Harburg
Salzhausen

Heidelberger wollen Klinikum Salzhausen

Die Gesellschaft Curagita will die Stellen im Krankenhauses sichern und ausbauen

Salzhausen. Neue Wende im Kurs des insolventen Krankenhauses Salzhausen: Der Gläubigerausschuss der Klinik hat sich am späten Mittwochabend für ein Konzept der Praxis-Management Gesellschaft Curagita aus Heidelberg entschieden. Die Süddeutschen wollen das Krankenhaus übernehmen und die Arbeitsplätze vor Ort sichern. „Die Stellen der rund 100 Mitarbeiter in dem Krankenhaus sind damit voraussichtlich auf Dauer gesichert“, sagte Insolvenzverwalter Jan Ockelmann dem Abendblatt. „Das Krankenhaus wird eigenständig bleiben.“ Die Abteilungen, zu denen eine Urologie und eine Chirurgie gehören, sollen zudem noch ausgebaut werden.

Der Hintergrund für die Bewerbung geht dabei auf eine Übernahme der Curagita aus dem vergangenen Jahr zurück. Die Management-Gesellschaft, die die Geschäfte für bundesweit 360 radiologische Praxen führt, wurde mit dem Kauf der insolventen Praxen-Gruppe Hanserad auch zu einem Betreiber von medizinischen Versorgungszentren. Dadurch braucht Curagita nun für die acht Standorte in Hamburg und München sowie eine geplante Expansion eine Trägergesellschaft, die mit dem Krankenhaus Salzhausen etabliert werden soll. Das bestätigte Curagita-Vorstand Rolf Lucas. „Das Vorgehen sichert den Standort“, ist Insolvenzverwalter Ockelmann überzeugt. Allerdings gab es am Donnerstag bereits Kritik an der Konstruktion. Offensichtlich bezweifeln derzeit Experten, dass die Trägerkonstruktion juristisch haltbar sein wird.

Klar ist hingegen: Nachdem am Mittwoch vier Interessenten ihre Konzept für das Krankenhaus in Salzhausen für jeweils eine halbe Stunde vorgestellt hatten, fiel die Entscheidung zugunsten der Süddeutschen. Mit dem Erhalt der Klinik in ihrer jetzigen Form wäre zudem ein Problem vom Tisch, das durch die Förderung der Klinik durch das Land hätte entstehen können. So ist bisher nicht sicher, ob Niedersachsen bei einer neuen Ausrichtung des Hauses drei Millionen Euro für zwei Operationssäle zurückgefordert hätte. „Das kann bei dieser Lösung nicht geschehen“, so Ockelmann.

Zu den Bewerbern um das Haus zählte am Mittwoch auch der Kreis Harburg, der sich über seine Krankenhausgesellschaft mit den Häusern in Buchholz und Winsen engagieren wollte. „Wir sind nicht zufrieden, dass wir den Zuschlag nicht bekommen haben“, sagte Norbert Böhlke, der Sprecher der Gesellschaft der Krankenhäuser, die allein dem Kreis gehört. Böhlke ist sicher: „Die letzte Messe zu diesem Thema ist noch nicht gesungen.“ Am Donnerstagnachmittag wurde nun zunächst die Belegschaft des Krankenhauses bei einer Mitarbeiterversammlung über die neueste Entwicklung informiert.

Der Kreis wird sein Angebot auch nach der Entscheidung der Gläubiger weiter aufrecht erhalten, wie Böhlke und Kreis-Krankenhaus-Chef Norbert Böttcher unabhängig voneinander betonten. „Auch als Kreistagsfraktion stehen wir im Interesse der Bevölkerung im Kreis und in der Samtgemeinde hinter der Bewerbung“, sagte der CDU-Politiker Böhlke, der auch Landtagsabgeordneter und Erster Stellvertretender Landrat ist.

Wirtschafts-Ingenieur Böttcher, der seit 23 Jahren an der Spitze der Krankenhausgesellschaft steht, verwies am Donnerstag darauf, dass der Kreis sich auch auf Initiative des Niedersächsischen Sozialministeriums beworben habe. Das Land habe zudem Kontakt zu den Krankenkassen aufgenommen. „Gut möglich, dass nach unserem Konzept Stellen von Salzhausen nach Buchholz oder Winsen verlagert worden wären. Wir hätten aber für alle Beschäftigten eine Arbeitsplatzgarantie abgegeben und auch Leistungen nach Salzhausen gegeben“, so Böttcher. Das Angebot sei nachhaltig und zukunftsweisend. „Wir hätten viel Geld und viel Arbeit in das Projekt gesteckt.“

Zunächst jedoch wollte der Kreis die Lage des Krankenhauses aber über drei Monate prüfen und dazu die Geschäftsbesorgung übernehmen. Dagegen geht Ockelmann nun davon aus, dass die Übernahme durch Curagita so gut wie sicher ist. „Das ist unser Ziel“, sagte auch Lucas.

Am Rande der Versammlung wurde am Mittwoch die bisher zum Krankenhaus gehörende Altenpflege an die Hamburger Stiftung Benno und Inge Behrens verkauft. Das sichert 80 Jobs.