Harburg
Zollenspieker

250 Gäste trauen um Fährmann Käpt’n Kudd’l

Im Zollenspieker Fährhaus erinnern Familie und Wegbegleiter an den „Hamburger Jung“

Hoopte/Zollenspieker. Abschied von Käpt’n Kudd’l: Rund 250 Trauergäste kamen am Donnerstag in das Zollenspieker Fährhaus, um sich von Hamburgs bekanntestem Fährmann zu verabschieden. Karl-Heinz Büchel, der die Fähre zwischen Hoopte und dem Zollenspieker betrieb, war am 14. Oktober im Krankenhaus in Lüneburg gestorben. Heute hätte er seinen 76. Geburtstag gefeiert.

Die Trauergäste, die mit der Fähre anreisten, sahen die Flagge auf Halbmast, im Saal des Fährhauses lächelte Käpt’n Kudd’l ihnen von einem großen Schwarz-Weiß-Foto entgegen, in der Hand das Tau, klar zum Ablegen. „Ich muss immer auf’m Wasser“ war sein Leitspruch – daran erinnerte seine Schwiegertochter Alexandra Liebaug. Sie zählte die Stationen im Leben von Karl-Heinz Büchel auf, der als jüngstes von sieben Geschwistern auf St. Pauli weitgehend ohne Vater aufwuchs. Schon als Junge habe sich Kudd’l lieber dem Geschäft als der Schule gewidmet, dennoch erhielt er eine Lehrstelle als Modelltischler bei der Deutschen Werft. Doch es hielt ihn nicht in der Werkstatt: Er heuerte nach der Lehre als Schiffsjunge an – und wurde von seiner Mutter vor die Tür gesetzt. „Seine erste Hafenrundfahrt machte Kudd’l, als er mit seinen Kumpels aus vier Spritkanistern ein Floß baute“, sagte Alexandra Liebaug. Über den Vater seiner ersten Ehefrau kam Büchel zum Barkassengeschäft im Hamburger Hafen. Sein erstes eigenes Schiff, die „Ischi“, kaufte er 1968 nach seiner Entlassung aus der Bundeswehr, wo er zuvor Zeitsoldat war. Weitere Schiffe kamen hinzu und parallel das Imbissgeschäft, das er mit Fischbrötchenverkauf begann. 1984 kaufte er den Fährbetrieb Hoopte-Zollenspieker, der kurz vor der Pleite stand. Er investierte in weitere Schiffe und den Imbissbetrieb an den Ufern. Eine enge Zusammenarbeit verband ihn mit dem Zollenspieker Fährhaus: Dessen Geschäftsführer Oliver Kahle erläuterte in seiner Trauerrede: „Es gibt nur zwei Jahreszeiten: Den Winter, wenn kein Kudd’l da war, und den Sommer, wenn er da war.“

Kahle und auch Christoph Krupp, ehemaliger Bergedorfer Bezirksamtsleiter, äußerten ihre Bewunderung über Kudd’ls unermüdlichen Arbeitseifer. „Sein Pensum konnte er nur bewältigen, weil er seine Arbeit liebte und an ständiger Weiterentwicklung interessiert war“, so Kahle. „Als die Autobahn gebaut wurde, plante er sofort mit einem größeren Schiff, weil er wusste, dass er es brauchen würde, sobald es Stau gibt“, berichtete Krupp. Von Anfang an habe Büchel die Fähre nicht nur als Verkehrsmittel, sondern auch als touristische Attraktion betrachtet. Winsens ehemalige Bürgermeisterin Angelika Bode sagte, bei jedem Besuch sei ein Törn mit Käpt’n Kudd’l Pflicht gewesen. „Auch der Ausbau des Anlegers in Hoopte wäre ohne Kudd’l nicht das geworden, was er ist.“ Sie könne ihn jetzt geradezu vor sich sehen, wie er sagt: „Seht ihr, an mich werdet ihr noch lange denken.“