Harburg
Randnotiz

Man darf nicht alles wegwerfen

Wohin ich auch höre: Das große Ausmisten hat begonnen. Alle Freundinnen scheinen denselben Drang zu verspüren. Sich zu befreien, den Dingen eine...

Wohin ich auch höre: Das große Ausmisten hat begonnen. Alle Freundinnen scheinen denselben Drang zu verspüren. Sich zu befreien, den Dingen eine Ordnung zurück zu geben, Klarheit zu schaffen. Liegt es am Pluto? Astrologisch gesehen, soll der mit Saturn im Bunde sein und für Erneuerung und Struktur sorgen. Wer es glaubt...

Auch ich befinde mich in der Riege der Räumenden und habe zum Glück so einige Quellen entdeckt, die mir das unschöne Wegwerfen ersparen. Da ist das kleine Kaufhaus, das gern Spenden nimmt, alles aufarbeitet und dann für ein, zwei Euro verkauft. Und auch die netten Damen von der Sammelstelle im Landkreis freuen sich zweimal in der Woche, wenn man ihnen Spiele, Kuscheltiere und Winterjacken liefert.

Und Bücher? Fuhr man früher mit einer Kiste großartiger Literatur zu einem kleinen Antiquariat, suchte sich der Ladenchef maximal fünf Werke aus, und nach kurzer Zeit waren die Stapel wieder in meinem Keller, ohne dass irgendetwas anders aussah. Heute weiß ich, dass meine Bücher eine zweite Heimat finden. In besagtem Mini-Kaufhaus wie auch mitten in der Stadt. Manchmal schlendere ich dann durch die Hamburger Rathauspassage und schaue nach. Das meiste, was ich dorthin geliefert habe, hat für ein paar Cent einen neuen Leser gefunden. Mich macht das froh. Und ich habe das gute Gefühl, einen kleinen literarischen Bogen um die Wegwerfgesellschaft gemacht zu haben.