Asylbewerber

Sechs Frauen gründen Verein, um Flüchtlingen zu helfen

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Lutz Kastendieck
Der Vorstand des neuen Vereins Human@Human (v.l.): Dagmar Overbeck, Britta von Livonius, Tanja Freitag und  Ineke Siemer. Nicht im Bild sind  Daniela Kleist und Sarah Neumann

Der Vorstand des neuen Vereins Human@Human (v.l.): Dagmar Overbeck, Britta von Livonius, Tanja Freitag und Ineke Siemer. Nicht im Bild sind Daniela Kleist und Sarah Neumann

Foto: human@human

Das Harburger Sextett hat den Verein Human@Human gegründet. Über ein Patensystem sollen Flüchtlinge schneller integriert werden.

Harburg. Der Zustrom von Flüchtlingen hält unvermindert an – auch in Hamburg. 6970 waren es im vergangenen Jahr. 2015 sollen es aktuellen Prognosen zufolge noch deutlich mehr werden. So sind die Quartiere der Zentralen Erstaufnahmen, wie auch der öffentlich-rechtlichen Folgeunterbringungen zumeist jetzt schon am Rande ihrer Kapazitäten angelangt. Problematisch wird die Lage aber vor allem deshalb, weil den Asylsuchenden oft wenig mehr bleibt, als das nervtötende Warten auf eine finale Entscheidung in ihrem Verfahren.

Sechs Harburgerinnen sind angetreten, das zu ändern. Sie sind unter anderem Bauingenieurin, Finanzbeamtin, Psychologin, Sozialpädagogin, alle aber eint das Bedürfnis, den Harburger Flüchtlingen zu helfen. Deshalb haben sie am 10. März in Heimfeld den gemeinnützigen Verein human@human gegründet. „In diesen Menschen steckt so viel Potenzial und auch Wille, es ist einfach wichtig, ihnen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben an ihrem Zufluchtsort zu ermöglichen, sie mit der Kultur und der Umgebung vertraut zu machen“, sagt Dagmar Overbeck, SPD-Bezirksabgeordnete und erste Vorsitzende des neuen Vereins.

Verein versteht sich auch als Bindegliedzur Handwerkskammer und Diakonie

Bis der Flüchtlingsstatus oder zumindest die temporäre Duldung geklärt sind, vergehen in Hamburg aktuell durchschnittlich 7,1 Monate, in etlichen Fällen aber auch ein ganzes Jahr und länger. Währenddessen haben die Asylbewerber keine offizielle Arbeitserlaubnis oder nur nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt, im Prinzip aber einen schwierigen Zugang zu fast jeder Art von Beschäftigung.

„Dabei sind unter den Flüchtlingen aber viele, die sehr gut ausgebildet sind, teilweise auch ein Hochschulstudium absolviert haben. Wir wissen von Facharbeitern aus Branchen, die hierzulande dringend Personal mit speziellen Qualifikationen suchen, viele Arbeits- und Ausbildungsplätze mangels Bewerber aber nicht besetzen können“, weiß Ineke Siemer, die zweite Vorsitzende von human@human. „Warum also nicht versuchen, solche Asylbewerber zu vermitteln und mit suchenden Firmen zusammenzubringen?“, fragt die engagierte Bostelbekerin.

Dabei verstehen sich die sechs Frauen durchaus auch als Bindeglied zu gleichgelagerten Initiativen, etwa der Handwerkskammer oder der Diakonie. „Wenn wir hier wirklich etwas erreichen wollen, müssen einfach alle an einem Strang ziehen, die in diesem Bereich Know-how und Kontakte haben“, sagt Dagmar Overbeck. Deshalb sei natürlich die naheliegende Aufgabe, ein möglichst großes und weitverzweigtes Netzwerk aufzubauen.

Speziell entwickelter Fragebogen sollQualifikationen der Bewerber klären

„Viele Unternehmen, gerade im Binnenhafen, sind hier sehr offen und aufgeschlossen“, berichtet Andrea Zwengel, die ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern von human@human zählt und von Beginn an in die Flüchtlingsinitiative Binnenhafen rund um das Wohnschiff „Transit“ eingebunden ist. „Wichtig wäre aber auch, Kooperationspartner in Behörden und Stiftungen zu finden, die uns mit fachlicher Beratung zur Seite stehen“, ergänzt Ineke Siemer.

Um festzustellen, welche Berufe und Qualifikationen die Flüchtlinge haben, ist bereits ein Fragebogen entworfen worden, mit dem die für eine Bewerbung entscheidenden Informationen ermittelt werden können. In einer Informationsveranstaltung im Binnenhafen soll er am kommenden Wochenende erstmals in größerer Runde unter den Bewohnern der „Transit“ verteilt werden.

Paten sollen bei der Wohnungssucheund auch bei Behördengängen helfen

Dass dort das Interesse an Arbeitsmöglichkeiten groß ist, gilt schon jetzt als sicher. So hat der Vorstand von human@human bereits wichtige Kontakte für zwei Syrer anbahnen können. „Der eine ist Architekt, der andere Elektriker. Beide sind hoch motiviert und würden lieber heute als morgen loslegen“, sagt Ineke Siemer. Und hofft, dass die ersten Gespräche mit entsprechenden Unternehmen zu einem Gewinn für beide Seiten werden.

Dabei sind sich die sechs Harburger Frauen durchaus bewusst, dass auch der Verein selbst wachsen muss, wenn er erfolgreich sein will. Deshalb suchen sie weitere Mitstreiter in Form von Paten. Sie sollen die Flüchtlinge auch bei der Wohnungssuche, bei Behördengängen und dem Finden geeigneter Freizeitaktivitäten unterstützen.

Wer solche Hilfe leisten kann und will, sollte sich bei Dagmar Overbeck unter 040/68 91 19 31 melden. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage www.human.hamburg.

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