Salzhausen

Rentner-Team organisiert Weihnachtsmarkt von Salzhausen

Die 30 Männer und eine Frau vom Rentner-Team organisieren den Weihnachtsmarkt am Wochenende mit Hingabe: Vom Bau der Hütten bis zur Elektrik

Salzhausen . Rau ist der Ton auf der Baustelle – und herzlich. „Dat is der Chef – der redet viel, und wir hören nicht zu“, sagt ein fröhlicher Mann mit weißen Haaren unter dem schwarzen Cappy und lacht die Besucherin herzhaft an. Die Truppe versteht sich, mag sich und schätzt sich. Und das seit 30 Jahren: So lange sind die Männer des Salzhäuser Rentner-Teams schon befreundet – und auf Baustellen im Einsatz.

Derzeit ist es der 36. Salzhäuser Weihnachtsmarkt, um den sich die Herrschaften kümmern. „R-Team“ steht in Rot auf ihren Mützen und Jacken, ein bisschen sieht das aus wie beim „A-Team“ aus dem Fernsehen. Rentner sind sie zwar nicht alle, aber doch die meisten.

Zusammengetrommelt hat die Truppe Hartmut Johannson vor 30 Jahren, als er Helfer für die Organisation des Weihnachtsmarkts suchte. Der damalige Kesselwart einer Ölraffinerie hat damals die Logistik in die Hand genommen und Männer gesucht, die mit anpacken. „Dann hat sich das herumgesprochen“, erzählt der Rentner, 67, „nach und nach kamen dann auch Leute auf mich zu und fragten, ob sie mitmachen könnten.“

Geboren war das Arbeitsteam, und irgendwann bürgerte sich dann der Name Rentner-Team ein: R-Team – allround einsatzbereit für den Verkehrsund Kulturverein Salzhausen. Erst halfen die Männer nur beim Weihnachtsmarkt, später auch beim Kirch- und Markttag.

Doch eins muss immer klar bleiben: Die Männer haben ihren eigenen Kopf. Und helfen nur dort, wo sie es selbst wollen. „Das ist alles freiwillig“, sagt der 78-jährige Wilhelm Meinberg. „Wir machen nur, was wir uns selbst ausdenken.“ Auftragerfüller ist das R-Team nicht.

Geld bekommen sie für ihren Einsatz nicht – wohl aber Verpflegung von den örtlichen Gastwirten und Schlachtern. Eine ganze Woche müssen die Helfer für den Weihnachtsmarkt einplanen: vom Aufbau der ersten Bude bis zum Abbau der letzten. Die sind übrigens auch selbst gebaut. Hat der Verein zunächst Buden für den Salzhäuser Weihnachtsmarkt geliehen, vermietet er die eigenen mittlerweile selbst. „Das ist eine Serienanfertigung“, erklärt Heinz Lembcke, 81. „Die Buden sind so gebaut, dass alle Teile austauschbar sind.“

Auch für die Elektrik sorgt das R-Team, und selbst die Tannenzweige tackern die Herren an die Buden.

Angefangen mit sechs bis acht Leuten, zählt die Mannschaft heute 30 Männer, wenn alle beisammen sind – und eine Frau: „Lischen“, wie die Herren ihre Dame liebevoll rufen, im Personalausweis heißt sie Elisabeth Mestmacher. Gemeinsam arbeitet die Gruppe nicht nur, sondern grillt, macht Ausflüge und fährt einmal im Jahr zur Klausurtagung.

„Die Geselligkeit ist ganz wichtig“, sagt Otto Bergmann, 77. So essen die Helfer auch mehrmals am Tag zusammen: Zum zweiten Frühstück und zum Mittag kommen alle zusammen. Damit nicht alle bloß arbeiten, sondern auch schnacken. Am liebsten auch mal „dumm Tüch“, sagt Heinz Lembcke, 81, und lacht.

Nachahmer hat das tatkräftige Team auch schon gefunden, erzählen die hilfsbereiten Männer: In Egestorf und Hanstedt, haben sie gehört, haben andere etwas Ähnliches auf die Beine stellen wollen. So lange wie in Salzhausen aber gibt es wohl norgendwo sonst Gruppe wie sie, da sind sich die Rentner sicher.

Und wissen: Würden nicht jeder Einzelne von ihnen etliche Stunden ehrenamtlich für den Weihnachtsmarkt arbeiten – es würde ihn kaum geben. „Ich arbeite gerne in Gemeinschaft“, sagt der Älteste von ihnen, Ernst-August Lührs, 83. 50 Jahre lang war er für den Turnierplatz zuständig – mit 80 Jahren wurde er abgelöst. „Da bin ich zum Rentner-Team gegangen. Sonst hätte ich Langeweile bekommen.“

Ursprünglich ins Leben gerufen für die Salzhäuser Geschäftsleute als Plattform für die Eigendarstellung, sind mittlerweile mehr Händler von außerhalb als aus dem Ort beim Markt: Mehr als 50 Beschicker verteilen sich auf 25 Buden zwischen der Winsener Straße – der Kunsthandwerkermeile – und der Schmiedestraße, dem alten Dorfkern des Orts.

„Wir legen Wert auf Qualität anstelle von Quantität“, sagt Stephan Kabbe, Marktleiter und mit 47 Jahren mit Abstand der Jüngste im Team – der Chef, dem die Rentner angeblich nicht zuhören. „Deshalb ist die Anzahl der Buden in jedem Jahr etwa dieselbe.“

In der Musikbude gibt es Livemusik, in der Dörpschün zeigen weitere 15 Aussteller ihre Arbeiten – und geöffnet ist der Weihnachtsmarkt am Sonnabend und Sonntag von 11 bis 19 Uhr.