Nenndorf

Sie predigt, wenn andere frei haben

Pastorin Katharina Behnke steht Silvester wieder auf ihrer Kanzel, wie selbstverständlich auch an den Weihnachtstagen

Nenndorf. Während auf die meisten Menschen an den Tagen von Heiligabend bis Silvester eher besinnliche Stunden im Kreise der Familie warten, gibt es solche, die an diesen Tagen arbeiten müssen oder Dienst haben. Feuerwehrleute, Krankenhauspersonal, Verkäufer oder auch Köche und Servicekräfte in der Gastronomie kümmern sich darum, dass Hilfe in Notfällen zur Stelle ist, geschenke umgetauscht werden können oder auch ein gutes Essen auf den Tisch kommt.

Auch für Katharina Behnke und ihre Familie begann der Heilige Abend erst spät. Die Pastorin an der Kreuzkirche in Nenndorf hatte davor noch drei Gottesdienste zu absolvieren, bis sie sich mit ihrem Mann Carsten Dreier und den beiden Töchtern Mathilda und Alma auf ihr eigenes Weihnachten konzentrieren konnte. Seit 17 Jahren, seitdem sie Pastorin ist, hält sie an der Weihnachtstagen und am Silvstertag Gottesdienste ab. „Nur einmal war ich im Mutterschutz, da habe ich mal ausgesetzt“, erinnert sich die 44-Jährige.

Insgesamt sechsmal bittet sie in den Tagen zwischen Heiligabend und Silvester ihre Schäfchen zu Gebet, Gesang und innerer Einkehr. Allein Heiligabend stieg sie dreimal auf die Kanzel und berichtete über die Weihnachtsgeschichte. Ihre Zuhörer sind sehr unterschiedlich. Tagsüber kommen vor allem Familien mit Kindern, erst am Abend, wenn der Weihnachtsmann an die Tür klopft und den Kindern Geschenke bringt, sitzen eher die Älteren in den Kirchenbänken und lassen sich von Katharina Behnke in eine festliche Stimmung versetzen.

Damit sie nicht durcheinander kommt, stehen bereits kurz vor Weihnachten in ihrem Büro im Pastorat in Nenndorf sechs Pappkartons: „Da kommt alles rein, was ich für die einzelnen Gottesdienste vorbereitet habe, von meinem Manuskript über Klingelbeutel bis zu Noten“. Natürlich kann sie nicht jedes Mal das Gleiche in ihrer Predigt erzählen. Jede ist anders, denn während sie es am Heiligabend zu Anfang mit ganz kleinen Zuhörern zu tun hat, kommen am später Menschen zu ihr, die Zeit haben und sich inspirieren lassen wollen. Und beim Jahresabschlussgottesdienst zu Silvester sind es wieder andere Zuhörer.

Die Themen für ihre Reden findet sie überall, in Büchern, in virtuellen Adventkalendern im Internet. Und manchmal fliegt ihr ein Thema einfach nur zu, „das ist wirklich ganz geheimnisvoll“. In diesem Jahr ist ihr Thema Flucht und Leben in einer fremden Welt. Aus ganz aktuellem Anlass, denn in vielen Dörfern im Landkreis Harburg leben inzwischen Flüchtlinge, so auch direkt neben der Nenndorfer Kreuzkirche.

Den Anfang machte am 24. Dezember ein Kindergottesdienst in der Grundschule in Westerhof. Um kurz vor 15 Uhr stand Katharina Behnke in ihrem Talar bereit. Dann begann die Feierstunde für die Kleinsten mit Krippenspiel und viel Musik. Es wurde gesungen und Katharina Behnke erzählte den Kindern von den Heiligen Drei Königen, die sich auf die Suche nach dem Christuskind machten und sich von dem leuchtenden Stern von Bethlehem führen ließen.

Als der Gottesdienst zuende war, ging es für Eltern und Kinder nach Hause zu Bescherung und Weihnachtsessen, für die Pastorin ging es zurück nach Nenndorf in die Kreuzkirche. Um 16.30 Uhr fand dort eine Christvesper mit dem Titel „Es begab sich aber zu der Zeit“ statt. Wie jedes Jahr platzte das Gotteshaus aus allen Nähten , teilweise konnten die Zuhörer den Gottesdienst nur aus dem Vorraum der Kirche mitverfolgen.

Als sie um 18 Uhr zum dritten Mal vor ihre Zuhörer trat, begann auch für Katharina Behnke so langsam das Weihnachtsfest. „Dann kommen Menschen zu mir, die Zeit haben und die zuhören können. Ich kann mich in aller Tiefe über ein Thema auslassen, für mich ist das der friedlichste Gottedienst“. In diesem Jahr hatte sie die Christvesper mit dem Titel „Und das Licht strahlt in die Finsternis“ überschrieben.

Nur am ersten Weihnachtstag hat die Pastorin Zeit für die Familie, schon am 26. Dezember ging es für sie wieder in die Kirche. Auch zu Silvester steht sie vor ihren Zuhörern, um 17 Uhr begleitet sie die Gläubigen durch den letzten Gottesdienst des Jahres und verteilt noch einmal das Abendmahl.

Dass sie an den Tagen arbeiten muss, wenn andere feiern, stört die 44-Jährige nicht. „ich habe schon als Kind bei den Weihnachtsgottesdiensten im Posaunenchor gespielt, ich kenn das gar nicht anders“, sagt sie entspannt. Ihr Mann und ihre Töchter sind daran gewöhnt, dass die Mama erst noch arbeiten muss, bevor ihr ganz privates Familienfest beginnen kann.

Die vergangenen Tage zwischen den Jahren sind auch für die Pastorin eine Zeit der Ruhe und Entspannung. Und die Silvestermesse genießt sie als einen stimmigen Abschluss des Jahres, bei dem sie noch einmal zurückblickt auf das, was gut war und das was nicht gelungen ist.