Psychologie

Christian Heeck: "Lachen hat etwas Erlösendes"

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Bianca Wilkens

Der Mitbegründer der Clinic-Clown-Bewegung rät zu mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Tod. Heute spricht er in Tostedt.

Tostedt. Christian Heeck, Künstler, Diplom-Pädagoge und Mitbegründer der Clinic-Clown-Bewegung, spricht heute ab 19 Uhr auf Einladung des ambulanten Hospizdienstes Tostedt im Gemeindehaus der Johanneskirchengemeinde Tostedt. Der Eintritt ist frei. Im Abendblatt-Interview äußert sich Christian Heeck über den richtigen Umgang mit dem Tod und über den Humor als erlösendes Mittel in der Sterbebegleitung.

Hamburger Abendblatt: Wann haben Sie das letzte Mal gelacht, als jemand im Sterben lag?

Christian Heeck: Ich habe noch nie gelacht, wenn jemand im Sterben lag. Es geht nicht darum, dass man sich lustig macht. Wenn man selber betroffen ist, ist einem nicht zum Lachen, dann ist es eine ganz schlimme Geschichte. Humor kann aber helfen.

Inwiefern?

Heeck: Dazu muss man erst mal wissen, was mit Humor gemeint ist. In der Humoral-Psychologie wird unter Humor die natürliche Begabung des Menschen, mit Widrigkeiten des Lebens umzugehen, verstanden. Im Hospiz wird zum Beispiel viel gelacht. Es gibt Situationen, die haben etwas von Slapstick. Lachen ist ja etwas Bahnbrechendes, ein Stück Erlösung. Es geht ja auch darum, Lebensimpulse zu geben und nicht trostlos am Bett des Sterbenden zu sitzen.

Aber im Hospiz ist das Ende doch quasi schon klar.

Heeck: Trotzdem. So lange jemand nicht gestorben ist, ist es ganz wichtig, zu zeigen, du gehörst dazu. Toll, dass du am Leben bist. Schön, dass du mit uns sprichst.

Das ist für ehrenamtliche Sterbebegleiter sicherlich umsetzbar. Aber nehmen wir Eltern, die ihr Kind verlieren: Da zeichnen sich regelrechte Krisen ab. Dass sie dann in der Lage sind, Lebensimpulse setzen zu können, ist schwer vorstellbar.

Heeck: Natürlich ist da erst mal eine ganz große Traurigkeit. Dem muss man auch Raum geben und nicht mit Geschäftigkeit überdecken oder platte Worte wählen. Mit dem Humor in der Sterbebegleitung wollen wir Mut machen, dass sich Angehörige mit dem Sterbenden an Situationen und Dinge erinnern, die sie mit Freude erfüllen. Die Familie sollte dahin schauen, welche schöne Zeit sie miteinander erlebt hat. Auch in den letzten Tagen sollten die Menschen die Faszination des Lebens genießen können.

Ihre Definition von Humor ist also nicht die landläufige...

Heeck: ... Nein, dahinter steckt die Einsicht, dass das Leben eben ist wie es ist. Und wir müssen ein Möglichkeit finden, mit Trauer und Verlust zu leben.

Hat sich das Sterben verändert und müssen wir dem aus diesem Grund mit Humor begegnen?

Heeck: Ich glaube, dass das Sterben nicht mehr als selbstverständlich hingenommen wird. Wir grenzen das Thema aus, wollen nichts damit zu tun haben. Aber gestorben wird immer noch tüchtig. Wir wissen aber gar nicht, wie wir damit umgehen sollen.

Aber ist das wirklich neu?

Heek: Bevor es die Intensivmedizin gab, hatten wir gewiss einen anderen Umgang. Wenn es soweit war, kam ein Arzt und verkündete, nichts mehr tun zu können, und die letzten Tage verbrachte der Sterbende meistens im Kreise seiner Familie. Aber da wohnten die Menschen auch enger zusammen und verbrachten mehr Zeit miteinander. Heute geben wir den Tod und das Sterben in andere Hände.

Zum Beispiel in die der ehrenamtlichen Mitarbeiter eines Hospizes. Ist das denn so schlecht?

Heeck: Nein, das muss nicht schlecht sein. Vor allem, wenn die Kinder mit den im Sterben liegenden Vater oder der sterbenden Mutter nie zurecht kamen. So schenken sie den Angehörigen auch Zeit oder bekommen vielleicht einen ganz anderen Blickwinkel. Ein Clinic-Clown zum Beispiel, den ich kenne, hat mit einem sterbenden Kind ein Lied über sein bisheriges Leben und über das, was das Kind gerne noch erlebt hätte, gedichtet. Das war das Abschiedsgeschenk für die Mutter, die große Probleme hatte, loszulassen. Es lassen sich also kleine Wege aus der Bestürzung und Betroffenheit finden.

Machen es sich Angehörige manchmal etwa einfach, indem sie den Sterbenden in fremde Hände geben?

Heeck: Nein. In so einer Situation ist es immer schwierig, Hilfe anzunehmen. Zudem werden wir dank der modernen Medizin alle sehr alt. Deshalb sind Sterbende oft krank oder leiden auch an Demenz. Für die pflegenden Angehörigen kann das ganz klar zu einer Überforderung führen. Da ist es schön, dass es ambulante Hospizdienste gibt, die sie entlasten können.

Wie würden Sie selber gerne sterben?

Heeck: Am liebsten sehr, sehr spät. Am liebsten im Kreise der Angehörigen und am liebsten schnell.

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