Harburg
Corinna Panek

Mehr Platz für die Lebensretter

Kreisfeuerwehr feiert Grundsteinlegung für die Erweiterung der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Hittfeld

Hittfeld. Den markanten roten Turm, scheinbar ohne Zugang im Niemandsland gelegen, kennt jeder, der auf dem Weg nach Hamburg das Horster Dreieck und das Maschener Kreuz passiert. Was hier passiert, ist längst nicht jedem bekannt, doch es ist für die Sicherheit der Bürger im Landkreis Harburg immens wichtig: Genau hier, im Hittfelder Gewerbegebiet, schlägt das Herz der Feuerwehren im Landkreis Harburg: In der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) werden zum einen die Gerätschaften der Feuerwehren instandgehalten, zum anderen Lehrgänge für die Feuerwehrleute angeboten.

Doch das Gebäudeensemble, 1982 erbaut und zuletzt 1997 erweitert, erfüllt nicht mehr die gestiegenen Ansprüche an die Feuerwehrausbildung und -ausstattung. Gestern wurde daher der Grundstein für eine umfassende Erweiterung der FTZ gelegt. Der Kreistag hatte dafür knapp 4,5 Millionen Euro bewilligt. In Hittfeld entstehen nun drei neue Lehrsäle, zwei Büros, ein Funkraum, ein Besprechungsraum, eine Werkstatt sowie zwei Räume für die Jugendfeuerwehren, außerdem weitere Abstell- und Technikräume. Die Gesamtnutzfläche beträgt knapp 1300 Quadratmeter. Vor allem die Unterrichtsräume werden dringend benötigt, da zurzeit gar nicht alle Wünsche nach Aus- und Fortbildungslehrgängen berücksichtigt werden können. Auch bei der Wartung von Gerät und Fahrzeugen sei die Kapazitätsgrenze erreicht.

„Tatsächlich müssen wir jeden zweiten Lehrgangsantrag zurückweisen“, bestätigte Kreisbrandmeister Dieter Reymers. Das soll mit Fertigstellung des neuen Gebäudetraktes Vergangenheit sein. Auch die Jugendfeuerwehren profitieren von dem Anbau: „Sie erhalten ein Büro und einen Lagerraum für die gesamte Ausrüstung, die für das alle zwei Jahre stattfindende Kreisjugendzeltlager benötigt wird – von Zelten, Tischen und Bänken bis zur Kücheneinrichtung.“

Mit dem Bau des Lehrgangs- und Stabsgebäudes war bereits Ende Oktober begonnen worden. Es soll im Juni fertiggestellt sein. In einem zweiten Bauabschnitt werden außerdem die vorhandenen Prüf- und Fahrzeughallen erweitert, eine neue Remise sowie eine sogenannte Brandgewöhnungsanlage gebaut. „Jedes Jahr werden hier Tausende Geräte vom Atemschutz bis zum Feuerwehrschlauch geprüft“, sagte Reymers. Auch die Brandgewöhnungsanlage ist wichtig für die Feuerwehrausbildung. Hier trainieren dann die Feuerwehrleute den Einsatz am Brandherd unter realen Bedingungen. Bei Feuertemperaturen bis zu 1000 Grad werden in der Regel Zimmerbrände simuliert. „Wir haben kreisweit 1600 Atemschutzgeräteträger, die einmal jährlich zur Leistungsprüfung müssen. Die können wir dann hier abnehmen“, so Reymers. Bisher mussten dazu Anlagen gemietet werden. Die Feuerwehrleute, die unter Atemschutz Einsätze absolvieren, werden von speziell geschulten Ausbildern angeleitet. Vervollständigt wird die FTZ-Erweiterung durch einen Übungsplatz.

Mehr als 3000 Einsätze pro Jahr, vom Verkehrsunfall über Hochwasser bis zum Wohnungsbrand, müssen die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Harburg ableisten. Somit steigen die Anforderungen an die Feuerwehrleute stetig – nicht zuletzt, weil sich auch die Technik immer weiter entwickelt. „Unsere Feuerwehrleute, die neben Beruf und Familie ihren Dienst tun, erhalten in der FTZ eine optimale Infrastruktur, mit der sie sich vor so mancher Berufsfeuerwehr nicht zu verstecken brauchen“, sagte Landrat Joachim Bordt bei der Grundsteinlegung, an der die Bürgermeister, Orts- und Gemeindebrandmeister und weitere Aufgabenträger der Kreisfeuerwehr teilnahmen. Er lobte auch die Weitsicht der Kreistagsmitglieder, die trotz angespannter Haushaltslage 4,5 Millionen Euro für die Baumaßnahme bewilligten. Ab Mitte 2015 wird die erweiterte FTZ den 4700 aktiven Feuerwehrleuten in den 107 Ortsfeuerwehren vollumfänglich zur Verfügung stehen. Der Landrat dankte insbesondere Kreisbrandmeister Dieter Reymers, der sich beharrlich für die Bewilligung der Erweiterung eingesetzt hatte, dem Architektenbüro Juraschek für die Planung und den Baufirmen sowie nicht zuletzt den Kreismitarbeitern für ihr Engagement.