Hamburg

Das Geheimnis des Gedenksteins in Helmut Schmidts Garten

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (23.12.1918 bis 10.11.2015 in Hamburg-Langenhorn)

Altbundeskanzler Helmut Schmidt (23.12.1918 bis 10.11.2015 in Hamburg-Langenhorn)

Foto: Ulrich Perrey/dpa/picture alliance

Ein neues Buch beschreibt die tiefe Verbundenheit des Altkanzlers mit seinem früh verstorbenen Sohn Helmut Walter.

Hamburg. Das wussten bislang nur einige Helmut-Schmidt-Biografen und andere Eigeweihte: Der Altbundeskanzler ließ den Grabstein seines 1945 verstorbenen Söhnchens Helmut Walter im Jahr 2013 aus dem Raum Berlin nach Hamburg bringen und im Garten seines Hauses am Neubergerweg (Langenhorn) aufstellen. Seitdem steht er als kleiner Gedenkstein neben dem Archivbau unter einem Kirschbaum.

Der einzige Sohn von Schmidt und seiner Frau Loki war 1945 mit nur knapp sieben Monaten gestorben – wahrscheinlich an einer Hirnhautentzündung. In einem Fernsehinterview wenige Jahre vor seinem eigenen Tod deutete Schmidt an, dass das Kind, von seinen Eltern auch „Moritzelchen“ genannt, im Juni 1944 vermutlich behindert zur Welt gekommen war.

Helmut Schmidt erfuhr Monate später vom Tod seines Sohns

Die Schmidts lebten damals in Bernau bei Berlin, weil Schmidt für das Reichsluftfahrtministerium tätig war. Als sein Sohn starb, war er jedoch bereits an die Westfront abkommandiert worden und erfuhr erst Monate später aus einem Feldpostbrief vom Tod des Jungen. Helmut Walter wurde, in Abwesenheit des Vaters, in Schönow, einem Ortsteil von Bernau, beigesetzt. Schmidt-Kenner wissen, dass der frühe Tod und die Umstände seiner Beisetzung die Schmidts zeitlebens belastet haben.

Mit der Schließung der innerdeutschen Grenze 1961 war den Schmidts auch der Weg zum Grab ihres Sohnes versperrt. Erst 1979 machte Loki Schmidt mit Hilfe des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag Herbert Wehner, des DDR-Unterhändlers Wolfgang Vogel und des zuständigen Pfarrers Norbert Lautenschläger die Grabstelle ausfindig und ließ sie samt neuem Gedenkstein wiederherrichten. Wann immer es ihnen im Rahmen von Reisen in die DDR möglich war, besuchten Loki und Helmut Schmidt das Grab ihres Sohnes.

Kurz vor seinem Tod bat Schmidt um Auflösung der Ruhestätte

In dem neuen Buch „Zuhause bei Loki und Helmut Schmidt“, das in diesen Tagen im Verlag Edel Books erscheint, schreibt Autorin Franziska Zollweg, wie es dann weiter ging. Im Jahr 2013, nur knapp zwei Jahre vor seinem eigenen Tod, bat Schmidt um Auflösung der Ruhestätte und schrieb der zuständigen Friedhofsverwaltung: „Leider kann ich wegen meines Alters und meines Gesundheitszustandes nicht mehr nach Schönow oder zu Ihnen nach Bernau kommen, um die Auflösung des Grabes meines Sohnes zu regeln.“

Was dann geschah, belegt, dass Helmut Schmidt innere Verbundenheit mit dem Söhnchen auch viele Jahrzehnte nach dessen Tod noch bestand. Zollweg rekonstruiert: „Wenige Tage darauf schickte er einen Fahrer nach Schönow, um den etwas verwitterten Gedenkstein, auf dem nur Namen und Lebensdaten des Kindes stehen, nach Hamburg zu holen.“ Laut Zollweg sei der Stein „an schönen Tagen von der Sonne umspielt“.