Heimfeld

Zahlreiche Villen warten auf neue Besitzer

Generationswechsel ist in Heimfeld der häufigste Grund für Leerstände. Baustufenplan beschränkt Anzahl künftiger Wohnungen.

Harburg. Wer im Internet auf Immobiliensuche geht, zum Beispiel auf Portalen wie Immonet, bekommt derzeit eine überdurchschnittlich große Auswahl an Häusern im Villengebiet von Heimfeld geboten. Die Preise entsprechen der gehobenen Lage und bewegen sich zumeist im Bereich von einer halben Million Euro. Selten darunter, meistens darüber.

Allein rund ein Dutzend Altbau-Objekte befanden sich zuletzt auf dem Markt. Und Makler wie auch Privatanbieter sprechen von einer guten Nachfrage. Kaufinteressenten kommen zumeist aus dem Bezirk Harburg aber auch aus Stadtgebieten von nördlich der Elbe, weil in direkter Zentrumsnähe die Preise für manch einen bereits in kaum noch bezahlbare Höhe gestiegen sind. Dabei merken Makler an, dass nicht jeder Preis, der gefordert wird, am Ende auch zu erzielen ist. Es komme letztlich darauf an, was der Interessent bereit ist zu bezahlen und ob sich der Verkäufer damit zufrieden gibt. Doch warum wollen sich überhaupt so viele von ihren Häusern trennen?

Matthias Wolpers ist einer der Privatanbieter. Er lässt derzeit ein ehemals von zwei Familien genutztes Wohnhaus am Eißendorfer Pferdeweg komplett renovieren und in den ursprünglichen Zustand eines großen Einfamilienhauses zurückversetzen. Das Haus hat eine Außenfassade aus rotem Klinkerstein und die typische Gebäudeform, die auch als "Hamburger Kaffeemühle" bezeichnet wird. Wolpers sagt, dass er in die energetische Sanierung des Hauses mit Wärmedämmung, dreifach verglasten Fenstern, neuer Elektrik, Sanitäreinrichtung und Heizung gut 240.000 Euro investiere und für das 1928 gebaute Haus und das gut 720 Quadratmeter große Grundstück nun eine Preisvorstellung von 695.000 Euro habe.

Wolpers berichtet, dass die beiden früheren Besitzer in eine Altenwohnanlage umgezogen sind. Gleiches gilt auch für die meisten anderen Objekte, die im Villengebiet, zwischen Heimfelder Straße im Süden, Milchgrund im Osten, dem Landschaftsschutzgebiet Meyers Park im Westen und der Stader Straße im Angebot sind. "Es gibt einen Generationswechsel", bestätigt auch Thorsten Schleyer, Vertriebsleiter bei der Immobilienfirma Grossmann & Berger in Harburg.

Manche Häuser, die zum Verkauf stehen, werden noch von den alten Eigentümern bewohnt. Deshalb laufen Besichtigungstermine der Häuser grundsätzlich über Makler. Ebenso ist es mit leer stehenden Immobilien bereits verstorbener Eigentümer. Genaue Anschriften und einen Besichtigungstermin erhält der Kaufinteressent nur, wenn er sich zuvor selbst mit Namen und Anschrift ausweist.

Weniger geheim verläuft das Angebot beispielsweise am Eißendorfer Pferdeweg 38, wo das Hamburger Unternehmen Weinhardt Immobilien seit knapp zwei Wochen den Verkauf einer denkmalgeschützten Villa von 1912 mit einem großen Stellschild am Gartenzaun öffentlich macht. Inhaber Burkhard Weinhardt: "Die früheren Eigentümer sind in altengerechte Wohnungen umgezogen. Es gibt mehrere Erben, von denen keiner die Immobilie übernehmen wollte. Wir bieten die Villa samt 1.200 Quadratmeter großen Grundstück für 680.000 Euro an. Bart O'Brien, Berater des Immobilienunternehmens: "Wir haben erste Besichtigungstermine Ende dieser Woche mit Kaufinteressenten vereinbart. Wegen des Denkmalschutzes gibt es für Käufer auch Förderung durch besondere Investitionsabschreibungen." Für die fachgerechte Renovierung des Hauses muss noch ein höherer Geldbetrag aufgebracht werden.

Die meisten Angebote befinden sich im Bereich des Eißendorfer Pferdewegs, der zentralen Achse des Villengebiets, wo auch Matthias Wolpers seine Kaffeemühle umbauen lässt. Wolpers hatte sich noch vor wenigen Jahren im Villengebiet umfangreich mit Neubauprojekten befasst. Die maximale Ausnutzung der Grundstücksgröße mit dem Bau von Stadtvillen und der größtmöglichen Anzahl an Wohneinheiten war sein Ziel. Wolpers: "Inzwischen ist der geltende Baustufenplan geändert und von der Bezirksversammlung beschlossen worden. Damit ist bei künftigen Neubauprojekten die Anzahl der zu schaffenden Wohnungen begrenzt. Meiner Ansicht nach ist die Entwicklung falsch. Mit der Kaffeemühle und dem Rückbau erfülle ich nun zwar die Ziele der Bezirksverwaltung, die Verdichtung des Villengebiets zu beenden, aber ich denke, dass sich Harburg mit der Begrenzung keinen Gefallen tut."

"Wir haben mehr Nachfrage als Immobilienangebote", sagt Thorsten Schleyer von Grossmann & Berger, "Hamburgs Stadtgebiet kann im Norden weniger wachsen als im Süden. Wir verzeichnen zunehmend Suchende im Harburger Raum, die nördlich der Elbe nicht die geeignete Immobilie gefunden haben." Schleyer bietet im Auftrag von Hans-Jürgen Leonhardt dessen Villa am Eißendorfer Pferdeweg ab an. "Ja, ich will jetzt verkaufen", sagt Leonhardt, "der Grund dafür ist, dass mich dass Harburger Bauamt fertiggemacht hat." Leonhardt hatte den vorderen Grundstücksteil für einen Neubau verkaufen wollen, um seine Schwester auszahlen zu können. Das Bauamt hatte sich mit Hinweis auf Landschaftsschutzgebiet und Baumschutz quergestellt. Nun wird ein Interessent die Villa mit sechs Zimmern, 180 Quadratmeter Wohnfläche und einem 1287 Quadratmeter großen Grundstück für 485.000 Euro kaufen können. Schleyer: "Verkaufsverhandlungen laufen, und die Aussichten, einen passenden Käufer zu finden, stehen gut."

Eine dreigeschossige Villa mit zehn Zimmern, ebenfalls am Eißendorfer Pferdeweg, Baujahr 1952, wird vom Makler AO-Holstein Immobilien für 545.000 Euro angeboten. Dazu gehört nicht nur ein 1657-Quadratmeter-Grundstück, sondern ein weiteres von 1000 Quadratmeter Größe auf einem vorgelagerten, separaten Flurstück. Oliver Firgens, Immobilien-Verkaufsberater bei AO-Holstein: "Es macht Sinn, das Gesamtpaket zu erwerben. Der Gesamtpreis beträgt dann 900.000 Euro." Bei dieser Größenordnung stehen Kaufinteressenten schon nicht mehr Schlange. Firgens: "Es gibt Anfragen von privaten Interessenten sowie mehreren Bauträgern". Bauträger würden die Villa abreißen und Einzel- sowie Doppelhäuser neu bauen wollen.

Bleibt die Frage, ob der geänderte Baustufenplan mit der begrenzten Anzahl an Wohneinheiten nun schon die Vermarktung von Villen und Grundstücken beeinflusst? Carl-Henning von Ladiges, Leiter des Fachamts Stadt- und Landschaftsplanung, sagt: "Die Markttätigkeit ist im Gange. Das ist doch ein gutes Zeichen."