden Jahrgänge und eine Betreuung bis 15.30 Uhr. Allerdings erscheint auch diese Summe der Verwaltung „überzogen“.

Probleme sieht der Erste Stadtrat Christian Riech auch bei der Zusammenarbeit mit den Trägern, die in Winsen Kinder betreuen. „Die tun sich schwer damit“, sagt Riech. So hat die Vereinigung Kita-Nord, eine Tochter der Elbkinder, eine Kooperation abgelehnt.

Das Rote Kreuz und die evangelische Kirche wären zwar dazu bereit, verweisen jedoch darauf, dass die gesetzlichen Bedingungen noch nicht geklärt seien. Umstritten ist auch, wer Vorgaben für die Arbeit machen kann, da die Betreuung grundsätzlich in der Verantwortung der Schulen liegt.

Neben allen diesen Unwägbarkeiten steht die Entscheidung für ein Konzept für die Ganztagsgrundschulen auch zeitlich unter Druck. Denn der Antrag zur Genehmigung einer Ganztagsgrundschule für das Schuljahr 2016/17 muss bis zum 1. Dezember bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde gestellt werden. Damit müsste die Entscheidung für das Konzept am 21. September fallen.

Nur so, argumentieren SPD, Grüne und Freie Winsener, könne der Rat das Thema am 7. Oktober noch rechtzeitig behandeln. „Wir machen hier den Job der Verwaltung“, kritisiert Schäfer. Doch ob das Trio mit seinen Wünschen im Schulausschuss durchdringen wird, ist aufgrund der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse zumindest offen. Die Sitzung in der Aula der Alten Stadtschule beginnt um 18 Uhr.