Harburg
Serie

Training für die Rückkehr in den Alltag

Abendblatt Klinik-Serie „Operation Zukunft": Das Buchholzer Krankenhaus setzt auf Rehabilitation. Zum Wohle der Patienten.

Buchholz. Irma Zapf tritt in die Pedale. Sie sitzt auf einem speziellen Crosstrainer und trainiert gleichzeitig ihre Arm- und Beinmuskulatur. Dabei hat sie ein Lächeln im Gesicht. Die alte Dame ist eine Frohnatur, obwohl sie zurzeit nicht gerade viel zu Lachen hat. Denn vor zehn Tagen ist die 85-Jährige zu Hause über ein Kabel gefallen. Ein Sturz mit bösen Folgen: Die Seniorin hat sich den Oberschenkel gebrochen. Zum Glück trug sie einen Notfallsender um den Hals. Innerhalb von Minuten kam Hilfe, mit dem Notarztwagen ging es ins Buchholzer Krankenhaus.

Schon am Tag der Operation begann für Irma Zapf der Weg zurück ein eigenständiges Leben. „Auch wenn es nur so ist, dass sich die Patienten schon mal aufsetzen, Bewegung ist bei der Rehabilitation der wichtigste Faktor, dies gilt ganz besonders für alte Menschen“, erläutert Sonja Berndt, Leiterin der Therapieabteilung die Maßnahme.

Im Therapiezentrum im Untergeschoss des Krankenhauses ist dafür alles vorhanden. Im gut geheizten Schwimmbad stehen Schwimmnudeln und Wasserbälle bereit, um Muskulatur und die Spannkraft unter Wasser schonend zu stärken, zur Motivation und für den richtigen Rhythmus erklingt aus Lautsprechern Musik „Vor allem Schlager stehen bei uns hoch im Kurs“, lacht Sonja Berndt.

Im Gymnastikraum stehen Fitnessgeräte, die Gleichgewicht und Balance anregen und Arme, Schultern, Rücken und Beine fordern. Hier trainieren nicht nur die Knie- und Hüftoperierten der orthopädischen Abteilung des Krankenhauses, sondern auch die Patienten der geriatrischen Frührehabilitation. Es sind Senioren, teilweise hochbetagt, die in Buchholz operiert wurden, an Herz oder Nieren, die Lungenentzündungen auskurieren oder, wie auch Irma Zapf, gestürzt sind und sich die Knochen gebrochen haben. „Besonders für die alten Menschen kann so eine OP hinterher das Pflegeheim bedeuten. In der geriatrischen Frühreha wollen wir besonders den Bewegungsapparat stabilisieren, der zur Bewältigung des Alltags zu Hause wichtig ist“, erläutert die Leiterin der Neurogeriatrie Dr. Gabriele Probandt.

Das Konzept der Frühgeriatrie besteht seit drei Jahren im Krankenhaus und bezieht sich auf chirurgische und internistische Fälle. Weiterhin arbeitet das Krankenhaus eng mit der gerontopsychatrischen Abteilung der psychatrischen Klinik in Lüneburg zusammen und betreut ambulant ältere Menschen mit Demenz oder Depressionen. Darüber hinaus bietet das Haus ein spezielles Programm, das sich an Patienten richtet, die an Parkinson leiden.

Insgesamt 683 Mitarbeiter sind im Buchholzer Krankenhaus tätig, davon sind 115 Ärzte, 241 Pfleger und 136 medizinisches Personal. Zusammen mit der Klinik in Winsen ist Bucholz Schwerpunktkrankenhaus für die Region. Gynäkologie und Geburtshilfe, Neurologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilhunde, Kopf und Halschirurgie und eine Abteilung für innere Medizin mit Kardiologie, Herzkathederlabor und Chest Pain Unit für Patienten mit unklaren Brustbeschwerden sind nur ein paar Beispiele für die medizinische Versorgung. Knapp 15.000 Patienten wurden im vergangenen Jahr stationär behandelt, rund 43.000 kamen zu ambulanten Maßnahmen ins Haus.

Jeden Tag geht eine Ernährungsberaterin durch die Zimmer und nimmt die Essenswünsche der Patienten entgegen. Flexibel versucht die hauseigene Küche, alles was geht, möglich zu machen. 48 Mitarbeiter bereiten mittags vier verschiedene Menüs von Vollkost, über mediterran bis zu vegetarisch zu. Was aus den Töpfen kommt, schmeckt, das bestätigen nicht nur Patienten und Personal, sondern auch die vielen aushäusigen Gäste, die hier gern zum Mittagessen vorbeikommen.

Das Buchholzer Krankenhaus führt ambulante Operationen durch, hat eine Stoma-Beratung und bietet außerdem Audiometrie und Neugeborenen-Hörscreening an. Weiterhin besteht ein onkologisches Zentrum mit zertifiziertem Darm- und Brustzentrum, ein zertifiziertes Gelenkzentrum und ein regionales Traumazentrum. Und das Haus wächst. Zurzeit entsteht ein sieben Millionen Euro teurer Anbau, in dem die neurologisch-internistischen Bereiche untergebracht werden.

Im sechsten Stock des Krankenhauses sitzen vier alte Damen in einem hellen, freundlichen Raum und spielen. Es sind Steck- und Greifspiele, mit denen die Seniorinnen Feinmotorik und Fingerfertigkeit üben, „damit man ohne Hilfe wieder ein Glas halten, sich anziehen oder auch auch die Toilette gehen kann“, sagt Gabriele Probandt.

Nicht ins Zimmer, sondern in die Therapie – dieses Behandlungskonzept ist im Krankenhaus Buchholz Programm: „Wenn wir später einsetzen, hat der Patient schon zu viel Kräfte eingebüßt und die Gefahr von Folgeerkrankungen steigt“, erläutert die Neurogeriatrikerin. Deshalb ist von der ersten Minute, der Sozialdienst eingebunden. Ergibt sich im Laufe der Therapie, dass der Kranke nach seiner Rückkehr in die eigenen vier Wände Hilfe braucht, tritt der Dienst in Aktion und organisiert entweder eine Behandlungspflege, eine Kurzpflege und eventuell auch einen Platz in einem Pflegeheim.

So fleißig, wie Irma Zapf an ihrer Heilung mitarbietet, wird sie diese Dienste nicht in Anspruch nehmen müssen. Sie steigt vom Crosstrainer und setzt sich an einen Armtrainer: „Es wird jeden Tag besser, bald habe ich es geschafft, und dann kann ich wieder einkaufen gehen und mit dem Bus fahren“.