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Nenndorf

Junge „Blattmacher“ holen Titel

Die Schülerzeitung „Respekt!“ der Grund- und Oberschule Nenndorf überzeugt beim Bundeswettbewerb die Jury

Nenndorf. Deutschlands beste Schülerzeitung kommt aus Nenndorf. Eine renommierte Jury kürte das Blatt „Respekt!“ der Grund- und Oberschule kürzlich in der Kategorie „Hauptschule“ zum Bundessieger des Schülerzeitungswettbewerbs der Länder. Die jungen Redakteure setzten sich damit gegen 1900 Mitbewerber durch und nehmen die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung nun am 30. Juni von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil im Bundesrat in Berlin entgegen.

Als Keon Schmalfeld (12) vor einem Jahr bei Maria Furtwängler an die Tür klopfte, war er ziemlich aufgeregt. „Ich hab gedacht, ich schaffe das nicht“, erinnert sich der Nenndorfer Schüler. Doch Keon hatte einen offiziellen Auftrag: Die Geschichte über die Schauspielerin sollte in der nächsten Ausgabe der Schülerzeitung „Respekt!“ erscheinen, für die er schon seit längerer Zeit Themen recherchierte und Texte schrieb. Deshalb fasste er sich ein Herz, schaute nach der Schule am Drehort einer neuen Tatort-Folge in Nenndorf vorbei und überredete die Schauspielerin kurzerhand zu einem Interview.

„Das hat Spaß gemacht. Die Arbeit für die Zeitung war bis jetzt immer total spannend. Und ich hoffe, dass es noch lange so weitergehen wird“, sagt er. Keon ist einer von vielen, die die ausgezeichnete Schülerzeitung mit Inhalten füllen. Die Jüngsten von ihnen gehen in die dritte Klasse, der älteste ist 14 Jahre alt. Bindeglied ist der pensionierte Hamburger Lehrer Michael Striewe. Vor vier Jahren zog er mit seiner Familie nach Nenndorf, engagierte sich zunächst als pädagogischer Mitarbeiter an der Grundschule. Vor drei Jahren bot er zum 1. Februar 2011 dann an der Grundschule eine Arbeitsgemeinschaft für Schüler an, die Lust auf Schreiben und Gestalten einer Zeitung hatten.

Am 15. April lag dann bereits die gedruckte Erstausgabe mit dem Titel „Respekt!“ auf dem Tisch. „Eigentlich sollte die Zeitung ‘Keine Ahnung’ heißen. Aber wir fanden die Alternative dann doch irgendwie besser“, erzählt Jule Striewe (11). „Außerdem ist der Titel ja auch Programm. Ich habe den Schülern beigebracht, dass Kritik ein wichtiger Bestandteil einer Zeitung ist. Doch Kritik sollte konstruktiv und respektvoll geäußert werden“, fügt Michael Striewe hinzu.

Vorrangig gehe es bei der Gestaltung und der Herausgabe des Blattes aber darum, das Leben an der Schule darstellen und die Leistungen der Schüler zu würdigen. Denn die Hauptarbeit leisteten die Jungen und Mädchen nicht in den 45 Minuten AG-Zeit pro Woche, sondern in ihrer Freizeit. Vanessa Wolter aus Nenndorf traf sich beispielsweise nach der Schule zum Gespräch mit Dietmar Stadie, Bürgermeister der Gemeinde Rosengarten. „Danach hab ich ihm dann noch eine Mail mit ein paar Fragen geschickt, die er mir beantwortet hat“, erzählt die 13-Jährige.

Aber nicht nur Interviews wurden bislang in der Schülerzeitung abgedruckt. Auch Reportagen aus dem Urlaub mit Freunden und Familie, Umfragen zu Themen aus dem Schulalltag sowie Artikel über Arbeitsgemeinschaften an der Grund- und Oberschule, über das Streitschlichterprogramm und einen Vortrag am Universitätskrankenhaus in Eppendorf gab es bereits in den jeweils 24- bis 40-seitigen Ausgaben zu lesen. Fester Bestandteil sind auch die Witze-Seite, das Kreuzworträtsel und die Leserbriefe. In einer neuen Serie wollen die „Schreiberlinge“ nun Familien von Schülern vorstellen, die aus einem anderen Land kommen. Die jungen Redakteure schreiben und gestalten die Zeitung aber nicht nur, sie helfen auch bei der Akquise von Anzeigenkunden. „Das war zuerst gar nicht so einfach“, sagt Lene Striewe (12). „Aber jetzt rufen die schon bei uns an und fragen, ob sie bei uns werben dürfen.“

Dass das so ist, habe auch viel mit der positiven Wahrnehmung des Blattes innerhalb der Gemeinde zu tun, meint Grundschulleiterin Ranga Hoffmann. „Wir bekommen immer mehr positive Rückmeldungen.“ Die Zeitung sei somit auch eine „tolle Werbung für unsere Schulen“.

„Respekt!“ erscheint mittlerweile sieben Mal pro Jahr - mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren. Für Schüler ist die Zeitung kostenlos. Im freien Verkauf kostet sie 50 Cent. Wenn der Erlös nicht reicht, um die Druckkosten zu bezahlen, stocken die Schülervereine auf. Finanzielle Unterstützung gibt es außerdem vom Förderverein für Jugend- und Altenhilfe der Nenndorfer Dorfgemeinschaft.

Die Auszeichnung zur besten Schülerzeitung Deutschlands ist übrigens nicht der erste Titel, den die Schüler einheimsten: 2013 gewannen sie mit ihrem Blatt bereits den regionalen Wettbewerb auf Landesebene.