Buchholz

Niemand muss einsam sterben

Bürgerstiftung Hospiz Nordheide besteht seit zehn Jahren. Finanziell ist die Stiftung gut aufgestellt

Buchholz. Das Sterben ist in unserer Gesellschaft, in der die Menschen immer länger jugendlich zu bleiben scheinen, ein gern verdrängtes Thema. Die moderne Medizin hat einerseits dafür gesorgt, dass wir nicht mehr an banalen Krankheiten sterben, andererseits dafür, dass das Sterben in Krankenhäuser oder Heime verlagert wird. Die Großfamilie, in der die Jungen miterleben, wie die Alten auf ihre letzte Reise gehen, ist selten geworden. Einsam zu sterben ist aber etwas, was viele Menschen mehr fürchten als den Tod selbst. Das alles mögen Erklärungen dafür sein, dass die Bürgerstiftung Hospiz Nordheide von Anfang an ein großer Erfolg wurde. Nun feierte sie zehnjähriges Bestehen. Gegründet wurde sie, um die bereits im Landkreis Harburg vorhandenen ambulanten Hospizdienste und die Palliativstation im Krankenhaus Winsen zu unterstützen, vor allem aber, um ein stationäres Hospiz für Bürger aus dem Landkreis zu betreiben.

Die Idee kam bei den Menschen so gut an, dass die Unterstützung des künftigen Hospizes eine regelrechte Bürgerbewegung wurde. Vereine richteten Wohltätigkeitsveranstaltungen aus, Musiker gaben Benefizkonzerte, Firmen spendeten stattliche Summen. So konnte schon ein Jahr nach Gründung der Stiftung mit der konkreten Planung für ein Hospiz begonnen werden. Als Standort wurde ein leer stehender Trakt des Buchholzer Krankenhauses gewählt. Im November 2005 – zwei Jahre nach Stiftungsgründung – wurde die Einrichtung mit zwölf Zimmern eröffnet. Seither hat das Hospiz Nordheide 1000 Gäste – das Wort Patient wird ausdrücklich vermieden – in ihren letzten Tagen und Stunden begleitet. Um die drei Wochen dauere ihr Aufenthalt, sagt Hospiz-Geschäftsführer Peter Johannsen. „Sie werden von 25 hauptamtlichen Mitarbeitern – Vollzeit und Teilzeit – und etwa ebenso vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut.“

Finanziell ist die Stiftung gut aufgestellt, bis heute hat sie 3,4 Millionen Euro eingenommen. Dahinter stecken rund 14.000 Einzahlungsvorgänge. Knapp 800.000 Euro hat die Stiftung bestimmungsgemäß für den Betrieb des Hospizes und die Unterstützung der ambulanten Dienste ausgegeben. Um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, braucht das Hospiz Zuschüsse, denn die Kranken- und Pflegekassen erstatten die Kosten nur zu 90 Prozent. Im Schnitt sind es 120.000 bis 140.000 Euro, die das Hospiz pro Jahr benötigt. Das Stiftungsvermögen liegt derzeit bei gut drei Millionen Euro. Wer das Hospiz unterstützen möchte, kann dies entweder durch eine einmalige oder auch regelmäßige Spende tun oder durch eine Zustiftung, die das Stiftungskapital erhöht. Der Unterschied: Während die Zustiftung den Kapitalgrundstock erhöht und damit mehr Zinsen erwirtschaftet werden können, müssen Spenden aus steuerrechtlichen Grünen im Jahr ihres Eingangs oder spätestens im Folgejahr ausgegeben werden. „Bei der augenblicklichen Lage mit niedrigen Zinsen wären Zustiftungen derzeit wichtiger für uns“, sagt Hans Dittmer vom Stiftungsvorstand. Auch vor dem Hintergrund, dass einige Anlageverträge demnächst auslaufen und das Geld dann zu niedrigeren Zinsen als bisher neu angelegt werden müsste. Ein Glücksfall sei da eine hohe Erbschaft im Jahr 2012 gewesen. „Die Spenden sind schwer kalkulierbar. Man kann aber sagen, dass sie seit Gründung der Stiftung kontinuierlich gesunken sind“, so Dittmer. Katastrophen wie derzeit der Wirbelsturm auf den Philippinen machten sich bemerkbar: Die Menschen entscheiden sich dann dafür, die Opfer solcher Katastrophen zu unterstützen und nicht das Hospiz vor Ort. Andererseits weiß die Stiftung ihre Spender auch an sich zu binden. „Sie erhalten von uns ein Dankschreiben und eine Spendenquittung, auch bei geringen Beträgen. Viele sind so zu Wiederholungstätern geworden.“ Hans Dittmer ist überzeugt, dass der Bedarf an Hospizbetreuung steigt. „Als wir 2002 mit der Planung für die Stiftung anfingen, gab es Hospize in Hamburg, Bremen und Bardowick.

Der Hamburger Süden war ein weißer Fleck auf der Landkarte. Jetzt eröffnet in Kürze in Harburg ein Hospiz und in Bardowick ein zweites, Einrichtungen gibt es auch in Stade und Bremervörde.“ Auch die Angehörigen erleben die Fürsorge des Hospizes als Bereicherung. Davon zeugen die vielen Briefe, die das Hospiz erhält. „Mit Angst und Skepsis betraten mein Mann und ich die Räume. Doch in den sechs Wochen gemeinsamer Zeit hier fanden wir eine „Schutzburg“ für unsere eigene Zeit mit unseren Töchtern und Angehörigen. Diese Zeit hier war die intensivste Zeit in unseren 35 Jahren Gemeinsamkeit. Hier konnten wir lachen, weinen, träumen, singen, beten und schweigen. Durch die einfühlsame Unterstützung des Teams fanden wir einen sehr friedvollen Abschied“, schreibt eine Familie. „Die Leute werden hier betüdelt“, bestätigt Dittmer. So gut es geht, sollen den Gästen Wünsche erfüllt werden: „Mal wollte jemand ein festliches Essen mit Freunden, ein anderer wollte noch einmal seine Motorradjungs treffen.“ Hier schließt sich der Kreis: Auch wenn das Hospiz ein Haus ist, in dem der Tod Alltag ist, so ist es doch ein lebendiger Ort. Bis zum Schluss.