Neu Wulmstorf

Gewerbeverein sagt Ja zu Famila

Einige Neu Wulmstorfer Einzelhändler befürworten Ansiedlung. Politik sieht Chance für den Handel. Gegner befürchten das Aus der Bahnhofstraße

Neu Wulmstorf . Es hat schon etwas Ironisches, dass der Anhänger der Süderelbe AG mit der Aufschrift „Wir bewegen Immobilien“ ausgerechnet auf dem Gelände des ehemaligen Möbelhauses Meyn in Neu Wulmstorf abgestellt wurde. Bewegt wurde hier schon länger nichts mehr. Die gelben Gebäude an der Matthias-Claudius-Straße rotten vor sich hin. Zahlreiche Fenster der ehemaligen Möbelhäuser sind eingeschlagen, Müll und alte Matratzen wurden auf dem Gelände abgelegt, und Brombeerbüsche erobern sich die Eingänge, wo vor vielen Jahren noch Kunden von Möbel Meyn ein- und ausgingen.

Da erfreut es die Politik und den Gewerbeverein, dass jetzt die Warenhauskette Famila den Standort für sich auserkoren hat. Damit würde nach der Eröffnung des neuen SB-Möbel Boss Marktes nebenan nun auch der letzte Schandfleck auf dem ehemaligen Meyn-Gelände verschwinden. Doch die Tatsache, dass sich ein Vollsortimenter an der Matthias-Claudius-Straße ansiedeln möchte, birgt auch reichlich Zündstoff.

Bislang war das Gelände für Händler mit Lebensmitteln und Bekleidung im Angebot tabu. Der Bebauungsplan der Gemeinde Neu Wulmstorf erlaubt es nur, dass sich Möbel-, Teppich-, Bau- oder Getränkemärkte sowie Bettengeschäfte an der Stelle ansiedeln. Damit sollen die Geschäfte im Zentrum geschützt werden. Damit sich Famila ansiedeln kann, müsste der Gemeinderat also das Sondergebiet aufweichen.

Während die Politik und der Vorstand des Gewerbevereins vorsichtig Zustimmung signalisieren, geht schon ein erster Aufschrei durch die Reihen der Einzelhändler. Viele treibt die Sorge um den Ortskern um. „Für die Bahnhofstraße wäre eine Ansiedlung von Famila fatal“, sagte Wilfried Warncke, Inhaber des Edeka-Marktes an den Wulmstorfer Wiesen. „Wenn sich die Fraktionen dafür entscheiden, haben sie ordnungspolitisch nicht viel erreicht.“ Warncke ist überzeugt, dass sich damit nur das Problem von der Matthias-Claudius-Straße in die Bahnhofstraße verlagern würde, da Famila nichts anbietet, was die Bahnhofstraße nicht schon hat.

Inhaber des Edeka-Marktes sieht sich von Famila in seiner Existenz bedroht

Und natürlich sieht sich Warncke selbst in seiner Existenz bedroht: „Das Gros im Angebot von Famila sind die Lebensmittel. Das ist nun einmal unser Kerngeschäft und würde uns empfindlich treffen.“ Warncke will die Politiker überzeugen, sich gegen die Ansiedlung auszusprechen und sich stattdessen um die Ansiedlung von Garten-, Bau- oder Elektromärkte zu bemühen. Mit seiner ablehnenden Haltung steht Warncke nicht alleine da. Auch andere Einzelhändler, die von Famila gar keine Konkurrenz fürchten müssen, wollen das Warenhaus nicht. Christa Hauschild, Inhaberin des Fahrradhändlers Hauschild, ist überzeugt, dass nicht nur die Händler an der Bahnhofstraße, sondern vor allem die Wochenmarktbetreiber darunter leiden würden. „Wenn die Kunden vor das Geschäft fahren können, kaufen sie dort alles ein. Dann kann der Wochenmarkt einpacken.“

Die Politik hingegen sieht in seiner solchen Ansiedlung vor allem eine Chance. „Wir wissen, dass der Wunsch nach einem Textilgeschäft oder einem Geschäft für elektronische Medien weiterhin ganz oben auf der Liste vieler steht“, sagte SPD-Fraktionschef Tobias Handtke, „müssen aber erkennen, was zur Zeit möglich ist, und welcher Investor auch bereit ist in unseren Standort zu investieren.“ Handtke will nicht weiter abwarten.

Die CDU hat den Ball dem Gewerbeverein zugespielt. Was er davon hält, ist für die Christdemokraten maßgeblich. „Natürlich machen wir uns Sorgen um die Bahnhofstraße“, sagte CDU-Fraktionschef Malte Kanebley. „Ein Spielwarenhändler an der Bahnhofstraße wird dann nicht mehr verkaufen, sondern weniger. Es ist nur die Frage, ob wir das wollen oder nicht. Wir sind noch im Meinungsfindungsprozess.“

Der Gewerbeverein jedenfalls will. Zumindest der Vorstand. Er erhofft sich von einer Famila-Ansiedlung Kunden im Ort zu halten. Mehr als ein Drittel der Kaufkraft fließt ab, da die meisten Neu Wulmstorfer lieber in Buxtehude oder Hamburg einkaufen gehen. „Die Famila-Kunden fahren ja auf der Hauptstraße entlang und können dann gut einen Abstecher in die Bahnhofstraße machen“, sagte Erich Körn, Geschäftsführer des Gewerbevereins. Auch Bernd Reith, Geschäftsinhaber von Geschenke-Kontor an der Bahnhofstraße, sagte, Famila würde das jetzige „verhältnismäßig kleine“ Angebot bereichern. Er hofft, Kunden, die Neu Wulmstorf jetzt an einen Vollsortimenter in Buxtehude verliert, so zurückzugewinnen.

Ähnlich sehen es Tanja und Maik Krause, Inhaber von Haustier Kontor an der Bahnhofstraße: „Je mehr Geschäfte hierherkommen, desto besser.“ Einige Einzelhändler an der Bahnhofstraße haben da ihre Zweifel. „Die Leute fahren zu Famila und nicht mehr woanders hin“, sagte Axel Diedrich, Geschäftsführer von PBG. Er glaubt nicht daran, dass die Bahnhofstraße von der Ansiedlung profitieren könne.

Die SPD möchte das Thema mit den Bürgern diskutieren und laden zum Informationsabend für Freitag, 1. November, 19 Uhr, ins Kartoffelhaus „papas“, Bahnhofstraße 39, ein.