Harburg

Würdiger Saisonabschluss der Harburger Musikgemeinde

Khatia Buniatishvili, eine Pianistin ohne Klischees

Harburg. Das letzte Konzert am Sonnabendabend bescherte den Mitgliedern der Musikgemeinde Harburg einen schönen Abschluss der Saison 2009/2010. Die gut aufgelegten NDR-Sinfoniker unter George Pehlivanian brachten zu Beginn die Ouvertüre zu Smetanas "Verkaufter Braut". Kurz, trocken, ohne Schwulst der Tonfall, ungemein schwungvoll die weitere Entwicklung, gerade so wie die sehr ausdrucksvolle Körpersprache und lebhafte Mimik des Dirigenten.

Chopins Klavierkonzerte gelten als Virtuosenkonzerte. Auch das zweite Konzert in f-moll, das die blutjunge Khatia Buniatishvili als Solistin präsentierte, zählt als solches. Doch die Pianistin - wie so viele junge Musiker heutzutage mehrfach preisgekrönt - bediente nicht das Klischee des glänzenden Virtuosentums. Denn immer wieder fand sie zu einem sehr ruhigen, privaten Spiel, das nicht glänzen wollte. Natürlich ist sie technisch brillant. Aber stets sucht die sehr sympathische Künstlerin die eigene Ruhe. Sehr geheimnisvoll war der rezitativische Teil des zweiten Satzes.

Schostakowitschs Neunte Sinfonie in Es-Dur bildete den großen Abschluss des Konzerts. Das im August 1945 entstandene Werk ist eine einzige bitter-ironische Abrechnung mit dem vergangenen Krieg, zum großen Ärger der Zensoren. Eingangs die Erinnerung an Schostakowitschs eigene "Symphonie classique", doch die klassische Reminiszenz wird brüsk von Zirkusgetön unterbrochen. Zirzensisches dringt immer wieder durch. Zurückgenommen dann die anfangs schleichende, dabei fast elegante Melodik im zweiten Satz. Derb polternd, Marschmusik verhöhnend und ernsten Tonfall karikierend der weitere Verlauf des Werks, bei dem die elegische Fagott-Weise vom tiefen Blech unterbrochen wird: bittere Satire auch das. George Pehlivanians expressiver Gestik lag diese Musik sichtbar. Der Abend war ein würdiger Saisonabschluss.