Kommentar

Politik in Wahlkampfzeiten

Jede Bahnverbindung in Richtung Hamburg ist für Pendler aus dem Landkreis Harburg natürlich eine feine Sache. Vorausgesetzt die Züge fahren und werden nicht bestreikt.

Was aber die Politiker von CDU und Grünen hier fordern, kann sich, bei näherem Hinsehen, gar nicht rechnen. Die Einrichtung der Zugstrecke von Buchholz über Jesteburg nach Harburg würde eine enorme Investition voraussetzen. In diesem Zusammenhang immer wieder von Reaktivierung zu sprechen, ist nicht ehrlich, denn diese Strecke existierte für den Personennahverkehr auf der Schiene noch nie. Die alte Strecke führte von Buchholz über Jesteburg nach Lüneburg, aber nie nach Harburg. Und wem nützt diese neue Strecke? Die Buchholzer haben ihre Strecke direkt nach Harburg, sie würden kaum einen Umweg über Jesteburg und Maschen in Kauf nehmen wollen.

Also würde das neue ÖPNV-Angebot einzig für Jesteburg eingerichtet werden. Dann müssen sich die Politiker allerdings die Frage stellen lassen, wie viele Jesteburger denn diese Bahnstrecke nutzen werden. Und ist es für die Jesteburger Pendler, die täglich mit der Bahn nach Harburg fahren wollen, nicht günstiger und zeitsparender, in Buchholz den Metronom zu besteigen? Man muss kein ÖPNV-Spezialist sein, um das Ergebnis einer möglichen Kosten-Nutzen-Rechnung schon jetzt zu ahnen.

Aber in Wahlkampfzeiten läuft die Politik ja bekanntlich zu Höchstform auf. Da werden Forderungen gestellt, ob sie Sinn machen oder nicht. Hauptsache, der Wähler goutiert das vermeintliche Engagement der Volksvertreter.