Harburg
Winsen

Aus drei Gemeinden mach eine!

Nach der Fusion von „Guter Hirt“, St. Altfrid und St. Ansgar ist Pfarrer Piotr Matlok ab 1. November für 7200 Gläubige zuständig

Winsen. Der demografische Wandel, die abnehmende Zahl der Priester im aktiven Dienst, finanzielle Einschnitte und immer weniger Gemeindeglieder: Die katholische Kirche versucht seit Jahren, dieser Entwicklung mit Fusionen entgegenzuwirken. Davon betroffen ist auch das Bistum Hildesheim: Bischof Josef Homeyer hat schon 2003 festgelegt, dass die Zahl der damals 363 Mitgliedsgemeinden bis zum Jahre 2020 auf etwa 120 reduziert werden soll. Mit dem Zusammenschluss der Kirchengemeinden „Guter Hirt“ in Winsen mit den Gemeinden St. Altfrid in Meckelfeld und St. Ansgar in Hittfeld ist die strukturelle Umgestaltung jetzt offiziell abgeschlossen. Gefeiert wird die Fusion am Sonnabend, 1. November, von 15 bis 18 Uhr, im Winsener Pfarrheim. Pfarrer Piotr Matlok wird dann offiziell in das Amt des Pfarrers eingeführt.

Piotr Matlok hat ein breites Kreuz. Er schultert Belastungen, die andere schnell in die Knie gezwungen hätten. Der 38 Jahre alte Pole aus Tarnow lebt und arbeitet seit 2007 in der Winsener Pfarrgemeinde – knapp 1000 Kilometer von Familie und Heimat entfernt. Seine Verwandten sieht er nur zweimal im Jahr. Die restlichen Tage verbringt er im Dienst der katholischen Kirche. Und das mit ständig steigendem Aufwand.

Um die Mitglieder in Hittfeld und Meckelfeld hatte sich jahrelang Pfarrer Stanislaus Wischnewski gekümmert. Doch dann erkrankte das Kirchenoberhaupt schwer, konnte ab Mai 2012 seine Aufgaben nicht mehr wahrnehmen. Im Gespräch mit Weihbischof Bongartz und Dechant Pawellek erklärte sich der Winsener Pfarrer Piotr Matlok im Herbst 2012 bereit, bis zur Genesung des Geistlichen die Seelsorge für die Pfarrgemeinde St. Altfrid und St. Ansgar zu übernehmen. Die Anzahl seiner Gemeindeglieder verdoppelte sich damit innerhalb kürzester Zeit von 3600 auf 7200 Menschen. Und die Zahl steigt weiter. „Wir beobachten einen stetigen Zuwachs durch Pendlerfamilien, die sich in Winsen niederlassen und sich unserer Kirche anschließen“, sagt Matlok.

Als Wischnewski schließlich im September 2013 starb, war klar, dass eine langfristige Lösung gefunden werden musste. Der amtliche Fusionsauftrag von Bischof Norbert Trelle ließ nicht lange auf sich warten. „Ich hatte vor der Tragweite dieser Entscheidung große Angst. Mir war klar, dass ich in Zukunft vieles nicht mehr in dem Umfang ausüben kann, wie ich es bisher getan habe“, sagt Piotr Matlok. Er beschränke sich nun im Wesentlichen auf die pastoralen Aufgaben: Heilige Messe, Sakramente, Krankensalbung, Taufe, seelsorgerische Einzelbetreuung.

Die Fusion habe auch Ängste bei den Gemeindegliedern geschürt, sagt der Katholik. „Viele befürchteten, dass es jetzt noch weniger Gottesdienste gibt, dass die Kirche geschlossen wird und der Pfarrer geht. Leider haben mich die wenigsten konkret darauf angesprochen“, sagt Matlok.

Allerdings sehe er in dem Zusammenschluss auch Vorteile. „Ich merke immer wieder, dass ich nicht allein bin. Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen. Es gibt viele optimistische und sehr engagierte Mitglieder, die viel für unsere Kirche tun“, sagt Matlok. Nennenswerte Probleme habe es deshalb nicht gegeben. Das hat auch damit zu tun, dass der Zusammenschluss der Gemeinden in so kurzer Zeit vollzogen werden musste, sagt Matlok. „Wir waren gezwungen, schnell zu arbeiten um in einem Jahr all das zu schaffen, wofür andere Gemeinden vier Jahre Zeit hatten.“

Für ihn ist klar, dass die katholische Kirchengemeinde in der Region Bestand haben wird. Zwar sei Kirche heute nicht mehr - wie noch vor 50 Jahren – nur eine „Volkskirche“, sondern ein Tummelbecken für Menschen, die Kirche oft in einer Gruppe erfahren, Menschen, die von der Kirche vornehmlich Dienstleistungen erwarten, und vor allem Jüngere, die die Kirche mit Events verknüpfen. „Das Gesicht der Kirche ändert sich ständig, und doch bleibt sie immer die Gleiche. Sie wird es immer geben“, betont der Katholik.

Am Sonnabend, 1. November, wird Piotr Matlok um 18 Uhr während einer Heiligen Messe in der Kirche von Dechant Pawellek, Buxtehude, in das Amt des Pfarrers eingeführt. Zuvor feiert die neu gegründete katholische Pfarrgemeinde ein Fusionsfest im Winsener Pfarrhaus. Ab 15 Uhr stellen sich dort alle kirchlichen Gruppen bei Kaffee und Kuchen mit ihrem Programm vor.