Harburg
Moment mal!

Rettet den Bindestrich!

Eine Glosse von Haraldpunktklix

Kennen Sie Klausminusdieter? Nein? Dann haben Sie noch nie gehört, wie mein Kollege seine E-Mail-Adresse am Telefon durchgibt: Klausminusdieter ätt tminusonlinepunktde.

Das Internet ist der Totengräber des guten alten Bindestrichs. Das profane Minus, schon vom Wort her kein wahrer Sympathieträger, lässt ihn aussterben. Unaufhaltsam. Sogar das renommierte Grimme-Institut, Hüter der Medienkultur, vergibt zwar noch den Grimme-Preis für vorbildliches Fernsehen, aber auch den Grimme Online Award für Qualität im Netz.

Und dem Bindestrich, der bei schwierigen Wort-Kompositionen das Lesen erleichtert, droht noch mehr Gefahr: von dem Deppen-Leerzeichen und dem Binnenversal. Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an einer Senioren Residenz und an der Asklepios Klinik vorbei, im Supermarkt muss ich mich zwischen Steak Sauce und Tomaten Ketchup entscheiden, im Bioladen locken der Guten Morgen Tee und der Soja Reis Drink. Fiebere ich am Wochenende lieber beim HSV-Spiel in der Imtech Arena mit, genieße ich ein Konzert beim Schleswig-Holstein Musik Festival oder eine Komödie im Ernst Deutsch Theater? Auf jeden Fall immer ganz ohne Bindestriche.

Die fehlen auf dem Weg zum HSV auch, weil der Trend zum Großbuchstaben in der Mitte von Wörtern sich ungebremst ausbreitet. Am Bahnhof treffe ich den Chef der BürgerStiftung, der sich eine neue BahnCard holt. Im Zug sitzen mir Fußballfans aus dem SeniorenBeirat gegenüber, wir kommen an der HafenCity vorbei. Und wen treffe ich zufällig am Stadion? Klausminusdieter...