Harburg

In Wilhelmsburg darf jeder ein Musical-Star sein

"Ihr seid Musical-Stars, ihr seid Sänger und ihr seid ganz große Klasse", flüstert Ingrid Stegmann.

Wilhelmsburg. Die kleine Ela schaut sie mit großen Augen an. Dann blickt die Sechsjährige zu Anna-Maria Jereczek hinüber. Die nickt ihr aufmunternd zu. Die beiden standen am Sonnabend auf der Bühne, haben in der St. Maximilian Kolbe Kirche das Musik-Stück "Der Wilhelmsburger Froschkönig" aufgeführt. Dabei liegen zwischen den beiden Darstellerinnen kapp 70 Jahre Altersunterschied.

Insgesamt 23 Sängerinnen und Sänger des Chors des Generationenhauses Wilhelmsburg im Alter von fünf bis 100 hatten zu diesem ungewöhnlichen Chorprojekt eingeladen.

In mit Fröschen bedruckten T-Shirts, bunten Kleidern und Frosch-Papp-Kronen tanzten und sangen die großen und kleinen Künstler, was das Zeug hält. "Eine unglaubliche Leistung", freute sich Chorleiterin Ingrid Stegmann. Ein Jahr haben sich die Vorschulkinder der katholischen Bonifatiusschule auf diesen großen Tag vorbereitet. Die Senioren sind seit einem halben Jahr bei den Proben dabei.

Dabei ging es der Sozialpädagogin nicht nur um die künstlerische Leistung, sondern vor allem auch um das soziale Miteinander zwischen Jung und Alt. "Die Kinder werden so liebevoll von den Erwachsenen behandelt, das stärkt ihr Selbstwertgefühl", so Ingrid Stegmann. "Und die Kinder versprühen so viel Lebensfreude, dass die älteren Menschen davon mitgerissen werden."

Das Miteinander von Alt und Jung ist Programm im Generationenhaus. Montags probt der Chor, bestehend aus Kindern der Vorschulkasse der katholischen Bonifatiusschule und Senioren aus Wilhelmsburg, dienstags treffen sich Kinder und Senioren zum gemeinsamen Computerkurs und donnerstags besuchen die Vorschulkinder die Bewohner des Altenheim St. Maximilian Kolbe.

"Das wir dieses Chorprojekt realisieren konnten, verdanken wir auch einer großzügigen Spende", so Ingrid Stegmann. Die Hamburger Körber-Stiftung wie auch der Harburger Unternehmer Peter Becker, Inhaber der Bäckerei Becker, spendeten jeweils 5 000 Euro. Von dem Geld konnten die Instrumente gekauft werden. "Für das kommende Schuljahr haben wir schon wieder etwas Neues geplant", verrät Ingrid Stegmann. Sie möchte das afrikanische Märchen "Der Kabenla" auf die Bühne bringen und sucht dafür noch Sängerinnen und Sänger.