Harburg
Puppentheater

Ein Besuch im Hermannshoftheater in Wistedt

Hermannshoftheater

Hermannshoftheater

Foto: Bianca Wilkens

Das Ehepaar König betreibt das Hermannshoftheater. Landwirtschaft und Theater – wie passt das zusammen? Ein kultureller Besuch.

Wistedt.  Johann Karl König, 54, tat etwas, das ihm sein Vater Johann Peters lange übel nahm. Er machte aus dem Hermannshof ein Theater. Mehrere Jahre wechselte sein Vater darauf kein Wort mehr mit ihm. Eigentlich sollte Johann Karl König als ältester Sohn in der Familie den landwirtschaftlichen Betrieb fortführen. So wollten es seine Eltern. So lief es in der Familie über fünf Generationen.

Doch Johann Karl König, der damals noch Johann Karl Peters hieß, konnte mit dem Mastbetrieb mit 400 Schweinen, den sein Vater aufgebaut hatte, nichts anfangen. Nein sagen konnte er aber auch nicht. Schließlich sah er die Betriebsübernahme als Chance, den Betrieb in eine andere Richtung zu steuern. Er ließ sich in Witzenhausen zum Agraringenieur mit ökologischer Ausrichtung ausbilden. Aus dem Mastbetrieb sollte ein Biohof werden. Das war das erste Mal, dass er mit der Familientradition brach.

Schauspielausbildung in Hamburg

Als er während seines Studiums mit dem Theater in Kontakt kam, Blut leckte und vor der Hofübergabe in Hamburg eine Schauspielausbildung am Hamburger Monsuntheater begann, war es das zweite Mal. Er kam mit Menschen wie Dieter Bartl in Kontakt, der ein Atelier für Sprechkunst in Hamburg betreibt. Am Ende verband er die Pflicht mit dem Vergnügen. Nachdem sein Vater ihm Ende der 80er Jahre den Hof überschrieben hatte, gründete er kurz darauf mit einem Freund ein kleines Theater auf dem Gelände.

Das und die biologisch-dynamische Arbeitsweise, heute bekannt unter dem Markennamen Demeter, zog viele Menschen an. Solche, die sich für diese neue Art der Landwirtschaft interessierten, und keinen eigenen Hof in der Hinterhand hatten, sowie Straßenkünstler und Schauspieler, die in Zirkus- und Bauwagen anreisten. Eine bunte Gruppe mit vielen Kindern lebte auf dem Hof, eine Kommune.

Die Verpachtung tat weh

„Es war eine Aufbruchsstimmung. Ich habe viele spannende Menschen getroffen“, sagt Johann Karl König. Doch nur wenige Jahre später brach das Projekt zusammen und die große Gruppe reduzierte sich auf wenige Menschen, die Interesse an einer Betriebsgemeinschaft hatten. Johann Karl König aber wollte vor allem Theater machen. Er bekam ein festes Engagement in Wismar und verpachtete den Hof. Das tat weh. Sein Vater empfand es als ein Verschleudern des Erbes.

Der Pächter stand kurz vor der Insolvenz

2002, zwölf Jahre nachdem sein Vater ihm den Hof überschrieben hatte, kehrte Johann Karl König zurück. Der Pächter stand kurz vor der Insolvenz. „Ich musste den Hof retten.“ Diesmal fühlte es sich für ihn richtig an. „Ich wollte es, der Antrieb kam aus mir heraus“, sagt er. Heute hält er auf seinem Demeterhof 45 Kühe der Rasse Deutsche Angus und bewirtschaftet 60 Hektar. Im wesentlichen baut er Gemüse und Kartoffeln an. Sein Bruder Stefan Peters verkauft die Produkte auf Wochenmärkte. Seinen Traum vom eigenen Theater, verbunden mit einem Biobetrieb verwirklichte Johann Karl König dennoch. Mit Antje König, 48, seiner heutigen Frau, errichtete er ein Theater in der ehemaligen Wohnstube.

Viel Liebe zum Detail

Wer es betritt, begibt sich in eine andere Welt, in ein feines Theater, mit viel Liebe eingerichtet. Die Bestuhlung stammt aus dem Schweriner Staatstheater. Dort hatte Antje König nach ihrer Schauspielausbildung an der Ernst-Busch-Hochschule mit Schwerpunkt Puppenspiel in Berlin ihr erstes Engagement. Charakteristisch für die Hochschule ist die offene Spielweise. Man sieht nicht nur die Puppen tanzen, sondern auch den, der sie tanzen lässt.

Zusammen mit Karl Huck, heute künstlerischer Leiter der Seebühne Hiddensee, hat sie die Spielweise immer mehr verfeinert. Zehn Jahre lang arbeitete sie mit Huck am Homunkulus-Figurentheater in Berlin. Oft führt er am Hermannshoftheater Regie. Das Stück, das am Wochenende Premiere feiert, ist hingegen unter Regie von Antje König entstanden.

Es handelt sich dabei um eine Adaption des griechischen Mythos von „Orpheus und Eurydike“. Der Bauer Orpheus verliert seine Lieblingskuh Eurydike, weil er gentechnisch veränderten Mais verfüttert. Er steigt in die Unterwelt, um sie zurückzuholen.

Kombination aus Theater und Landwirtschaft

Ein Thema, das Landwirt Johann Karl König umtreibt. „Wir wollen mit Spaß die Besucher zum Nachdenken anregen“, sagt Antje König. Für das Paar ist die Kombination von Landwirtschaft und Theater eine perfekte Mischung. „Aus dem Leben in der Natur und der künstlerschen Arbeit ergibt sich ein Gesamtkunstwerk“, sagen sie. Übrigens versöhnten sich Vater und Sohn am Ende – mit Jägermeisterschnaps. Happy End, zu guter Letzt.

(Bianca Wilkens)