Finanzielle Schieflage zwingt Sinstorfer zum Verkauf eines der beiden Gemeindehäuser

Harburg. Die evangelische Kirchengemeinde Sinstorf, die mit rund 1000-jähriger Geschichte als älteste Kirchengemeinde Hamburgs gilt, muss die Notbremse ziehen, um in Zukunft finanziell über die Runden zu kommen. Einnahmen und Ausgaben stehen inzwischen im Missverhältnis. Im neuen Gemeindebrief, der zum Monatsende verteilt wird, machen der Vorsitzende des Kirchenvorstands, Klaus Hennig, und Stellvertreterin Pastorin Dr. Hella Lemke auf die finanzielle Schieflage aufmerksam und teilen mit, dass sich die Gemeinde, um in Zukunft Kosten zu sparen, vom Gemeindehaus am Blättnerring 18 im Ortsteil Langenbek trennen muss. Entweder soll das Haus vermietet oder verkauft werden. Eine Entscheidung zum Verkauf des Gemeindehauses, das auch als das Haus "Am Wäldchen" bezeichnet wird, wäre für den Vorstand allerdings naheliegender.

Die rund 3300 Mitglieder zählende Kirchengemeinde ist in der glücklichen Lage, zwei Gemeindehäuser zu besitzen. Das erste Gemeindehaus steht neben der Kirche am Sinstorfer Kirchweg 21. Es wird wegen der vielen alten Eichen, die dort wachsen, auch "Eichhof" genannt. Der Erhalt der alten Kirche und des Eichhofs verursacht hohe Kosten. Nicht zuletzt müssen jährlich für Baumpflege an den Eichen gut 3000 Euro ausgegeben werden. Und vor wenigen Jahren, als darauf weniger geachtet wurde, war ein Baum beim Sturm aufs Kirchendach gestürzt und hatte großen Schaden angerichtet. Das soll nicht wieder passieren.

Wenn es ums Geld geht, ziehen sich dem Kirchenvorstandsvorsitzenden Klaus Hennig die Sorgenfalten ins Gesicht. "Wir müssen schlichtweg handeln", sagt er, "sonst haben wir in drei bis vier Jahren unsere Rücklagen aufgebraucht und könnten danach nicht mehr selbst darüber entscheiden, was zu tun ist." Ohnehin sieht Hennig im Verkauf des Gemeindehauses "Am Wäldchen" keine schnelle Lösung für das Haushaltsproblem. "Es kann schlimmstenfalls mehrere Jahre dauern, bis ein geeigneter Kaufinteressent gefunden ist", sagt er, "das Gemeindehaus ist schließlich kein normales Gebäude. Der künftige Nutzer sollte möglichst im sozialen Bereich angesiedelt sein. Und er müsste auch ins Umfeld der Wohnsiedlung passen."

Vor gut 20 Jahren, als es der Kirche finanziell besser ging und im Ortsteil Langenbek viele Wohnhäuser gebaut wurden, errichtete die Gemeinde das Gemeindehaus am Blättnerring, um dort den neuen Bewohnern näher zu sein. Die Entfernung zur Kirche und zum Gemeindehaus Eichhof beträgt etwas mehr als einen Kilometer. Das Haus steht auf 2500 Quadratmeter Grund, hat 534 Quadratmeter Nutzfläche unter Dach, einschließlich einer vermieteten Einliegerwohnung von 110 Quadratmetern, die früher als Pastorat diente. Die Kaufsumme für die Immobilie liegt nun bei 1,5 Millionen Euro.

Für die Zukunft rechnet die Gemeinde nicht damit, dass ihr Anteil der von der Nordelbischen Kirche in Kiel eingenommenen Kirchensteuer noch erhöhen wird. Im Gegenteil. Um Verwaltungskosten zu senken hatten sich 2009 in der Nordelbischen Kirche die Kirchenkreise Harburg, Alt-Hamburg und Stormarn zusammengeschlossen zum neuen Kirchenkreis Hamburg-Ost. Doch bislang zahlt sich der Zusammenschluss für zugehörige Gemeinden nicht aus. Es gibt eher zusätzliches Minus. Klaus Hennig: "Wir hatten bis zu dem Zusammenschluss außer unserer jährlichen Zuweisung von etwa 120 000 Euro noch eine Ausschüttung von 40 000 Euro für Bauinstandhaltung. Diese Ausschüttung ist weggefallen.

Nun blickt der Vorsitzende des neunköpfigen Kirchenvorstands mit Sorge auf die 70 000 Euro, die als Defizit für das Hauhaltsjahr 2010 ausgewiesen werden. Um die Lücke zu schließen, muss ein Teil der Rücklagen dran glauben. "Wir wirtschaften bereits äußerst sparsam, haben nur eine Teilzeitkraft im Kirchenbüro und auch unser Kirchenmusiker besetzt nicht einmal eine halbe sondern nur eine 0,4-Stelle." Ohne Spenden, die der Förderkreis der Kirche einsammelt oder ungezählte ehrenamtlich geleistete Stunden könnte längst nicht mehr so viel Programm in der Gemeinde geboten werden. Im Gemeindehaus am Blättnerring treffen sich beispielsweise Chorsänger, ein Spielekreis für Kleinkinder, eine Jugendgruppe, eine Seniorenrunde, ein Literaturkreis, ein Bibelkreis und nicht zuletzt werden Konfirmanden unterrichtet. Das Gemeindehaus Eichhof hätte nach Einschätzung von Hennig ausreichend Kapazität, die Gruppen aufzunehmen. Geld aus dem Verkauf des Gemeindhauses Blättnerring könnte für Instandsetzung und Modernisierung des Eichhofs beitragen.

Langfristig fürchtet Hennig weiteren Rückgang der Einnahmen aus Kirchensteuern. "Der Anteil der Kirchensteuer zahlenden jungen Leute geht zurück", sagt er, "und mit der wachsenden Zahl der Berufstätigen, die in den Ruhestand wechseln und damit auch geringere Kirchensteuer bezahlen, werden wir unsere Haushaltslage vermutlich weiter nach unten anpassen müssen."