Tierschützer protestieren vor Labor

Aktivisten fordern vor Labor in Mienenbüttel ein Stopp der Versuche an Hunden, Katzen und Mäusen

Mienenbüttel. Das ständige Hundegebell irritierte Sabine Brauer zunächst. Als die Sprecherin der vor drei Jahren gegründeten Bürgerinitiative Lobby pro Tier 1994 nach Rade gezogen war, konnte sie sich keinen Reim darauf machen. Erst nach und nach wurde ihr bewusst, dass es die Beagles aus der Dependance des Neugrabener Labors für Pharmakologie und Toxikologie (LPT) in Mienenbüttel waren, die für Tierversuche verwendet werden.

Für Sabine Brauer war schnell klar, dass sie mehr wissen wollte über diese Firma, die laut eigener Homepage nicht nur an 1500 Hunden, sondern unter anderem auch an 100 Katzen, 500 Meerschweinchen und 10 000 Mäusen Medikamente oder Industrie-Chemikalien testen kann. Vor allem aber wollte die Tierschützerin die Öffentlichkeit über die Vorgänge bei LPT informieren - wie am Dienstag beim europaweiten Aktionstag gegen Botox-Tierversuche.

Corina Gericke vom Verein Ärzte gegen Tierversuche war nach Mienenbüttel gekommen, um diese spezielle Problematik bekannt zu machen. Sie erklärte, dass es seit einem Jahr eine zugelassene Methode der Firma Allergan gebe, mit der sich Botox ohne Tierversuche testen lasse. Neben Allergan seien die Firmen Ipsen und Merz führend auf diesem Markt. Merz wiederum würde laut Gericke immer noch auf Versuche an Mäusen zurückgreifen, und zwar im Neugrabener LPT-Labor. "Eine unserer Forderungen ist, dass Merz auf tierversuchsfreie Methoden umschwenkt", sagte Gericke.

Ihr Verband halte es für skandalös, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuche in den vergangenen Jahren immer weniger geworden seien, während die aus Verbandssicht häufig unsinnige Grundlagenforschung an Tieren zugenommen habe. Vor 20 Jahren seien es noch 1,5 Millionen Tiere gewesen, die für Versuche ihr Leben gaben. "Jetzt werden drei Millionen Tiere in Deutschland pro Jahr für Versuche verwendet." Nur 14 Prozent dieser Versuche seien vorgeschrieben. "Wir wollen das gesamte System umkrempeln."

Nähere Informationen von LPT haben sowohl Ärzte ohne Grenzen als auch Sabine Brauer vergebens angefordert. Bei Anfragen zeigt sich die Firma zugeknöpft. Neu Wulmstorfs Bürgermeister Wolf Rosenzweig hatte mehrfach versucht, einen Besichtigungstermin zu bekommen. Ohne Erfolg.

"Wir haben über die Gemeinde ebenfalls eine Anfrage gestellt", berichtet Michael Krause von den Neu Wulmstorfer Grünen. Zu 90 Prozent habe es geheißen, bestimmte Dinge fielen unter das Betriebsgeheimnis. "Die einzige konkrete Aussage war, dass kein Tier das Labor lebend verlässt." Gegenüber dem Abendblatt war gestern ebenfalls niemand bei LPT für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Konsequenz aus dieser Abschottung ist für Sabine Brauer klar: Nur wenn sie am Ball bleibt, sachlich informiert und die Politik auf ihrer Seite hat, kann sie etwas bewirken. "Unser langfristiges Ziel ist es, dass Tierversuche verboten werden."