Neugraben

GBS: In Harburg ein Erfolgsmodell

Die ganztägige Betreuung an Schulen setzt sich flächendeckend durch. Acht Schulen starten ihr Angebot nach den Ferien.

Neugraben. Grundschule von 8 bis 13 Uhr - das war einmal. Wer heute keine Ganztagsbetreuung anbieten kann, hat im Kampf um die Schüler schon verloren. Was im Schuljahr 2010/2011 an einigen Schulen als Experimentierfeld begann, hat sich drei Jahre später als zukunftsweisendes Konzept etabliert. "Die GBS-Angebote haben sich dynamischer entwickelt, als gedacht, die Nachfrage ist rasant gestiegen", sagt Thorsten Altenburg-Hack von der Schulaufsicht Hamburg. Für ihn ist die Ganztagsbetreuung an Grundschulen "ein echtes Erfolgsmodell".

Die Zahlen bestätigen Altenburg-Hack eindrucksvoll. Schon jetzt nutzen etwa 60 Prozent aller Schüler Ganztagsangebote. Ab kommendem Schuljahr starten acht weitere Harburger Schulen in den Ganztagsbetrieb. Damit werden dann alle 19 staatlichen Grundschulen im Bezirk GBS-Angebote haben. Doch wie bewerkstelligen sie diesen Mehraufwand? Und ist er ohne mehr Planstellen überhaupt zu meistern?

Was schnell deutlich wird: Ohne Kooperationspartner wäre das GBS-Konzept ("Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen") kaum umsetzbar. Keine Schule wäre aus eigener Kraft in der Lage, eine Ganztagsbetreuung dauerhaft sicherzustellen. So sind freie Träger der Jugendhilfe wie zum Beispiel der Margaretenhort, das DRK, die Elbkinder Vereinigung oder die Spielvereinigung ESTE unverzichtbar. Laut Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, sind derzeit acht Partner bekannt, die zum Teil sogar mit zwei Schulen kooperieren.

"Wir übernehmen die Kinder ab 13 Uhr, stellen teilweise auch eine Frühbetreuung ab 6 Uhr und eine Spätbetreuung bis 18 Uhr sicher", berichtet Heico Michael Engelhardt, pädagogischer Leiter des Margaretenhorts, aktuell Kooperationspartner der Grundschule Kapellenweg und der Sprachheilschule Baererstraße. In der Hauptzeit bis 16 Uhr würden seine Erzieher und Sozialpädagogen Kerngruppen von 19 bis 23 Kindern betreuen. Beginnend mit dem Mittagessen ziehe sich das Programm mit Musik- und Sportangeboten bis in den frühen Abend.

Noch fehle es aber nicht selten an ausreichendem Fachpersonal, sagt Engelhardt. Was auch damit zusammenhänge, dass im GBS-Betrieb halbe Stellen die Regel seien, die nicht sehr attraktiv sind. Eine Aufstockung auf 75 Prozent wäre nur bei Inklusion und der Spätbetreuung möglich. "Wir sind aber keine Mitarbeiter zweiter Klasse. Eingebunden ins Pädagogen-Team der Schulen sollten sich beide Seiten auf Augenhöhe begegnen. Weil auch in der Nachmittags- wie in der Ferienbetreuung wichtige und wertvolle Erziehungsarbeit geleistet wird", so Engelhardt.

Auf sehr gute Erfahrungen können die Kooperationspartner Ganztagsgrundschule Neugraben und DRK-Kreisverband Harburg verweisen. Nahmen beim GBS-Start im August 2012 von insgesamt rund 250 nur 86 Schüler am Nachmittagsbetrieb teil, so waren es im Februar dieses Jahres schon 136. "Die Anlaufprobleme waren sicher auch dem schwierigen Anmeldeverfahren geschuldet", sagt Schulleiterin Imke Erdbrink: "Jetzt haben wir zehn bis 15 Kinder pro Gruppe, damit lässt sich sehr gut arbeiten."

Das bestätigt auch Angela Mix vom DRK, die die GBS-Angebote an der Schule koordiniert: "Von Vorteil ist sicher auch, dass wir ein Ganztagshaus haben, das räumlich abgetrennt ist. Es ist deutlich zu spüren, dass sich die Kinder im Unterricht anders verhalten als im Nachmittagsbetrieb und das ist auch gut so." Dass sie im GBS-Bereich von anderen Personen betreut würden, trage zu Ausgleich und Entspannung bei.

Beiden Seiten ist ein regelmäßiger Austausch sehr wichtig. Deshalb gibt es einen wöchentlichen Jour fixe, bei dem alle Probleme sofort besprochen werden. "Natürlich haben wir unterschiedliche Perspektiven", sagt Imke Erdbrink, "aber das empfinden wir gegenseitig als bereichernd und eine wertvolle Ergänzung. Die Jugendhilfekollegen sind uns Lehrern eine große Hilfe. Außerdem bieten sie unseren Kindern mit ihrer Arbeit ein Stück Heimat."

Die Angebotsvielfalt an der GTGS Neugraben ist beispielhaft. Neben schulischen Arbeitsgemeinschaften wie der Kreativ-AG, der Koch-AG, dem Chor, einem Tanz-Workshop und dem eigenen Streichelzoo mit mehreren Kaninchen und Meerschweinchen werden auch intensiv das nahe Spielhaus in Neuwiedenthal und der Bauspielplatz genutzt. Überdies gibt es attraktive Sportangebote durch Kooperationen mit den benachbarten Vereinen HNT (Geräteturnen, Ballspiele, Aikido) und TV Fischbek (Volleyball).

Ähnlich rasant entwickelte sich der GBS-Betrieb an der GTGS Scheeßeler Kehre. Auch hier ist der Kooperationspartner das DRK. Von 285 Schülern nehmen mittlerweile 170 Kinder, also ebenfalls rund 60 Prozent, die Nachmittagsbetreuung wahr. "Wir können inzwischen 20 Neigungskurse anbieten, die eine Akzeptanz von über 90 Prozent aller befragten Kinder verzeichnen", sagt Schulleiterin Helga Kedenburg: "Und mehr als 70 Prozent aller Kinder finden ihre Gruppenleiter toll und fühlen sich bei ihnen wohl."

Für Heico Michael Engelhardt vom Margaretenhort gibt es beim Ausbau des GBS-Systems an den Harburger Schulen noch einiges zu tun. "Das ist bislang nicht nur Blümchenwiese", sagt der Fachmann. Aber: "Wir sind auf einem sehr guten Weg."