Harburg
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Stapelgärten im Harburg Center?

Innenstadtdialog will mit überraschenden Ideen endlich die Nachnutzung des leerstehenden Gebäudes herbeiführen

Harburg. Bürger und Stadtplaner schlagen neue Strategien vor, wie der von vielen Menschen als ärgerlich empfundene Leerstand des Harburg Centers beendet werden könnte. Bei der Bürgerbeteiligung „Harburg neu denken“ sind es insbesondere die jungen Stadtplaner des Hamburger Büros Urbanista, die mit überraschenden, teilweise streitlustigen Ideen Center-Gesellschafter Hans-Dieter Lindberg doch noch zu einer Nachnutzung bewegen wollen. Spektakulär ist der Vorschlag, Gärten auf den Etagen des Centers anzulegen. Vorbild ist der niederländische Pavillon bei der Weltausstellung im Jahr 2000 in Hannover, in dem Landschaften gestapelt wurden.

Wie in der Arbeitsgruppe „Wohnort Innenstadt“ bei dem Abschlusstreffen des Innenstadtdialogs „Harburg neu denken“ am Montagabend deutlich wurde, sehen Stadtplaner und Verwaltungsmitarbeiter das Center-Gebäude nicht mehr als geeignet an, darin eine zeitgemäße Nutzung für Einzelhandel und Dienstleistung zu verwirklichen. Auch ein Umnutzung zu Wohnungen gilt wegen der tiefen, dunklen Ebenen des Gebäudes mit rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche als nahezu unmöglich. Deshalb schlagen Bürger und Stadtplaner der Harburger Bezirksversammlung vor, einen Ideenwettbewerb zu initiieren. Der Wettbewerb soll dem Center-Eigentümer bisher nie angedachte Lösungen eröffnen, den Stillstand an dem Gebäude zu beenden. Die Ideen sollen ohne große Umbauten realisierbar sein. Experten beziffern die Kosten eines solchen Wettbewerbs allerdings auf 30.000 bis 40.000 Euro.

Das seit Jahren leer stehende Harburg Center mit seinen beschmierten Fenstern und Fassaden mitten in der Harburger Innenstadt ist inzwischen zu einem öffentlichen Ärgernis geworden. Viele Harburger sähen das Gebäude am liebsten abgerissen. Kreative des Büros Urbanista können sich vorstellen, das Gebäude hinter einer Kinoleinwand auf öffentlichen Grund verschwinden zu lassen.

Künstlerische Strategien seien denkbar, um auf den Eigentümer öffentlichen Druck auszuüben, den Weg für eine Nachnutzung frei zu machen. „Ich würde dem Eigentümer auf öffentlichen Grund drei Flutlichtmasten vor die Nase setzen“, sagt Urbanista-Geschäftsführer Julian Petrin. Den öffentlichen Raum um das Gebäude zu inszenieren, könnte den Eigentümer zum Handeln bewegen.

Gleichzeitig setzt Julian Petrin auf den Dialog mit dem Eigentümer und hält den Versuch für aussichtsreich, einem neutralen Vermittler einzuschalten. Die Verhandlungen zwischen Hans-Dieter Lindberg und dem Bezirksamt gelten als festgefahren. Mittlerweile haben sich drei Bezirksamtsleiter vergeblich daran abgearbeitet, eine Lösung für das Harburg-Center herbeizuführen.

Das Harburg Center ist nicht das einzige Thema in der Arbeitsgruppe „Wohnort Innenstadt“. Bürger und Stadtplaner schlagen der Bezirksversammlung vor, das Planrecht zu ändern und mehr Wohnen in der Innenstadt zu ermöglichen. Bisher sind Wohnungen nur in Ausnahmen erlaubt.

Eine Idee des Innenstadtdialogs ist, ein von Studenten selbstverwaltetes Wohnheim zu schaffen. Eine Zwischenlösung, bis es soweit ist, könnte ein temporäres Hotel sein, das Studierende nach nach dem Vorbild der „Universität der Nachbarschaften“ in Wilhelmsburg betreiben könnten.

Ein weiterer Vorschlag des Innenstadtdialogs ist, private Initiativen für altersgerechtes Wohnen in der Harburger Innenstadt zu ermöglichen. Eine Gruppe Frauen hat in der Arbeitsgruppe „Wohnort Innenstadt“ darauf hingewiesen, dass ihrer Meinung nach das Wohnungsbauprogramm der Stadt die Priorität auf Familien lege und zu wenig den Fokus auf den Bau von Altenwohnungen richte.

Eine Belebung der Harburger Innenstadt erhoffen sich Bürger und Stadtplaner von sogenannten Pop-up-Stores. Das sind provisorische Einzelhandelsgeschäfte, die vorübergehend in leerstehenden Läden betrieben werden. Junge Designer hätten so die Chance, ihre Ware zu vermarkten.

Der Bezirk Harburg könnte diese Entwicklung fördern, indem er eine Zwischenvermietungsagentur schafft. Eine andere Idee sieht künstlerisch beleuchtete Wege von der Innenstadt bis in den Binnenhafen vor.

Die Harburger sind aufgerufen, über die insgesamt 20 Vorschläge des Innenstadtdialogs abzustimmen. Die Bezirksversammlung Harburg wird sich mit jenen fünf Ideen befassen, die am meisten Bürgerstimmen auf sich vereinigen können. Jeder Harburger hat die Gelegenheit, in der Zeit vom 15. bis 25. März mitzustimmen – im Internet oder im „Wahlbüro“ im Gloria-Tunnel an der Lüneburger Straße