Harburg

Neues Leben im „toten Bau“

Altes Gesundheitsamt: TUHH und Sprinkenhof AG haben sich geeinigt, jetzt entsteht ein Nutzungskonzept

Harburg. Die Pforte mit großen Holzplatten verbarrikadiert, einige Fenster im Erdgeschoss mit Graffitis beschmiert, der Mülleimer am Eingang randvoll und das Schild über dem Portal kaum mehr zu entziffern – das Gebäude Am Irrgarten, in dem bis Anfang dieses Jahres das Harburger Gesundheitsamt residierte, hat schon bessere Tage gesehen. Mehr Tristesse geht kaum. Das soll sich jedoch bald ändern: Die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) will den „toten Bau“ schnellstmöglich wiederbeleben.

Einen erster Versuch hatte es bereits Mitte dieses Jahres gegeben. Im Sommer wurde das lange leer stehende Gebäude von Studenten kurzerhand besetzt. Weil es zu dieser Zeit akut an Studienflächen mangelte, wurden selbst verwaltete Lernräume geschaffen, der vorhandene Platz aber auch von Neigungskursen und universitären Arbeitsgemeinschaften genutzt.

Die Situation spitzte sich zu, als die Sprinkenhof AG, die alle städtischen Gewerbe-Immobilien verwaltet, auf einer umgehenden Räumung des Gebäudes bestand. Ende Oktober warteten auf einmal Polizisten vor der Tür. Aber auch Sprinkenhof-Vorstand Henning Tants und TUHH-Kanzler Klaus Joachim Scheunert. „Wir haben noch auf der Straße angefangen zu verhandeln. Am Ende stand eine deeskalierende Vereinbarung, von der beide Seiten profitieren werden“, so Scheunert.

Die Sprinkenhof AG verpflichtete sich zu einer zeitnahen, umfassenden Renovierung des ehemaligen Gesundheitsamtes. „Dabei wird es in enger Abstimmung mit der Uni auch zu Umbauten kommen, damit die TU die neuen Räumlichkeiten optimal nutzen kann“, so Henning Tants. Der großen Wert auf die Feststellung legte, dass die Sprinkenhof bewusst auf eine Räumung durch die Polizei verzichtet habe, um den Konflikt möglichst schnell zu entschärfen. Im Gegenzug sollten die Studenten das Gebäude bis zum 31. Oktober verlassen, um mit den Baumaßnahmen beginnen zu können.

Am Ende stand ein langfristiger Mietvertrag zwischen der Sprinkenhof AG und der Technischen Universität. Die verfügt nun über ein verbindliches Nutzungsrecht über zwölf Jahre. „Eine offizielle Option über eine Verlängerung gibt es zwar nicht. Ich gehe aber davon aus, dass die Uni den Trakt auch nach 2025 nutzen kann“, sagt Klaus Joachim Scheunert. Das mochte Tants nicht dementieren: „Ich sehe im Moment keine Veranlassung, über eine anderweitige Nutzung nachzudenken. Die Sprinkenhof AG ist da prinzipiell offen für Gespräche.“

Bereis seit 2005 hatte sich die TUHH um den Ende der 50er-Jahre entstandenen Backsteinbau bemüht, der unmittelbar an den Uni-Campus am Schwarzenberg grenzt. Deshalb ist er von der TU-Verwaltung intern auch schon als „Gebäude Q“ benannt worden. „Weil der Buchstabe im Zuge der alphabetischen Benennung aller Universitätsgebäude dran war“, erklärt Scheunert.

Wann die TUHH das ehemalige Gesundheitsamt tatsächlich beziehen kann, ist noch nicht ganz klar. „Seit Ende November läuft eine Schadstoffuntersuchung“, sagte Henning Tants dem Abendblatt. Anschließend werde mit der Renovierung und dem Umbau begonnen. Dabei stehen vor allem die Verlegung eines neuen Fußbodens, eine Erneuerung der gesamten Elektroinstallation sowie eine Modernisierung der Sanitäranlagen auf dem Programm. Der TUHH soll im Mietvertrag zugesichert worden sein, dass alle Baumaßnahmen bis zum 1. Juli 2014 abgeschlossen sind.

Davon geht auch die Studierenden-Vertretung AStA aus. Die überdies hofft, dass sie auch in das Nutzungskonzept des Gebäudes Q intensiv eingebunden wird. „Ich denke, dass wir mit unserer Besetzung des ehemaligen Gesundheitsamtes Bewegung in die ganze Angelegenheit gebracht haben“, so der AStA-Vorsitzende Sönke Bünting.

Just am heutigen Dienstag soll es zu einem Treffen zwischen Studentenvertretern und dem zuständigen Vizepräsidenten Strukturentwicklung, Prof. Dr. Viktor Sigrist, kommen, bei dem beide Seiten ihre Nutzungsvorschläge diskutieren wollen. Nach aktuellen Abendblatt-Informationen sollen die Positionen bislang noch deutlich voneinander entfernt liegen.

„Für die Uni-Leitung steht fest, dass die TUHH Räume für Lehre, Lernen, Forschung und Verwaltung fehlen. Deshalb sehen unsere Planungen auch alle genannten Nutzungsarten vor“, sagt Uni-Kanzler Klaus Joachim Scheunert. Von Seiten der Studierenden waren unterdessen Forderungen laut geworden, vor allem Lernräume zu schaffen. „Ich will das vor dem Treffen nicht kommentieren“, so Sönke Bünting. Er gehe aber davon aus, dass ein tragfähiger Kompromiss erzielt werde.