Harburg
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Schlaglöcher und Spurrinnen: Zustand der B 73 „desolat“

Ein Teilstück der B73 ist wegen des desolaten Zustands der Fahrbahn jetzt zur Tempo-30-Zone erklärt worden Foto: Lutz Kastendieck

Ein Teilstück der B73 ist wegen des desolaten Zustands der Fahrbahn jetzt zur Tempo-30-Zone erklärt worden Foto: Lutz Kastendieck

Foto: Lutz Kastendieck

Die marode Fahrbahn ist Senat und Behörden seit Jahren bekannt. Geschehen ist allerdings wenig. Was die Bezirkspolitik tun will.

Harburg. Der partiell marode Fahrbahnzustand der B 73 hat erneut die Bezirkspolitik auf den Plan gerufen. Auf der Tagesordnung der nächsten Bezirksversammlung am 28. April stehen gleich zwei Anträge zum Thema auf der Tagesordnung, beide von der Großen Koalition. Nach Auffassung von SPD und CDU sei der Umgang mit einer der wichtigsten Verkehrsadern des Süderelberaums so nicht länger hinnehmbar.

Kürzlich ist das Teilstück der Stader Straße zwischen der Kreuzung Bissingstraße/Moorburger Straße und der Einmündung Milchgrund zur Tempo-30-Zone erklärt worden. „Dieser Abschnitt kann derzeit als Teststrecke für Seekrankheitsmedikamente benutzt werden. Jedenfalls ist der Straßenzustand für Rettungswagen, die die Asklepios-Klinik oder die Helios-Klinik Mariahilf anfahren, unzumutbar“, kommentierte SPD-Fraktionschef Jürgen Heimath den Zustand des Fahrbahnbelags in drastischen Worten.

Nicht minder deutlich fällt das Urteil seines CDU-Pendants Ralf-Dieter Fischer aus: „Der zuständige Landesbetrieb hat die Straße verrotten lassen, das ist völlig indiskutabel.“ Und sei obendrein unverantwortlich, angesichts der fundamentalen Bedeutung dieser Bundesstraße für den gesamten Bezirk. „Die B 73 ist eine der Hauptverkehrsachsen für den Individual- und den Wirtschaftsverkehr und eine der meistbefahrenen im gesamten Norden. Da hätte man sich deutlich mehr Aufmerksamkeit für diese Trasse gewünscht“, so Fischer. Zumal der desolate Zustand schon seit Jahren bekannt ist. Bereits Ende 2008 war der ADAC zu dem Fazit gekommen, die B 73 befinde sich von Harburg bis zu Landesgrenze „in einem katastrophalen Zustand“. Die geschätzten Kosten beliefen sich seinerzeit auf 30 Millionen Euro. Und dürften inzwischen weiter angestiegen sein.

Die prekäre Situation ist auch dem Hamburger Senat lange bewusst. In einer Antwort auf eine Anfrage der damaligen CDU-Abgeordneten Lydia Fischer vom 19. Januar 2009 waren die Schäden sogar en detail aufgelistet worden. Es gäbe „Flickstellen, Rissbildungen, Spurrinnen, Aufwölbungen, Ausmagerungen“, so der Senat. Kurz, alle „Symptome“ einer sich rasant auflösenden Piste. Weshalb abschließend konstatiert wurde: „Eine Grundinstandsetzung“ der betreffenden Abschnitte sei „aus fachlicher Beurteilung kurz- bis mittelfristig geboten“.

Viel passiert ist seitdem jedoch nicht, abgesehen von gelegentlichen Notausbesserungen allzu auffälliger und spürbarer Schlaglöcher. „Deshalb ist es sehr verwunderlich, dass die zuständige Behörde hier nicht endlich für Abhilfe sorgt“, kritisiert Heimath. Stattdessen seien nun Schilder mit einer Tempobegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde und Sichthinweise auf unebene Fahrbahnen aufgestellt worden.

Nach Bundesrecht sei diese Maßnahme zwar durchaus zulässig, erklärt Rechtsanwalt Fischer. Sie sollte indes nur vorübergehend angewandt und nicht zu einem Dauerzustand werden. „Sie stellt nämlich eine klare Verkehrsbeschränkung dar, die nicht auf Jahre hinnehmbar ist. Schon gar nicht bei einer Bundesstraße dieser Bedeutung“, sagt Fischer.

Zwar ist die schrittweise Grundsanierung der B 73 dem Vernehmen nach für das Frühjahr des kommenden Jahres avisiert, was CDU-Fraktionsvize Rainer Bliefernicht für „völlig unrealistisch“ hält. Doch unabhängig davon geben sich SPD und CDU mit dieser Ankündigung nicht zufrieden. „Grundsätzlich ist sie zwar zu begrüßen“, so Heimath. Bis zum Sanierungsbeginn müsse die Fahrbahndecke „aber wenigstens einmal ausgeglichen werden“. Überdies fordere die SPD-Fraktion, umgehend vor allem die beiden stadtauswärts führenden Fahrstreifen der Stader Straße zwischen Bissingstraße und Milchgrund mit einer neuen, geräuschreduzierenden Asphaltdecke zu versehen. Erschwert werden die aktuellen Planungen dadurch, dass zeitnah auch Brückensanierungen und Bauarbeiten an der Bremer Straße/B 75 anstehen, die weitere Ausweichverkehre mit sich bringen. So müssen sich die Harburger in den nächsten Monaten und Jahren zwangsläufig auf erheblich längere Fahrzeiten und das Stehen im Stau einstellen.