Harburger baut wieder Punt-Boote

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Jochen Gipp

Präsentation: Heute, beim Kirschblütenfest auf der Alster, sollen die hölzernen Ruderboote aus dem Binnenhafen Premiere haben.

Harburg. Wer heute Abend zum Kirschblütenfest an die Alster fährt und sich ab 19 Uhr am Fähranleger "Alte Rabenstraße" aufhält, der wird dort neun tolle Boote im Wasser sehen, wie es sie lange Zeit nicht mehr gegeben hat: So genannte "Punts" - englisch ausgesprochen "Pants". Das sind Boote, die einem Kanu ähnlich sind, nur viel breiter und flacher. Ursprünglich waren es Arbeitsboote oder Boote für Entenjäger. Die im Harburger Binnenhafen ansässige Firma Ecoboot, Telefon 32 90 86-0, hat sich auf den Bau der Klassiker spezialisiert und möchte - so Ecoboot-Inhaber Gorch von Blomberg - die alte Punt-Tradition auf der Alster wieder aufleben lassen. Mit der Präsentation der neun Punts beim Kirschblütenfest soll der Anfang gemacht werden. Vor mehr als 100 Jahren hatten Hamburger Kaufleute Renn-Ruderboote für ihre wassersportlichen Aktivitäten aus England - von der Themse - mitgebracht. Ihren Frauen schenkten sie Punts. Vielfach nutzten dann auch die Töchter die Boote, um damit auf Herrenfang zu gehen. In den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war jeden Freitagabend in der Uhlenhorster Fährhausbucht Musik und Feuerwerk. Die Punts sollen dabei ideal zum Turteln gewesen sein. Mehrere 100 dieser Boote dümpelten in Spitzenzeiten auf dem Wasser. Von Blomberg: "Während das Renn-Rudern überlebte, starben die Punts in den Kriegsjahren. Ein alter Hamburger brachte mich dazu, ihm ein Punt zu bauen. Daraus entwickelt sich nun eine Kleinserie." Für Design und Qualität seiner Boote hat der Harburger bereits mehrfach Auszeichnungen erhalten. Auch die Punts sind in Form, Verarbeitung und Ausstattung reif für einen Pokal. Schützen lassen hat sich von Blomberg unter anderem ein geniales Steckschienen-System an Bord. Darauf lassen sich gepolsterte Sitzbänke, Tische, Proviantkiste oder auf Wunsch auch eine Halterung für einen Elektro-Außenborder variabel anbringen. Die Boote werden aus hochwertigem Bootsbau-Sperrholz, Mahagoni oder Lärche, angefertigt, wiegen 54 Kilo und können von zwei Männern zum Transport aufs Autodach gehoben werden. Ab 3500 Euro kostet ein Punt und soll - bei geringem Pflegeaufwand - ewig halten.

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