Harburg
Neugraben

Erzbistum baut in großem Stil ab

Auch die Katholische Grundschule Neugraben schrumpft durch die Abwicklung des Stadtteilschulzweigs erheblich

Neugraben. Im kommenden Schuljahr bildet die Katholische Schule Neugraben (KSN) erstmals keine fünften Klassen mehr. Als direkte Folge der Abwicklung des Stadtteilschulzweiges an der Cuxhavener Straße mussten sich 88 Viertklässler eine neue Schule suchen. Jetzt gibt es erste Zahlen, wie sich die Schüler entschieden haben.

Strittig ist nach wie vor, wie viele Mädchen und Jungen überhaupt betroffen sind. Laut einer Umfrage des Elternrates hätten sich 54 Schüler für einen Wechsel auf die Stadtteilschule der KSN entschieden. Das bestreitet der Katholische Schulverband Hamburg. „Nach allen Erfahrungen sind mehr als 50 Prozent der KSN-Viertklässler auf ein Gymnasium gewechselt und nur 40 bis 45 Prozent auf eine Stadtteilschule“, sagt Verbandssprecher Christoph Schommer. Von den aktuell 88 Viertklässlern wären also „statistisch gesehen“ allenfalls etwa 40 Kinder in die Katholische Stadtteilschule Neugraben gewechselt.

Wie auch immer. Nach Auskunft des Schulverbands haben sich nur 14 Mädchen und Jungen für die Katholische Schule Harburg entschieden. Acht von ihnen sind römisch-katholisch, vier evangelisch. Das Harburger Niels-Stensen-Gymnasium vermeldete unterdessen nur vier Neuzugänge aus Süderelbe. „Man sieht, Neugrabener Schüler sind also durchaus bereit, längere Weg in Kauf zu nehmen, um an einer katholischen Schule zu lernen“, kommentierte Schuldezernent Erhard Porten diese, aus seiner Sicht „positiven Zahlen“. Dass der Verband somit 80 Prozent seiner ehemaligen Zöglinge an staatliche Schulen „verloren“ hat, ist für das Erzbistum anscheinend kein Problem.

Für die Elternvertreter der KSN schon. „Genau das hatten wir befürchtet. Viele Eltern haben ihre Konsequenzen gezogen und der Katholischen Schule den Rücken gekehrt“, sagt Thomas Hartwig, Sprecher des Elternrates. Für den Stadtteil sei das zwar gut, weil ihm die Kinder erhalten blieben. Der katholische Schulstandort aber werde dadurch nachhaltig und gezielt geschwächt.

Porten hatte in der jüngsten Sitzung des Harburger Ausschusses für Kultur, Bildung, Sport und Stadtteilentwicklung indes noch einmal betont, dass dem Verband die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. Die enorm hohen Investitionskosten zur Sanierung der Schulgebäude an der Cuxhavener Straße 379 von geschätzten 15 bis 20 Millionen Euro hätten aber keine andere Entscheidung zugelassen.

Was aus dem riesigen, attraktiven Areal wird, wenn die Abwicklung des Stadtteilschulzweiges 2019 abgeschlossen ist, darüber hüllt sich der Verband nach wie vor in Schweigen. Erklärtes Ziel sei es, den Standort so lange wie möglich zu erhalten, ließ Porten wissen. Fest steht derweil schon jetzt, dass der Grundschulbetrieb bereits deutlich früher am Standort An der Falkenbek konzentriert wird. Was bedeutet, dass Dritt- und Viertklässler, die bislang noch an der Cuxhavener Straße unterrichtet werden, ihre Klassenräume dann auch An der Falkenbek beziehen.

1,5 Millionen Euro sollen in den Grundschulstandort fließen

Die konkreten Planungen für den Grundschulstandort sollen laut Verband bis zum Sommer abgeschlossen sein. Die nötigen Abstimmungsgespräche mit den involvierten Architekten und der benachbarten römisch-katholischen Pfarrgemeinde Heilig Kreuz würden derzeit geführt, „um eine optimale Lösung für diesen Standort zu erhalten“, so Schommer. Vorgesehen ist für alle neuen Jahrgänge eine Ein- oder maximal Zweizügigkeit. Auch hier baut das Erzbistum in großem Stil Kapazitäten ab. Bis 2010 war die Grundschule noch vierzügig, seitdem dreizügig. Für das Schuljahr 2014/2015 liegen dem Verband aktuell 68 Anmeldungen vor, was erneut auf die Bildung von drei ersten Klassen hinaus liefe. Vermutlich zum letzten Mal. „Entscheidend für den Umfang der künftigen Grundschule ist nicht die Anzahl der Anmeldungen, sondern die Größe der verfügbaren Fläche“, sagt Schommer unmissverständlich. Und die ist An der Falkenbek begrenzt. Auch deshalb, weil eine neue Bewegungshalle gebaut werden muss. Und die Einrichtung von Differenzierungsräumen geplant ist.

Investieren will der Katholische Schulverband hier 1,5 Millionen Euro. „Völlig unzureichend“, sagt Thomas Hartwig. Allein diese Summe beweise, dass der Katholische Schulverband auch hier sein Engagement radikal zurückfahren wolle. „Für eine gesunde Grundschulstruktur sollte es mindestens 50 Kinder pro Jahrgang geben“, sagt der Elternratsvorsitzende Pablo Christian. Heinke Ehlers, Mitglied der Harburger Grünen-Fraktion, sieht für die Zukunft der Katholischen Grundschule Neugraben schwarz: „Sollte es tatsächlich auf eine Einzügigkeit hinauslaufen, hätte sie keine Perspektive, weil die Bildungsqualität auf der Strecke bleibt.“

Ohnehin wäre der Schulverband dann einmal mehr in Erklärungsnot. 37 der aktuell 68 angemeldeten Erstklässler sind römisch-katholisch. Bei einer Entscheidung für die Einzügigkeit müssten künftig wohl sogar katholische Schulanfänger abgewiesen werden.