Wilhelmsburg

Mit der Gartenschau wachsen die Umsätze

Die Planer der Gartenschau haben bewusst auf den grünen Daumen von Partnern aus der Region gesetzt. Die Unternehmen erwarten ein gutes Geschäft am Ende der Schau im Oktober - und einen Imagegewinn.

Hamburg. Wenn zurzeit 6000 Besucher täglich durch die Gärten der Internationalen Gartenschau (igs) in Wilhelmsburg schlendern, sehen sie Garten- und Landschaftsbaukunst aus Hamburg und der Nachbarschaft. Die Planer der Gartenschau haben bewusst auf den grünen Daumen von Partnern aus der Region gesetzt. Die Unternehmen haben zwei Erwartungen an die Partnerschaft: Ein gutes Geschäft am Ende der Schau im Oktober - und einen Imagegewinn.

50 Prozent ihres Jahres-Gesamtumsatzes erwirtschaftet beispielsweise die BFW Garten- und Landschaftsbau GmbH (35 Mitarbeiter) aus Wilhelmsburg mit der Gartenschau. Ob das Unternehmen am Ende auch Gewinn mit der igs macht, vermag Thomas Wilkens, 49, einer von drei Geschäftsführern, heute zwar noch nicht zu sagen, aber: "Die Tendenz ist dahin gehend, dass das wirtschaftliche Ergebnis positiv sein wird", sagt er. Und sein Co-Geschäftsführer Jan Bredekamp sagt über die Partnerschaft mit der igs: "Unternehmen machen das, weil sie Geld verdienen wollen."

Die Kalkulation birgt Risiken und Unwägbarkeiten, weil nicht alle Baustellen gewinnorientiert sind. Die BFW hat einen der gärtnerischen Höhepunkte der Internationalen Gartenschau errichtet, den 2400 Quadratmeter großen Rosenboulevard. 8000 Rosen hat der Wilhelmsburger Gartenbauer dort gepflanzt. "Der Rosenboulevard ist die pflegeintensivste Fläche der Gartenschau überhaupt", sagt Thomas Wilkens und fügt hinzu: "Von Wirtschaftlichkeit brauchen wir bei diesem Projekt erst gar nicht sprechen." Auch bei den Themengärten der Schau buttere sein Unternehmen hinzu. Neun Mitarbeiter seiner Firma sind bis Ausstellungsende auf dem Gartenschaugelände tätig. Auf der Kostenseite stehen Posten, die bei einem Gartenbauer nicht unbedingt üblich sind: Thomas Wilkens hat Elektromobile gemietet, mit denen sich seine Mitarbeiter über das 100 Hektar große Gartenschaugelände bewegen.

Eine der besonders Aufsehen erregenden Flächen der Gartenschau ist auch der Dahliengarten - ebenfalls eine Schöpfung der BFW. Aufwendige Gartenbaukunst wie der Dahliengarten und der Rosenboulevard bringen einem Unternehmen Ansehen und Referenzen. "Partner der Gartenschau zu sein, bedeutet einen Imagegewinn", sagt Thomas Wilkens. Ob noch in zehn Jahren darüber gesprochen werden, wisse er nicht. Aber im Moment profitiere das Unternehmen von dem positiven Eindruck.

Der Gartenbaumeister Thomas Wilkens hat noch einen persönlichen Grund, die Gartenschau mitzugestalten. Er ist in Wilhelmsburg geboren, ist noch auf den Bracks Schlittschuh gefahren, die heute Ausstellungsgelände sind und später ein Park sein werden. "Die igs ist wie mein Baby", sagt er. Es wäre eine Schande für ihn, nicht daran mitgewirkt zu haben. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hat die BFW mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet für "die hohe soziale Kompetenz und starke Identifikation mit den Elbinseln".

Droht der drastische Umsatzeinbruch, wenn die Gartenschau im Oktober als Auftrageber wegfällt? Nein, zeigt sich BFW-Geschäftsführer Jan Bredekamp zuversichtlich. Viele Auftraggeber hätten die Gartenschau abgewartet und Aufträge für Parks und Spielplätze zurückgehalten, bis die Gartenbauer wieder Kapazitäten frei haben. Die Branche könne traditionell in Hamburg "ganz gut" existieren - besser als anderen Regionen Deutschlands.

Die igs habe auf das Regionalitätsprinzip gesetzt und Aufträge an Unternehmen aus der Metropolregion Hamburg vergeben, soweit es das Wettbewerbsrecht zugelassen habe, sagt igs-Mitarbeiter Tilman Uhlenhaut. Auf EU-Ebene gebe es Initiativen, Regionalität als Qualitätsmerkmal im Wettbewerbsrecht zu verankern. Noch hätten die Wettbewerbshüter Bedenken. Partner der igs aus dem Hamburger Süden sind noch das Unternehmen Wiese und Suhr aus Moorburg und die Harburger Außenstelle der Firma Boymann.