Hollenstedt

Wochenende mit Torten, Tüten und Trachten

Herbstmarkt, Herbstfest und verkaufsoffener Sonntag zogen die Menschen an

Harburg/Hollenstedt. Der Sommer ist vorbei – jetzt wird der Herbst gefeiert. Und das ebenso in Harburg wie im Umland. Am vergangenen Wochenende zum Beispiel in Hollenstedt. Flohmarkt, Freibier und Feuerwerk: Der einstige Vieh- und Krammarkt ist inzwischen ein Mekka für Flohmarktliebhaber geworden. Etwa 80 Verkäufer boten Trödel und Kleidung aller Art an. Dazu gab es mit Buden und Fahrgeschäften Kirmes-Atmosphäre.

„Wir sind seit fünf Uhr da“, sagt Ingrid Redenius. Die Tagesmutter aus Hollenstedt hat vor allem Spielsachen, Kinderkleidung und Porzellan verkauft. Um drei Uhr packt sie darum, wie viele andere auch, ihre Sachen und macht sich auf den Weg nach Hause. Ein richtig gutes Geschäft hat bis zum frühen Nachmittag auch Anwohner Dieter Jesse gemacht. 50 seiner 70 Kürbisse hat er verkauft. Dabei vier Exemplare von der Größe eines Medizinballs.

Rentnerin Barbara Bartak ärgert sich über den frühen Abgang einiger Flohmarkt-Kollegen: „Eigentlich geht es hier bis 18 Uhr. Die Leute die so früh gehen, machen den Markt kaputt.“ Porzellan und Kristall verkauft die Neuwiedenthalerin mit ihrem Mann Hans-Jürgen in Hollenstedt. Sie sind bereits zum vierten Mal dabei. Trotz Sonnenschein und vielen Besuchern läuft das Geschäft in diesem Jahr jedoch nicht richtig. „Es sind so viele Seh-Leute hier, aber wenig Kauf-Leute“, sagt die 66-Jährige.

Gabriele und Werner Brockmöller verstehen, dass viele private Verkäufer ihre Stände früh abbauen. „Offiziell beginnt der Markt zwar erst um acht Uhr, die ersten Käufer sind jedoch schon um sieben Uhr mit Taschenlampen unterwegs gewesen“, sagt Gabriele Werner. Nach knapp zehn Stunden, seien die Verkäufer erschöpft. Etwa 400 Euro hat das Ehepaar aus Hollenstedt eingenommen. Einen Teil davon haben sie am Sonntag in Kaffee und Kuchen bei den Landfrauen investiert.

Seit 30 Jahren sind die Landfrauen auf dem Herbstmarkt vertreten. „Angefangen haben wir ganz klein, mit ein paar Thermoskannen und Butterkuchen“, sagt Landfrau Gisela Bösch. Inzwischen sind ingesamt 15 Frauen mit dem Stand beschäftigt: Torten schneiden, Kaffee kochen, Geschirr spülen und Kunden bedienen. „Wir sind eine feste Institution, 70 Torten und etwa genauso viel Liter Kaffee verkaufen wir an einem Wochenende“, sagt die Bäuerin und Pfarramtssekretärin. Der Erlös ihrer Verkäufe geht an Projekte in der Samtgemeinde. „In den letzten Jahren haben wir vor allem die Jugend, die Bücherei und das Schwimmbad unterstützt“, sagt Gisela Bösch. Gemeinsam entscheiden die Frauen nach dem Markt, wo die Einnahmen in diesem Jahr eingesetzt werden sollen.

In Harburg hatte der Turnerbund zum Herbstfest eingeladen. In Anlehnung an das berühmte und gleichzeitige Münchener Oktoberfest war vor dem Rathaus ein riesiges Bierzelt aufgebaut, daneben standen Fahrgeschäfte und Imbissbuden. „Wir machen das jetzt schon zum dritten Mal“, sagt HTB-Geschäftsführer Torsten Schlage. „Damit üben wir schon mal für unsere 150-Jahr-Feier in zwei Jahren.“

Der Harburger Turnerbund organisiert das Fest zusammen mit einer Event-Agentur und einem Großgastronomen. „Der Deal sieht so aus“, erklärt Schlage: „Unsere Partner tragen das unternehmerische Risiko und wir als Verein übernehmen einen Großteil der Organisation.“

Außer einen großen Sportverein zu managen, hatte Schlage also Genehmigungen einzuholen, Öffentlichkeitsarbeit zu machen und Sponsoren zu beschaffen. „Aber das macht Spaß, und es lohnt sich auch von der Sache her: An den Abenden war das Zelt immer voll. Es gab kaum noch Sitzplätze.“

Dabei präsentierte sich der Harburger Turnerbund nicht nur selbst, sondern hatte auch allen anderen Sportvereinen der Region Gelegenheit gegeben, sich im Zelt zu zeigen. Im Rahmen des Herbstfestes eröffnete der HTB auch die Harburger Laternenumzugs-Saison: Gut 200 Kinder liefen mit ihren Lampions vom Seeveplatz zum Rathaus.

Für Stimmung sorgte das bayerische Musikantentrio „Mikados“ aus Cham. Dafür, dass die Laune blendend blieb, sorgte reichlich bayerisches Bier. Die Rathaus-Maß lag im Preis übrigens beinahe 30 Prozent unter der Münchener Wies’n-Maß. Die Harburger ließen es bayerisch krachen. Vor allem die Damen kleideten sich anlassgemäß und organisierten sich fesche Dirndl. „Super-Stimmung“, jubelte Pia Armbrecht aus Marmstorf, bevor sie mit ihren Freundinnen weiter Runden auf den Tanzdielen drehte.

Gestern zog außer dem Herbstfest auch noch der verkaufsoffene Sonntag die Menschen in die Harburger Innenstadt. Zwar sorgte der Ferienbeginn dafür, dass es etwas leerer war, als an vergangenen verkaufsoffenen Sonntagen, aber der Einzelhandel gab sich zufrieden. „Es sind immer noch reichlich Leute unterwegs und sie bummeln nicht nur, sondern sie kaufen auch“, freute sich Harburgs City-Manager Mathias Heckmann. Phoenix-Center-Manager Thomas Krause stößt in das gleiche Horn: „Man merkt, dass viele Leute schon Geld auf dem Konto haben. Die kommen nicht nur zum Gucken“, sagt er. „Obwohl wir mit der aktuellen Wüsten-Ausstellung ja auch durchaus etwas zum Gucken bieten.“