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Weniger Aufträge für die Industrie

Dafür freut sich der Handel über viele Käufer, sagt eine Umfrage der IHK bei 300 Betrieben

Lüneburg. Der Erfolgskurs ist vorerst vorbei: Während die regionale Wirtschaft im ersten Halbjahr wuchs und wuchs, wirken derzeit globale Krisen als Bremsen. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, an der sich knapp 300 Betriebe beteiligt haben.

Im dritten Quartal fiel der Index um 22 Punkte auf einen Wert von 104 – dem tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Zum Vergleich: Niedersachsenweit sank der Indexwert lediglich neun Punkte. „Aktuell geht es unserer regionalen Wirtschaft immer noch gut“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert: „Allerdings drücken die diversen politischen Krisen auf die Stimmung und führen zu teilweise sehr verhaltenen Erwartungen.“

Im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg seien laut Zeinert der Fahrzeugbau, die Lebensmittelindustrie und die Erdöl- und Erdgasindustrie von größerer Bedeutung als in anderen Teilen des Landes: „Diese Branchen sind von den wechselseitigen Sanktionen im Russlandgeschäft besonders betroffen. Das spiegelt sich jetzt in den Ergebnissen unserer Konjunkturumfrage wider.“

Neben dem schwierigen Russlandgeschäft fehlen laut IHK weiterhin konjunkturelle Impulse aus den anderen großen Euro-Staaten. „Die regionale Wirtschaft hat allerdings bislang ihre Krisenfestigkeit bewiesen, nicht zuletzt weil sie sich nach wie vor auf einen stabilen Binnenmarkt verlassen kann“, sagt Zeinert.

Während im Sommer nur 13 Prozent der Industrieunternehmen mit einer Verschlechterung der Geschäfte rechneten, sind es jetzt 23 Prozent. Noch bewerten 90 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage allerdings als zufriedenstellend bis gut. Mit einem Indexwert von 118 Punkten musste das Baugewerbe nur geringe Verluste hinnehmen. Im privaten Wohnungsbau sorgt die günstige Zinssituation für eine anhaltend hohe Nachfrage. Zudem haben sich die gedämpften Erwartungen noch nicht auf die Nachfrage anderer Branchen ausgewirkt. Die Ertragslage ist gut und die Auftragsreichweite reicht bei vielen Unternehmen bis ins neue Jahr hinein.

Der Einzelhandel liegt mit einem Indexwert von 115 Punkten auf zufriedenstellendem Niveau. Die Kunden zeigen aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation und dem weiterhin unattraktiven Zinsniveau für Geldanlagen eine hohe Konsumbereitschaft. Nur elf Prozent der Einzelhändler bewerten die Lage als schlecht, 37 Prozent geben überdurchschnittlich gute Geschäfte an.

Der Indexwert des Dienstleistungsgewerbes rutschte von 145 auf 112 Punkte ab. Während die aktuelle Lage noch sehr gut bewertet wird, sorgen die Befürchtungen um die Auswirkungen der internationalen Krisen bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern für deutliche Skepsis. Zählte nach dem Frühjahr noch fast jeder zweite Dienstleistungsbetrieb zu den Optimisten, ist jetzt nach dem „Sommer der Krisen“ nur noch jeder zehnte.