Aufruhr in der SPD-Fraktion

Stellvertretender Vorsitzender Sven Gehrdau tritt in Winsen zurück. Er fühlt sich hintergangen

Winsen. Die Abstimmung zur Bildung des Winsener Hauptausschusses hat ein Nachspiel: Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Sven Gehrdau ist von seinem Amt zurückgetreten. Seine Fraktion hatte gegen eine Vergrößerung des Hauptausschusses von zehn auf elf Sitze gestimmt. Dies sicherte der CDU eine Mehrheit.

Die Sozialdemokraten hatten sich auf eigene Berechnungen verlassen, denen zufolge die Vergrößerung keinen für sie positiven Effekt haben würde, da CDU und FDP eine Mehrheitsgruppe bilden würden. Dies war jedoch falsch.

Die fehlerhafte Information zu verbreiten, sei "fahrlässig" gewesen, sagt Gehrdau, der sich von seinen Parteikollegen hintergangen fühlt. "Dirk Oerzen, Birgit Eckhoff und Dr. Dieter Bender sind noch vor der Ratssitzung von Ratsmitgliedern anderer Parteien darauf hingewiesen worden, dass sie zu anderen Ergebnissen gekommen seien", lässt Gehrdau per Pressemitteilung wissen. Die Fraktion habe auf die Richtigkeit der Information der eigenen Kollegen vertraut und sich in der Sitzung entsprechend verhalten.

"Wir haben die Möglichkeiten sechs Tage vor der Ratssitzung in einem offenen Meinungsbildungsprozess diskutiert und mit zehn zu einer Stimme diese Entscheidung getroffen", sagt dagegen Fraktionsmitglied Dieter Bender. Die Basis dafür sei korrekt gewesen. "Ich kann bis heute keinen Fehler daran entdecken." Immerhin habe die SPD starke Positionen besetzen können, darunter den Ratsvorsitz und die zweite stellvertretende Bürgermeisterin. Bender bedauert die Entscheidung Gehrdaus. "Das ist sehr schade, er hätte ein starkes Bindeglied zwischen Fraktion und Vorstand sein können." Auch seine Fraktionskollegin Birgit Eckhoff spricht von einer "demokratischen Entscheidung" auf der Fraktionssitzung. "Die Zahlen lagen auf dem Tisch." Sie ist weiterhin überzeugt, dass die Fraktion die richtige Entscheidung getroffen hat. "Wir haben aus sozialdemokratischer Sicht das Beste herausgeholt. In der Kommunalpolitik muss es um Inhalte, nicht um Befindlichkeiten gehen. Dass Sven Gehrdau sich so entschieden hat, ist schade. Ich hätte gern mit ihm zusammengearbeitet."

Die Abstimmung hat der CDU im wichtigsten Ausschuss eine absolute Mehrheit gesichert. Dies spiegele nicht die tatsächlichen Mehrheiten im Stadtrat wider, so Gehrdau. "Dieser Fraktionsvorstand vertritt aus meiner Sicht nicht die Interessen der Winsener SPD und ich kann dem nicht guten Gewissens weiter angehören. Außerdem habe ich auf die Aussagen in der Fraktionssitzung vertraut und nicht aus eigenem Antrieb andere Informationsquellen gesucht. So bleibt mir keine andere Möglichkeit, als persönlich Konsequenzen zu ziehen." Gehrdau bleibt stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender und Mitglied des Rats.