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Frau Teismann kennt die Kraft der Kräuter

Räuchern, heilen, würzen, betören: Die „Kräuterfrau“ Heike Teismann weiß, wie Grünes vom Wegesrand Wundersames schafft. Sie gibt Seminare und hat die Pflanzen zu ihrem Beruf gemacht.

Lüneburg Brennnessel, Beifuß und Blaubeerblätter – das sind einige der Kräuter, die Heike Teismann in ihren Seminaren verwendet. Seit acht Jahren ist sie nun schon die Kräuterfrau aus Lüneburg und hat die am Wegesrand stehenden Heilkräfte zu ihrem Beruf und auch zu ihrem Leben gemacht.

Nach Zwischenstopps in Hamburg, Berlin und Schleswig-Holstein lebt die gebürtige Münsterländerin seit 2014 in Rolfsen und entdeckt jeden Tag neue magische Plätze und märchenhafte Wälder der Lüneburger Heide. Früher als Sozialarbeiterin tätig, entschied die 49-Jährige, ihren Job an den Nagel zu hängen und sich ganz dem alten Wissen und Brauchtum der Kräuter zu widmen. Schon mit ihrer Großmutter unternahm sie früher Ausflüge in die Natur – und machte sich mit den heimischen Kräutern in Büchern über Pflanzenkunde vertraut. Die früh gewonnene Begeisterung hierfür verlor sie nie. Nach zwei Jahren Ausbildung und zahlreichen Workshops in Bayern und den Alpen fragte sie dann in einem Naturpark an. Und kann sich seitdem als ausgebildete Kräuterexpertin bezeichnen. Als solche gibt sie ihr vielfältiges Wissen in Seminaren, auf Wanderungen und Erkundungen an die Teilnehmer weiter. „Das Interesse an meinen Seminaren ist groß, Kräuter und das naturnahe Leben liegen offenbar wieder im Trend“, so Heike Teismann. Nebenbei arbeitet sie zudem noch als Gästeführerin und in der Tourismus-Agentur von Amelinghausen.

Mehrmals im Jahr bietet sie Kräuterwanderungen und Seminare an, bei denen es mal in die Krunsberger Heide, mal zur roten Schleuse in Wilschenbruch oder einfach in den heimischen Garten geht. Hier wird der Ursprung von Kräutern als mittelalterliche Klostermedizin erläutert. Doch nicht nur das. Die Praxis steht im Mittelpunkt, denn die Teilnehmer sollen ihr erlerntes Wissen auch selber zu Hause anwenden können. Auf kompliziertes Werkzeug wird daher komplett verzichtet. Alltagsgegenstände sind hier die kleinen Helfer, mit denen man die Vielfalt der Kräuter greifbar und für seine Zwecke benutzbar macht. Kleine Tiegel, Schälchen und Federn reichen als Hilfsmittel. „Mir ist es wichtig, den Teilnehmern zu vermitteln, dass jeder mit einfachen Mitteln auch zu Hause viel mehr mit Kräutern anstellen kann, als viele glauben. Früher hatte man schließlich auch nicht viel mehr“ sagt die Kräuterfrau.

Die Ideen für ihre Seminare basieren meist auf eigenen Erfahrungen und der großen Vielfalt der Möglichkeiten, die die Pflanzenwelt vorhält. Pflanzen können nicht nur satt machen, sondern auch heilen, beschützen und vorbeugen, wie Heike Teismann weiß. Nach ihren Wanderungen in die Lüneburger Heide erstellt sie mit den Teilnehmern auch eigene Kräuter-Hausapotheken und zaubert köstliche Mahlzeiten aus dem, was viele als „lästiges Unkraut“ am Wegesrand bezeichnen. Ein besonderes Angebot ist die Jahresgruppe, die insgesamt sieben Termine umfasst und somitechte Einblicke in die Kräuterkunde ermöglicht. Ölen und Salben werden hergestellt, aus den selbst gesammelten Kräutern vegetarische oder vegane Rohkost gezaubert. Wraps aus Chinakohl mit Pesto zum Beispiel. Weiterer Bestandteil ihres Angebotes: Pflanzenmeditation. Für Heike Teismann ist die Betrachtung der Pflanze als eigenes Wesen immens wichtig. „Man sollte nicht nur die einzelnen Inhaltsstoffe nehmen und dessen Wirkung nutzen, sondern der Pflanze auch etwas wieder geben“, sagt Teismann. Wer sich darauf einlässt, lernt, sich mit der Pflanze intensiv zu beschäftigen. Man darf sie kosten – und, ja, sogar versuchen, durch Meditation in Kontakt zu ihr zu treten.

Zur kalten Jahreszeit sind rituelle Räucherungen mit Wurzeln und Harzen, die Teismann anbietet. Zum einen, weil Pflanzen derzeit einfach nur sehr eingeschränkt wachsen. Zum anderen, weil sie Wärme und Wohlbefinden bei den Ritualen verbreiten möchte. Schon in der Antike galten Räucherungen als Lock- und Verführungsmittel. Auch heute noch könnten sie nicht nur heilen, sondern auch entspannen, Meditationen vertiefen, Träume verstärken, sagt Heike Teismann.

Für die Zukunft hofft Heike Teismann, dass das Ansehen und Bewusstsein für die Kräuterkunde wieder wachsen möge. „Keine Zuchtpflanze kann dem Menschen mehr Vitamine geben, als die Heilkräuter“, sagt sie.

Informationen zu den Kosten, sowie Veranstaltungsorten gibt es auf der Internetseite www.kraeuterfrau-heiketeismann.de